SV Schwaig: Hirngespinst wird allmählich zur Realität
16.10.2012, 09:02 Uhr
Hätte man vor dieser Saison den Trainern gesagt, dass zum 15. Spieltag der Bezirksliga Nord 300 Zuschauer in den Sportpark Ebensee kommen, wären die Antworten in etwa gleich ausgefallen: „Es wäre mehr als eine Überraschung gewesen“, sagt Wolfgang Lutz, der Trainer des Post-SV. „Ich hätte jeden, der das für möglich gehalten hätte, für verrückt erklärt“, sagt Denis Opcin, Lutz’ Kollege vom SV Schwaig. Aber es kamen 300 Zuschauer, um das Topspiel zu sehen. Die Vermutung wäre nahe gelegen, dass diese Begegnung beim SV Süd, oder an der Regelsbacher Straße bei der SG 83 stattfinden würde. Am Sportpark Ebensee trafen sich aber Schwaig und Post zum Topspiel – Erster gegen Dritter.
Opcin begreift langsam, dass der erste Platz kein Hirngespinst eines Verrückten ist, sondern die Realität seiner Aufsteiger. Ziel: Klassenverbleib. Was soll man auch anderes ankündigen, wenn man der Neuling in der Liga ist. Grund: Euphoriewelle. Was soll man auch anderes nennen, wenn man als Neuling in der Liga auch noch ungeschlagen bleibt. Erst am 13. Spieltag schaffte es die SpVgg Heßdorf als erste Mannschaft gegen Schwaig zu gewinnen. Die Serie war gerissen, die Euphoriewelle gebrochen. Doch Schwaig braucht gar keine Welle, sie spielen einfach gut. „Okay, es stimmt: Wir sind momentan die beste Mannschaft der Liga“, sagt Opcin und klingt dabei fast so, als ob er gerade ein Verbrechen eingesteht.
Eigentlich freut sich Opcin aber, denn mit dem überraschenden Erfolg kam auch der Respekt von der Konkurrenz – weil seine Mannschaft nicht mehr als Aufsteiger wahrgenommen wird, sondern als momentan beste Mannschaft der Liga. Mit der spielerisch nicht jeder mithalten kann, auch nicht der Post-SV. Wobei die Post ebenfalls zu den positiven Überraschungen der Bezirksliga gehört. In der zurückliegenden Saison reichte es nur für Platz elf, jetzt läuft es besser. Weil der SV sein Team mit jungen Spielern verstärken konnte, obwohl es nicht mal Punkteprämien gibt. „Wir wissen, wie wir uns auf die anderen Mannschaften einstellen müssen. Bei so einem Gegner wie Schwaig müssen wir uns auf die Defensive konzentrieren“, erklärte Lutz nach dem Spiel, er hatte gute Laune, weil seine Mannschaft so spielte, wie Lutz es von ihr verlangte und damit erfolgreich war. Die Schwaiger fanden kaum ein Mittel gegen das Bollwerk der Hausherren, deswegen versuchten sie es mit Fernschüssen. Doch entweder segelte der Ball weit über das Tor hinaus, oder ein Bein eines Spielers der Post war noch dazwischen. Ihre Chance bekam die Post ebenfalls, in der 27. Minute parierte der Schwaiger Torwart Patrick Rutte einen Schuss von Dominik Trebes. Am Ende blieb es bei einem torlosen Remis.
Ein Ergebnis, mit dem beide Teams leben können. „Wir haben bewiesen, dass wir jede Mannschaft spielerisch dominieren können“, sagte Opcin. „Meine Jungs haben hervorragend umgesetzt, was ich von ihnen verlangt habe“, meinte Lutz. An eine Änderung der Zielsetzung, nämlich nicht gegen den Abstieg kämpfen zu müssen, denken beide nicht. Weil vor ihnen eine über drei Monate lange Winterpause liegt.
„Das fühlt sich so an, als ob danach eine komplett neue Saison beginnen würde“, sagt Opcin. Er glaubt zwar, dass seine Mannschaft noch vor der Pause 40 Punkte zusammen hat, an Höheres möchte er aber erst danach denken: „Wenn wir weiterhin unsere Leistung zeigen, dann werden wir immer noch zu den oberen Mannschaften gehören. Dann können wir gerne schauen, was sich ergibt.“ Würde man ihm jetzt sagen, dass es für den Aufstieg reichen wird – Opcin würde einen wohl für verrückt erklären.
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