Auerbacher handelten mit kiloweise Marihuana
28.03.2018, 19:19 UhrSieben Verhandlungstage sind bereits vergangen, als Dennis (Name aller Angeklagten geändert) im Gerichtssaal noch etwas beitragen möchte. Der 29-jährige Amberger lässt seinen Verteidiger Michael Haizmann eine Erklärung verlesen, die es in sich hat: Im Sommer 2016 habe er den maßregelnden Vollzug verlassen und sich eine Existenz als Hausmeisterdienst aufbauen wollen. Doch im Herbst sei sein Ziehvater gestorben, der Schulden bei einem in ganz Nordbayern operierenden Dealer hatte.
Dennis hat laut Erklärung eigentlich nichts mehr mit dem Dealen zu tun haben wollen, er hatte bereits fast sieben Jahre wegen Drogenhandels im Gefängnis gesessen. Nun aber musste er die Schulden des Ziehvaters übernehmen — und wurde "mit vorgehaltener Waffe", so verliest es Haizmann, dazu gezwungen, weiterhin Drogen zu verkaufen. So sei er zurück ins Geschäft gekommen.
Im Kofferraum gelagert
Am 2. Juni war alles vorbei. In den Morgenstunden wurde die Polizei bei ihm und seinem 25-jährigen Amberger Kompagnon Moritz vorstellig. Die Kriminalbeamten durchsuchten eine Garage im Amberger Stadtteil Dreifaltigkeit. Im Kofferraum eines Pkw fanden sie 250 Gramm Haschisch, 280 Ecstasy-Tabletten, 70 Gramm Marihuana und 50 Gramm Kokain. Auch die Nordbayerischen Nachrichten berichteten über diesen Polizeieinsatz.
Zu diesem Fund schweigen die Angeklagten Dennis und Moritz beharrlich, auch gegenüber dem Ermittlungsrichter wollten sie im Laufe des Verfahrens keine Angaben machen. Dass die Polizisten wussten, wo sie suchen müssen, haben sie den beiden anderen Angeklagten zu verdanken: Der 22-jährige Lars und der 21-jährige Benjamin aus Auerbach. Bereits gegenüber dem Ermittlungsrichter hatten sie Einblick gegeben, wie sie immer wieder nach Amberg fuhren, um dort Marihuana zu erwerben und es in Auerbach an einige Abnehmer weiterzuverkaufen. Diese Geständnisse kamen nicht von ungefähr, die zwei Auerbacher waren wohl von einem Kunden ihrerseits verpfiffen worden. Lars und Benjamins Ausführungen unterscheiden sich in einem Punkt: Laut Benjamin waren beide gleichberechtigte Partner, Lars sieht sich dagegen als Mitläufer, der schon nach zwei Drogenkäufen in Amberg aufhören wollte, aber es nicht tat.
Ansonsten geht die Geschichte der beiden Handwerker so: Im Sommer 2016 lieh sich Benjamin von Lars dessen Motorrad aus und baute einen Unfall. Nun hatte er 3500 Euro Schulden bei ihm. Um das Geld zurückzahlen zu können und gleichzeitig Benjamins Konsum als Kiffer zu finanzieren, fingen sie im Dezember an, in Amberg bei Moritz und Dennis einzukaufen. Erst fanden die Deals in einem Keller statt, die Drogen waren in einer Waschmaschine gelagert. Später fanden die Übergaben in besagter Garage statt, wo das Marihuana im Kofferraum des Pkw deponiert war. Lars und Benjamin erworben jeweils mehrere Hundert Gramm. Sie bezahlten 6,60 Euro pro Gramm und verhökerten die Ware in Auerbach für zehn Euro. So kamen binnen fünf Monate etwa sechs Kilo zusammen — dann setzte die Polizei dem Handel ein Ende.
Betriebe wollen weiterbeschäftigen
Nun hoffen die Auerbacher mit ihren Geständnissen, einer Haftstrafe doch noch irgendwie entgehen zu können. Von ihren Verteidigern Christian Wiesneth und Hans Wolfgang Euler, der unter anderem schon Ernst-August von Hannover ("Prügel-Prinz") und die RAF-Terroristin Verena Becker vertreten hat, ließen sie Stellungnahmen ihrer Arbeitgeber verlesen. Tenor: Benjamin und Lars sind in ihren Betrieben angesehen und wichtig. Falls sie nicht ins Gefängnis müssen, werden sie weiterbeschäftigt.
Ob dieser Wunsch in Erfüllung geht, sie trotz des Drogenhandels im großen Stil weiter in Freiheit leben dürfen, entscheidet das Gericht am Donnerstag. Dann werden der Staatsanwalt sowie die insgesamt fünf Verteidiger ihre Plädoyers halten und die Große Jugendkammer unter Vorsitz des Landgerichtspräsidenten Harald Riedl das Urteil verkünden.
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