Hexen, Heilige und Helden zum Mitnehmen

29.04.2012, 16:00 Uhr
Hexen, Heilige und Helden zum Mitnehmen

© Hans-Joachim Winckler

„Verschwörung“ steht in breiten Lettern auf dem Buchrücken. „Das sieht spannend aus“, befindet Egidia Tangorra und steckt den Schmöker ein, den sie in einem der schlichten weißen Regale, die noch bis Sonntag unter anderem in der Fußgängerzone stehen, entdeckt hat.

Hexen, Heilige und Helden zum Mitnehmen

© Hans-Joachim Winckler

Bestückt sind die öffentlichen Bücherschränke mit Werken, die von ihren Vorbesitzern ausgelesen und aussortiert wurden. Jetzt darf jeder zugreifen und sich bedienen. So wie Egidia Tangorra. „Ich bin ein Krimi-Entdecker-Horror-Fan“, versichert die 30-Jährige, „und dass man solche Bücher in Fürth einfach auf der Straße findet, ist klasse.“ Brigitte Donato stimmt ihr spontan zu. „Ich komme im Moment jeden Tag her, weil ich hellauf begeistert bin.“ Sie hat sich im Lauf der Woche schon mehrere Bücher mitgenommen. „Heute gefällt mir ,Das Geheimnis meiner Mutter’ von Susan Wiggs, das ist ein Romantitel, der mich spontan anspricht.“ Die Leselust der 46-Jährigen ist ansteckend: „Meine Kinder sind neun und sieben Jahre alt, die beiden haben hier auch schon gestöbert und sogar Schulbücher mitgebracht.“

Hexen, Heilige und Helden zum Mitnehmen

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„Ich wohne in Berlin, so etwas gibt es bei uns nicht“, lobt Bernd Glauke. Der 47-jährige Druckvorlagenhersteller besucht derzeit seine Eltern in Nürnberg. Bei seinem Abstecher nach Fürth gefällt ihm, was er entdeckt: „Eine hervorragende Aktion.“ Gefunden hat er auf Anhieb etwas Heiteres: „,Der Witze-Omnibus’ hier könnte etwas für meine Tochter sein, ich selber schaue jetzt noch ein bisschen nach Reise-Literatur.“

Hexen, Heilige und Helden zum Mitnehmen

© Hans-Joachim Winckler

Ein kurzer Blick ins Regal und Eva Dominguez freut sich: „Ich habe auf Anhieb nach ,Die Hexe und die Heilige’ gegriffen“, sagt die 67-Jährige. „Im Moment sind solche Mittelalterkrimis ja sehr en vogue und ich mag das auch ganz gerne, weil es sich angenehm leicht wegliest, bei einem Werk mit Tiefgang muss man viel intensiver dranbleiben.“

Johanna Rauch (69) hat ein Buch aus der gleichen Reihe in der Hand: „,Ich werde ,Mein schottischer Held’ mitnehmen, der Klappentext verspricht ,eine prickelnde Zeitreise’, und nach dem Lesen tauschen wir beide die Romane“, schlägt sie ihrer Bekannten vor. Eva Dominguez gefällt die Idee, dass Bücher im Umlauf bleiben: „Ich arbeite ehrenamtlich im Klinikum in der Lila Ecke, da legen wir auch immer Bücher aus, damit die Patienten sich bedienen können.“

Nachschub gesichert

Sophia Schramme und Marie Reinhard stöbern gezielt: „Ich mag alte Literatur aus den 60er Jahren“, sagt Sophia. Ihr Lieblingsbuch? „Keine Frage, ,Unterwegs’ von Jack Kerouac“, verrät die 16-Jährige, die wie ihre Freundin Marie das Helene-Lange-Gymnasium besucht. Beide sind „begeisterte Leserinnen“. Das kann Petra Büttner-Krauss bestimmt auch von sich sagen. Die 51-Jährige fährt nämlich mit einem Fahrradanhänger voll gepackt mit Büchern vor: „Wir ziehen um, also habe ich die Regale entrümpelt und bringe jetzt alles, was wir nicht mehr unterkriegen, hierhin.“ Die öffentlichen Buchregale des Kulturamts funktionieren nämlich in beide Richtungen: Auch das Weitergeben und Einsortieren von eigenen Büchern ist erlaubt. „Später komme ich noch mal zurück“, plant Petra Büttner-Krauss, „dann suche ich mir hier was Schönes für den Sonntag auf dem Balkon aus.“ Was darf’s denn sein? „Am liebsten ein Märchen oder ein leichter Liebesroman — bloß nichts Belastendes.“

Egidia Tangorra spricht derweil aus, was viele hoffen: „Diese Idee ist so toll, das soll es weiterhin geben.“ Ein Wunsch, auf den Kulturamtsleiterin Claudia Floritz spontan reagierte: „Zwei Regale werden bleiben.“ In der Gustavstraße 54 (vor der „Galerie der unbekannten Künstler“) und im Kulturforum geht die Litera-Tour weiter.

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