Artistische Meisterleistung beim Fotofestival in Plech
20.06.2017, 17:57 Uhr
Zum Mekka für Fotofreunde aus ganz Deutschland wurde die 1300-Seelen-Gemeinde beim Fotofestival 2017 des Deutschen Kameramuseums. Ein bunter Themenstrauß rund um die Fotografie und Amateurfilmerei lockte bei schönstem Fotografierwetter die Massen an.
Raffaele Horstmann ist zurück. Zurück in der Welt der Fotokunst — und im Deutschen Kameramuseum. Nachdem der preisgekrönte Kölner Fotograf im letzten Jahr seine 2015 in Plech erstmals komplett gezeigte bislang größte Serie „Code Against Code“ im Rahmen einer Wanderausstellung in vielen Installationen und Ausstellungen präsentiert hatte, kam er 2017 nun wieder ins Deutsche Kameramuseum nach Plech und präsentierte nach einer längeren kreativen Pause seine „Drones“ genannte Bilderserie — faszinierende, farbkräftige, mit Pinsel und Farbe und aufwendig am PC veredelte Porträts.
Er beschäftigt sich darin mit dem „kategorisierten Menschenbild“ dem „Schubladendenken“ und der Frage nach dem „Sinn des (Über)Lebens“. Die großformatigen Drucke von 150 Mal 100 Zentimeter werden noch bis Anfang September gezeigt bevor sie nach Lindau weitergereicht werden.
Bei der Vernissage bekannte Museumsleiter Kurt Tauber, er habe sich schon mehr als ein halbes Jahr auf diesen Moment gefreut, aber in diesem Falle sei Vorfreude nicht die schönste Freude gewesen: „Ich war zwar beim Hängen der bedruckten Lkw-Planen dabei, aber die Freude, die mich seither jedes Mal überkommt, wenn ich die Treppenhausgalerie betrete, ist um ein Vielfaches größer als es die Vorfreude je war.“
Tauber zitierte Jens Werlein, der Raffaele Horstmann seit Jahren als Freund und Mentor begleitet. Werlein habe angesichts der Bilderschau staunend gesagt: „Raffi, irgendwann machst du mich mit deinen Bildern wahnsinnig.“
Horstmanns Ausstellung war eingebettet in das zweite Fotofestival des Museums. Mehr als 20 Händler aus ganz Deutschland und der Schweiz präsentierten auf fast 50 Tischen Hunderten von Besuchern aus ganz Deutschland ihre antiken oder fabrikneuen Fotogeräte. Auffallend, dass die Händler mit dem qualitativ hochwertigsten Angebot auch die besten Geschäfte machten. Schon an Fronleichnam und am Freitag gab es kostenlose Workshops zu den Grundlagen der Fotografie und der kreativen Bildgestaltung. Ein Höhepunkt war die Inbetriebnahme des „Kamuka“ („Kameramuseumskamera“) genannten Riesen-Nachbaus einer Agfa-Box-Kamera. Andreas Wolf und Holger Grzimek hatten den zerlegbaren Holzkasten mit den Ausmaßen von stolzen 140 Mal 110 Mal 85 Zentimeter zur Bayreuther Landesgartenschau 2016 als Hingucker aufgebaut.
Erweiterte Konstruktion
An den Plecher Fototagen bestand die um eine rückseitige Tür und ein altes Messingobjektiv erweiterte Konstruktion ihre Feuertaufe als funktionierende Fotokamera: Ein Team des Kameramuseums schoss damit drei Schwarzweißporträts der Größe 40 Mal 50 Zentimeter (!) auf Umkehrfotopapier, das an Ort und Stelle entwickelt wurde. Dazu musste sich der „Laborant“ kleinmachen und in die Kamera hinein kriechen, um dort das Fotopapier zu platzieren, zu belichten und ohne Lichteinfall in die Entwicklerdose zu befördern. Eine logistische wie artistische Meisterleistung.
Zu den Plecher Fototagen hatte das Deutsche Kameramuseum zusätzlich zum normalen Öffnungs-Sonntag auch am Freitag und am Samstag geöffnet. Das zahlte sich aus: Die Einrichtung verzeichnete einen Besucherandrang wie noch nie außerhalb eines Tages der offenen Tür: Am Sonntag wurden über 90 Besucher im Museum gezählt. Die Fotobörse, die Digitalisierungsaktion für Super-8-Filme und die Vernissage zur Ausstellung „Drones“ erwiesen sich als der erhoffte Besuchermagnet.
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