Dienstversammlung unter Bürgermeistern in Neustadt
09.12.2015, 19:20 Uhr
Dr. Erich Zimmermann aus Münchsteinach und Siegfried Maier aus Markt Taschendorf sind die ersten Kulturlandschaftsbeauftragten im „Südlichen Steigerwald“, denen in einer Leader-Kooperation von sechs Lokalen Aktionsgruppen in einem Projekt der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf „Kulturlandschaftskompetenz“ vermittelt wurde. Ein spannendes Jahr lang dauerte die Ausbildung, über die Andrea Fahrnholz von der Regionalentwicklung sowie Dr. Erich Zimmermann und Siegfried Maier im Bürgermeisterforum berichteten.
Grundlagen der Kulturlandschaftsentwicklung, deren Erforschung und der Erhalt von Kulturlandschaften sowie das Projekt- und Freiwilligenmanagement waren Themen der Ausbildung, bei der eine der Exkursionen nach Iphofen führte. Trieb- und Hutesteinen, Triebwege, Hutewald, Mittelwald sowie die artgerechte Schweine- und Rinderhaltung waren dort Kernpunkte der Auseinandersetzung mit der Kulturlandschaft und deren permanentem Wandel, der es wichtig mache, diesen zu dokumentieren und die Menschen dafür zu sensibilisieren, wie es Zimmermann und Maier bei ihren Studium selbst feststellten.
Hopfengärten und Zeitzeugenbefragung
Jeder der 16 Teilnehmer auch aus der Fränkischen Schweiz, dem Frankenwald, dem Fichtelgebirge oder Sechsämterland musste in dem Jahr ein Projekt ausarbeiten, wozu Siegfried Maier die Historie der Hopfengärten in Markt Taschendorf erforschte und Dr. Erich Zimmermann mit Zeitzeugenbefragungen die jüngere Geschichte Münchsteinachs erhellte. Ein weiteres Thema im Südlichen Steigerwald sollten Erdaufschlüsse in Schlüsselfeld sein, die der dortige Altbürgermeister Georg Zipfel „aufspürte“.
Dr. Zimmermann führte im Zusammenwirken mit dem örtlichen Fremdenverkehrs- und Heimatverein 12 Interviews mit Videoaufzeichnungen mit 22 Mitbürgerinnen und Mitbürgern im Alter von 73 bis 95 Jahren durch, wobei sich gelebte Erinnerungen der Befragten in 1600 Minuten Videomaterial bündeln sollten. Vieles habe man in den gut zweistündigen Gesprächen erfahren, was manche Lücke in der jüngeren Geschichte schließe und ohne das Projekt irgendwann für immer verloren gegangen wäre, so Dr. Zimmermann.
Er riet deshalb den Bürgermeistern, in ihren Gemeinden nach Freiwilligen zu suchen, die solche Gespräche führten und dokumentierten, wozu er gerne Hilfestellung gebe. Ausgewertet wird das Material dem Münchsteinacher Gemeindearchiv überlassen werden.
Wie spannend der Blick in die jüngere Geschichte sein kann, hatte in Münchsteinach ein Gemeindeabend über das Kriegsende mit Material aus den Interviews geführt, das zu einem lebhaften Austausch subjektiver Erinnerungen führen sollte (nn-online berichtete). Fragen, ehe es zu spät ist, auch um den Dialekt zu bewahren, lautete Dr. Zimmermanns Rat.
Entdeckungsreise auf Hopfenspuren
Seine Forschungsergebnisse über die Hopfengärten in Markt Taschendorf hat Siegfried Maier in einem Faltblatt aufbereitet, das zur „Entdeckungsreise zur Volks-Brau-Kultur im Steigerwald“ anregt. Eine Reise „zurück in die gute, alte Zeit, als das Bier noch von der Hausfrau und der Hopfen dazu aus dem eigenen Garten kam“. Dort wuchs er einst auch in kleinen und kleinsten Gärten, da jeder für seinen Vorrat am Lebensmittel Bier selbst sorgen musste.
So machte Maier um 1850 in Markt Taschendorf mit seinen damals etwa 550 Einwohnern 163 Parzellen mit insgesamt 12 Hektar aus, auf denen der Hopfen im traditionellen Stangenanbau gewachsen sei. „80 Prozent der Bevölkerung, vielleicht auch mehr, hatten ihren eigenen Hopfen“. Zeugnisse finden sich heute noch vereinzelt in Hopfendächern, mehr in den Felsen- und Hauskellern.

