SPD diskutiert Energiewende

15.01.2012, 18:39 Uhr
SPD diskutiert Energiewende

© Neidhardt

Der Ortsverein brachte an dem Abend mit Ute Vogt unter dem Leitgedanken „Energie – wo geht’s hin?“ die drängenden Probleme um den Ausstieg aus der Atomenergie, Energieeinsparung und Energieeffizienz zur Sprache. Für die SPD-Politikerin darf der ländliche Raum bei der Energiewende nicht ins Hintertreffen geraten. Geradezu beispielhaft schreitet der Gunzenhäuser Stadtteil Stetten voran, dem die Expertin in Energiefragen am Nachmittag einen Besuch abgestattet hatte. Das dort geschaffene und genossenschaftlich geführte Nahwärmenetz hat für sie Vorbildcharakter. „Das wünschen wir uns: Eine dezentrale Nahversorgung, an der die Bürger ihren Anteil haben“, lobte Vogt die Initiative. 

Eine dezentrale Energievorsorgung hat für die Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion im Untersuchungsausschuss Gorleben und Mitglied im Ausschuss für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit auch den Vorteil, dass die „Großen“ hier nicht die Preise diktieren können. Schließlich müsse darauf geachtet werden, dass Energie auch in Zukunft bezahlbar bleibt und die Versorgung sichergestellt ist. Und dass in der Nachbarschaft von Stetten ein großer Windpark geschaffen wurde, ist für Ute Vogt ein weiterer Schritt in die richtige Richtung. In der Region Altmühlfranken sei man bei der Nutzung der Windkraft um einiges weiter als beispielsweise in Stuttgart, wo bisher erst ein einziges Windrad ans Netz gegangen ist. Viele Menschen, so die Erfahrung Vogts, haben mittlerweile erkannt, dass es besser ist, ein Windrad in der Nähe der Wohnung stehen zu haben als ein Atomkraftwerk.

Änderung der Atompolitik nach Fukushima

Die noch in den 1980er Jahren weit verbreitete Ansicht, die Nutzung der Kernenergie mache alles leicht, hat sich nach den Worten der Bundestagsabgeorneten als ein riesiger Irrtum erwiesen. Diesen habe die SPD bereits frühzeitig erkannt. Unter Bundeskanzler Gerhard Schröder sei der Atomausstieg beschlossen worden. Die Regierung Angela Merkel habe diesen Termin dann jedoch nach hinten verschoben. Erst nach der Atomkatastophe von Japan sei eine Kehrtwende in der Atompolitik eingetreten.

Ute Vogt findet es gut, dass auch die kommunalen Energieversorger die Zeichen der Zeit erkannt haben und kräftig in die erneuerbaren Energien investieren. Die Energieexpertin setzt im Gegensatz zur Bundesregierung, die nach ihren Angaben eher den Großvorsorgern den Vorzug gibt, auf kleinere, dezentrale Einheiten, in denen die Energie in der Nähe des Verbrauchers erzeugt wird. Wichtig sei, bei der staatlichen Förderung die ländlichen Regionen nicht zu vergessen.

Neben dem Ausbau der erneuerbaren Energien sieht die Abgeordnete im Einhalten der gesetzten Klimaschutzziele eine Herausforderung. Durch die Schaffung von Nahwärmenetzen könne beispielsweise viel klimaschädliches Kohlendioxid eingespart werden. Auch hier müssten finanzielle Anreize geschaffen werden. Ute Vogt geht davon aus, dass es wohl noch einige Jahrzehnte dauern wird, bis der der Bedarf vollständig mit alternativenn Energien gedeckt werden kann. Sie kann sich vorstellen, dass in der Übergangszeit flankierend beispielsweise Gaskraftwerke zum Einsatz kommen. Diesem Brennstoff sei gegenüber der Kohle der Vorzug zu geben.

Ausbau des Stromnetzes wichtig

Ein Augenmerk muss für Ute Vogt auch der energetischen Sanierung von  öffentlichen und privaten Gebäuden gelten. Hier sei der Staat ebenfalls gefordert, die Sache für die Eigentümer attraktiv zu machen. Die Abgeordnete geht davon aus, dass sich die energetische Gebäudesanierung und der Ausbau der regenerativen Energien positiv auf den Arbeitsmarkt auswirken werden. Wichtig ist für sie auch der Ausbau der Stromnetze. So sei es derzeit kaum möglich, in Norddeutschland erzeugten Windkraftstrom in den Süden der Republik zu transportieren.  Nicht aus den Augen verlieren dürfe man überdies die Schaffung von Energiespeichern etwa durch den Bau von Pumpkraftwerken. Hier müssten noch technische Hürden überwunden werden. Die Forschung auf diesem Gebiet laufe.

„Die Alternativen müssen so aufgebaut werden, dass sich die Atomkraft gar nicht mehr rechnet“, sagte die SPD-Frau. Wichtig sei, den Bürgern die Ziele transparent zu machen und sie in die Entscheidungsprozesse einzubinden. Ute Vogt glaubt nicht, dass der Strom nach dem deutschen Atomausstieg knapp werden wird. Die Region Altmühlfranken ist für sie ein Beispiel, dass der Umstig auf erneuerbare Energien in relativ kurzer Zeit zu schaffen ist. Sie zeigte sich beeindruckt, was hier bereits geschaffen wurde. Biologische Grenzen, daran ließ die Sprecherin keinen Zweifel, sind dem Wachstum auf dem Gebiet der Biogasanlagen gesetzt.

Anlagentechnik "faszinierend"

Was sich hinter der „Bürgerenergie Altmühlfranken e.G.“ verbirgt, stellte Vorstandsmitglied Uwe Döbler im Rahmen der Veranstaltung vor. Er erinnerte an die Montagsdemos für den Atomausstieg in den drei großen Städten im Landkreis mit zum Teil über 1000 Teilnehmern. Unter der Regie der neuen Energie-Genossenschaft sollen laut Döbler in erster Linie Bürgerwindräder und -Fotovoltaikanlagen entstehen. Auf die Möglichkeiten der energetischen Gebäudesanierung, einer effizienten Energienutzung und der staatliche Förderung ging die Architektin und Energieberaterin Renate Peiffer ein. Sie findet es „faszinierend“, was sich in den letzten 30 Jahren auf dem Gebiet der Gebäudeisolierung und der Anlagentechnik entwickelt hat.

Nach den Worten der Vorsitzenden Monika Wopperer knüpft der Vortragsabend nahtlos an die bisherigen Aktivitäten des SPD-Ortsvereins in Sachen Energiesparen an. So wurde unter anderem ein autofreier Sonntag in Gunzenhausen propagiert und dafür geworben, die Heizung einen Tag lang um ein Grad herunterzudrehen. Sie erinnerte wie Döbler an die Schweigemärsche zum Ausstieg aus der Atomenergie. Den Referenten dankte sie mit einer Flasche Hesselberg-Prosecco für ihr Kommen.

Für die Stadt Gunzenhausen grüßte Bürgermeister Joachim Federschmidt. Nach seinen Worten hat sich das Seenland nicht nur als Tourismusregion einen Namen gemacht, die Region sei auch dabei, sich auf dem Gebiet der erneuerbaren Energien zu profilieren. Hier sei man zwischenzeitlich „breit aufgestellt“. Für die Referentin Ute Vogt hatte er ein Buch über die Altmühlstadt mitgebracht. Organisiert wurde die Veranstaltung von der stellvertretenden Vorsitzenden der SPD-Stadtratsfraktion, Irene Dänz.

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