Teure Lagune: Stadt greift dem Tiergarten unter die Arme
04.11.2014, 05:57 Uhr
Heuer wird mit einem Minus von 400.000 Euro gerechnet. Zu wenig Besucher machen dem Zoo die Aufwartung, das bereitet Schwierigkeiten. Statt der erwarteten 1,18 Millionen Gästen kommen heuer nur gut eine Million. Dadurch fehlt den Verantwortlichen Geld, die Schulden für das 30-Millionen-Projekt Delfinlagune zu tilgen. Heute weiß man, dass die (Besucher-)Prognosen einer Beratungsfirma für den Bau der Lagune nicht aufgehen.
Der für den Tiergarten zuständige Bürgermeister Christian Vogel und Kämmerer Riedel (beide SPD) haben vereinbart, den Etat des Zoos zu entlasten. Von sieben Millionen Euro Mehrbelastungen beim Bau der Lagune, die dem Tiergarten nicht anzulasten seien, übernimmt die Stadt mit 3,5 Millionen Euro schon einmal die Hälfte. Darüber hinaus wird die restliche Rückzahlung so gestreckt, dass der Tiergarten jährlich nur noch 900.000 Euro zurückzahlen muss, weniger als bisher. Sollte sich die Besucherzahl wieder besser entwickeln, sollen die zusätzlichen Einnahmen für Sondertilgungen verwendet werden.
Friedhofsgebühren steigen 2015 wieder
Gleichzeitig stellte die Stadtverwaltung am Montag im Ältestenrat auch die neuesten Pläne in Sachen Friedhofsgebühren vor. Statt der erwarteten 561.000 Euro Plus plant der oberste Kassenwart der Stadt, Harald Riedel, jetzt mit einem Verlust von gut einer Million Euro. Über die letzten Jahre betrachtet hat der Betrieb überwiegend rote Zahlen produziert – und für viel negative Schlagzeilen durch schlechten Service gesorgt.
Der Kämmerer kündigt daher „turnusmäßig“ Erhöhungen der Gebühren für 2015 an. Wie viel mehr die Bürger im Falle einer Bestattung zahlen müssen, ließ er offen.

Allerdings ist Nürnberg bei den Bestattungskosten bundesweit derzeit noch am günstigsten. Die Gebühren für ein Erdwahlgrab lagen im Januar in Nürnberg bei 700 Euro - und damit weit unter dem Republik-Durchschnitt.
Straßenreinigungsgebühren sinken
Gute Nachrichten gibt es dagegen in Sachen Straßenreinigung. Die Stadt senkt die Gebühren um fünf bis zehn Prozent. Bei einer „Nachkalkulation“ habe man einen Überschuss festgestellt, heißt es in der Beschlussvorlage des Servicebetriebs Öffentlicher Raum (Sör) für den Stadtratsausschuss. Er beträgt immerhin 3,3 Millionen Euro. Begründet wird dies mit niedrigeren Sach- und Treibstoffkosten.
Dadurch hat Sör den Spielraum, die Gebühren für den Zeitraum von 2015 bis 2018 um fünf bzw. zehn Prozent zu senken. Im Reinigungsgebiet A beispielsweise beträgt die Gebühr dann 10,31 statt 10,85 je Meter Straßenfront im Jahr. Im Reinigungsgebiet B sinkt die Gebühr ab 1. Januar 2015 von 3,90 auf 3,53 Euro.
12 Kommentare
Um selbst einen Kommentar abgeben zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich vorher registrieren.
0/1000 Zeichen
Walter aus Nbg.
Von "Wahlbetrug" und "Veruntreuung" zu schreiben, grenzt m. E. nahe an übler Nachrede. Die "Entlassung" eines gewählten OB zu fordern, ist, gelinde gesagt, lächerlich. Wer, bitte, sollte denn Herrn Maly entlassen? Dieser ist kein Angestellter der Stadt, sondern demokratisch von einer breiten Mehrheit der Nürnberger Bürger gewählt worden und kann nicht so einfach "entlassen" werden. Ein seltsames Demokratieverständnis. Na ja.....
eisenfuss
Ich bin schwer am Grübeln, ob das jetzt noch Wahlbetrug oder schon Veruntreuung anvertrauter Gelder ist.
Fakt ist: Das die Lagune geplant und gebaut wurde, wurde uns immer wieder versichert, dass weder auf die Steuernzahler noch auf die Tiergartenbesucher Mehrkostenzukommen. Alles sollte über zusätzliche Einnahmen gedeckelt werden.
Auch NN und NZ haben das immer wieder veröffentlicht.
Fakt ist weiter: Die Eintrittspreis wurden schon zum Start angehoben, indem auf den Lagunenbesuch sozusagen eines Zwangsabgabe eingeführt wurde. jeder muss zahlen, auch wenn er die Delphinhaltung ekelerregend findet.
Und nun werden weitere Millionen verpulvert, weil die Planung natürlich geschönt war.
Das Vorgehen ist eine Frechheit, die Parteien gehören abgestraft und die Hauptverantwortlichen Maly und Encke sofort entlassen.
Von NN und NZ würde ich mir überdies auch mal eine kritische Berichterstattung wünschen, anstatt stets nur die Katasrophenmeldungen von Tiergarten, VAG oder Flughafen abzuschreiben.
Tangoman
@ Drommler! Prestige Objekte: Berliner Flughafen! Da flucht der Bär! Hamburg: Teure Musik bald! Kleines Prestige Objekt: Nürnberg: Die Lagune, die in Geld schwimmt! Und die Leute kommen immer Wieder!
Drommler
@ Beleth: Wo war denn das bitte ein "sehr schöner Sommer"? Der Herbst ist ja ok, aber der August war schon mal ziemlich verregenet (siehe auch hier: http://www.nordbayern.de/region/nuernberg/wetter-verhagelt-besucherbilanz-nurnbergs-bader-saufen-ab-1.3881448?searched=true), und wann sind in Süden Deutschlands Ferien? Genau, hauptsächlich im August! Das trifft nicht nur die Bäder, sondern auch die Aussengastronomie oder eben den Tiergarten.
@ Tangoman: Natürlich braucht eine Stadt Prestigeobjekte - in eine langweilige Stadt, in der es nichts zu sehen gibt, kommt halt keiner...
Tangoman
Ist die Trickserei Rechtens? Heißt es Nicht? Schaden für den Bürger fernzuhalten? Und die Stadträte sind vom Winde verweht?