Beide Kulturlandschaftspfleger schilderten ihre neue Passion als äußerst spannend und ihr Beispiel auf jeden Fall als nachahmenswert. Es gelte die örtlichen Kulturdenkmale zu erfassen und zu dokumentieren, was mit punktgenauen Informationen in eine Online-Datenbank eingestellt werden und Interesse wecken kann, diese bei einem Besuch in der Region „aufzuspüren“. Landrat Helmut Weiß würdigte die „hervorragende Arbeit“, die diese Pioniere des Kulturlandschaftsschutzes geleistet haben, und schloss sich deren Rat an: „Das sollte weitere Kreise ziehen!“
Dickes Bündel von Auflagen
Viel Arbeit hatte man sich im Kreisreferat gemacht, das sich mit den gemeindlichen Bauschuttdeponien und dem damit verbundenen Gewässerschutz befasst. In einem umfassenden Referat von der Ablagerungs-, über die Stilllegungs- bis zur Nachsorgephase wurde das Bürgermeistergremium über die Betriebs- und Aufsichts- und Berichtspflichten der Betreiber als wichtigen Beitrag zum nachhaltigen Umweltschutz informiert. Bei einem Wust von Erhebungen die Verfahren zu vereinfachen, mochte man seitens der Verwaltung den Wunsch der Bürgermeister zwar verstehen, aber keine Abhilfe versprechen, für die nur der Gesetzgeber beziehungsweise jene sorgen könnten, die die Datenerfassung fordern. Zum Sinn von vorgeschriebenen Untersuchungen jener Erde, die von Feldern in Gräben geschwemmt wurde und von diesen wieder auf die Felder ausgebracht werden soll, mochte sich nicht nur Bad Windsheims Bürgermeister Bernhard Kisch beim besten Willen keinen vernünftigen Reim machen.
Die Bürgermeister-Dienstversammlung, der sich zum entspannten Gedankenaustausch das traditionelle Jahresabschlussessen in der Kantine des Landratsamtes anschloss, befasste sich auch noch mit der Jugendhilfeplanung des Landkreises, die Rudolf Distler vom Kreisjugendamt darstellte. Regionalmanagerin Andrea Linz stellte eine neue „Willkommensmappe für Neubürger“ mit allen wichtigen Informationen vor, die von den Kommunen mit eigenem Material ergänzt werden kann. Die Bürgermeister erhielten sie als Luxusversion mit Kugelschreibern, für die Neubürger stattet sie das Unternehmen Staedtler mit speziellen Bleistiften aus.
Diese können die Bürgermeister bei der Kalkulation von Projekten für die Unterbringung von anerkannten Flüchtlingen spitzen. Denn für die Schaffung dieses Wohnraumes ist eine hohe Förderung im Rahmen der Dorferneuerung möglich. Diese solle bei der nächsten Dienstversammlung vom Amt für Ländliche Entwicklung erörtert werden, ferner die Regierung von Mittelfranken die Möglichkeiten der Städtebauförderung darlegen. Landrat Weiß betonte die Beschränkung auf die Erhaltung, Umnutzung und Gestaltung von „Gebäuden für gemeindliche oder gemeinschaftliche Zwecke“, was private Objekte ausschließe.
Regierungsrätin Tina Engelhart informierte über den Mietzins von acht bis zehn Euro pro Quadratmeter (kalt) für möblierte Wohnungen mit angemessenem Standard, die anerkannte Flüchtlinge beziehen. Die Laufzeit der Mietverträge werde auf drei Jahre begrenzt, Schadenersatz nur bei mutwilligen Beschädigungen geleistet. Mit der etwas höheren Miete ist der Ausschluss von Ersatzleistungen bei Verschleiß verbunden. Nach aktueller Erhebung befinden sich derzeit 1404 Flüchtlinge im Landkreis, 1002 davon in Gemeinschafts- und Zentralunterkünften.
Ein Willkommensgruß galt Wolfgang Schmidt in der Bürgermeisterrunde, der er ab 1. Januar 2016 angehören wird, wenn er in Baudenbach die Amtsgeschäfte antritt. Der Sohn von Altbürgermeister Herrmann Schmidt wurde am Wochenende mit 95,26 Prozent (Wahlbeteiligung knapp 62 Prozent) zum Nachfolger von Reinhold Kestler gewählt, der sein Amt aus gesundheitlichen Gründen zur Verfügung stellt. Für die CSU-Freie Bürger-Gruppierung angetreten, war Wolfgang Schmidt einziger Kandidat. Seine Amtszeit endet mit der regulären Legislaturperiode 2020.
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