Es wird kühler in den Bädern

07.08.2010, 22:00 Uhr
Es wird kühler in den Bädern

© Hagen Gerullis

Renate und Hans-Martin Stoller sind seit Jahren Dauergäste in Nürnberger Freibädern. Die Wassertemperatur im Stadion- und Langwasserbad, die sie wechselweise besuchen, war für das Ehepaar bisher akzeptabel — bis vor ein paar Tagen.

Renate Stoller (69), die wegen eines Bandscheibenleidens täglich 45 Minuten rückenschwimmen sollte, brach nach einer Viertelstunde ab. Es war ihr einfach zu kalt. Zunächst dachten die Stollers an ein Versehen und hofften, dass beim nächsten Mal wieder alles beim Alten sein würde. Aber Fehlanzeige: Das Ehepaar und alle anderen Besucher müssen künftig kältere Temperaturen verkraften.

„Ich habe dann mein eigenes Wasserthermometer mitgebracht“, erzählt der 75-Jährige. Und siehe da: Es habe 20,5 Grad angezeigt. Mit dem Messergebnis ging Stoller zum Bademeister. Der bestätigte, dass er die Anweisung habe, die Wassertemperatur zu senken. „Wir und zahlreiche andere Badegäste sind sehr erstaunt und verärgert über die überraschende Anordnung“, wettert Stoller.

Kein Spareffekt?

An einen Spareffekt glaubt er nicht. „Das schreckt viele potenzielle Badegäste ab“, sagt er. Unfair findet Stoller, dass Dauerkartenbesitzer ausweichen müssen, wenn sie ein wärmeres Freibad wollen. „Wir fahren dann nach Neumarkt, dort zeigt das Thermometer 25 Grad an.“

Bei Nürnberg Bad habe man mit Kritik gerechnet, berichtet Joachim Lächele, technischer Leiter. „Wir haben das erste Mal überhaupt die Wassertemperatur in allen unseren Freibädern unter 23 Grad gesenkt“, sagt er. Stollers Messergebnis von 20,5 Grad zweifelt Lächele an. „Wir haben um ein Grad gesenkt.“ In den Becken liege der Wert um 22 Grad.

Nürnberg Bad will mit diesem Schritt Geld sparen, um nicht wieder tiefrote Zahlen zu schreiben: 5,3 Millionen Euro Miese im vergangenen Jahr, 2008 waren es 5,4 Millionen. „Wir haben errechnet, dass wir bei einem Grad weniger in allen beheizten Freibädern pro Tag rund 1000 Euro sparen“, so der technische Leiter.

Derzeit mache Nürnberg Bad überdies das schlechte Wetter einen Strich durch die Rechnung — am vergangenen Donnerstag haben die Bademeister im Stadionbad 70 Besucher registriert, gestern, bei Dauerregen, waren es nur noch sieben Gäste. Ob es bei den niedrigeren Wassertemperaturen bleibt, sei noch nicht sicher. Es komme darauf an, wie massiv sich der Bürgerprotest entwickelt. Für Badegast Stoller ist klar: „Die große Sparwut ufert aus. Sie geht zulasten der Nürnberger.“