Erlanger Studie: Videospielsucht schon vor der Geburt angelegt
27.11.2013, 09:04 Uhr
Rund zehn Prozent der deutschen Teenager spielen mehr als 4,5 Stunden pro Tag am Computer, fast zwei Prozent davon gelten als abhängig. Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen in Hannover belegen nun in einer Studie, dass ein hoher Testosteronspiegel vor der Geburt das Risiko für eine spätere Abhängigkeit steigert.
Die beiden Forschergruppen um die Mediziner Johannes Kornhuber (Psychiatrische und Psychotherapeutische Klinik am Universitätsklinikum Erlangen) und Thomas Mößle vom Kriminologischen Forschungsinstitut haben sich in ihrer Untersuchung auf Erkenntnisse aus früheren Studien zu alkoholkranken Patienten gestützt.
Bei diesen wurde im Vergleich zu gesunden Studienteilnehmern ein kleineres Verhältnis von Zeigefingerlänge zu Ringfingerlänge nachgewiesen. Der Ringfinger war demnach deutlich länger als der Zeigefinger, was als bekanntes Indiz für erhöhte Testosteronspiegel während der Schwangerschaft gilt.
27 Problem-Spieler
Im Rahmen des FLIP-Projekts (Finger Length in Psychiatry) haben die Wissenschaftler mit Hilfe der „Fingerlängen-Verhältnisse“ nun auch die Bedeutung des Testosteroneinflusses für die Entstehung von Videospielabhängigkeit untersucht. Dafür haben sie die 2D:4D-Verhältnisse von 27 Computerspielern, die bereits als riskant oder abhängig eingestuft waren, mit 27 als unproblematisch eingestuften Computerspielern verglichen.
Das Ergebnis hat die Hypothese der Forscher bestätigt: Auch bei den Videospielerkrankten zeigten sich kleinere „Fingerlängen-Verhältnisse“ als in der Kontrollgruppe der gesunden Probanden.
Inwieweit sich das Verhältnis der Fingerlängen tatsächlich für eine Risikoabschätzung eignet, sollen weitere Studien klären. Da, wie Forschungsgruppenleiter Johannes Kornhuber selbst einschränkt, „viele Faktoren“ bei einer Suchterkrankung eine Rolle spielen.
Das 2D:4D-Verhältnis wird darüber hinaus auch mit Erkrankungen wie Autismus oder Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS) in Verbindung gebracht.
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