Penzendorfer Schule ohne Schüler

19.09.2012, 10:28 Uhr
Penzendorfer Schule ohne Schüler

© Wilhelm

Im vergangenen Jahr hatte es hier zumindest noch eine jahrgangskombinierte Klasse aus Erst- und Zweitklässlern gegeben. Nun gehen die Penzendorfer Grundschüler in die Stammschule des Sprengels, die Johannes-Helm-Schule, zu der die Penzendorfer Schule bereits seit einigen Jahren gehört.

„Es ist nun leider eingetreten, was Eltern und die Bürgerinitiative Schule Penzendorf schon seit einigen Jahren befürchtet haben. Die Schule in Penzendorf wurde stillschweigend während der Ferien geschlossen“, schreibt die Bürgerinitiative Penzendorf, die sich für den Erhalt der Grundschule einsetzt, in einem Brief an das Tagblatt. Erst vergangene Woche hat die Initiative nach Auskunft von Schriftführer Günther Bussinger eher zufällig von dieser Entwicklung erfahren.

Tatsächlich hatten weder die Johannes-Helm-Schule noch das Schulamt noch die Stadt als Sachaufwandsträger die Öffentlichkeit über die neue Situation informiert. Und das, obwohl der Erhalt der Penzendorfer Schule in den vergangenen Jahren ein leidenschaftlich diskutiertes Thema war.

Thürauf: Keine Schließung

Doch den Vorwurf der Schulschließung als geheime Kommandosache weisen alle drei Stellen unisono zurück. Aus zwei Gründen.

Erstens: „Die Schule ist nicht geschlossen. Es konnte aber keine Klasse gebildet werden, weil zu wenige Penzendorfer Schüler da sind. Aber die Stadt hält die Räume weiter vor“, betont Oberbürgermeister Matthias Thürauf auf Tagblatt-Nachfrage. 

Auch Schulrätin Ingrid Dröse betont diesen Unterschied. Denn im kommenden Schuljahr könne sich die Lage wieder anders darstellen. Prognosen allerdings seien zum jetzigen Zeitpunkt unmöglich. „Wie es in Zukunft aussieht, ist völlig offen“, betont Helmschul-Rektorin Julia Baader.

Zweitens: „Wir haben durchaus informiert“, stellt Baader klar. „Und zwar diejenigen, die direkt davon betroffen sind: die Eltern der Erst- und Zweitklässler.“ Lange habe man sich bemüht, in Penzendorf eine Klasse zu erhalten. Als aber endgültig klar geworden sei, dass dies nicht möglich sein werde, habe sie am 6. August den Eltern einen Brief geschrieben.

"Alle sind zufrieden"

Von empörten Reaktionen habe sie nichts gemerkt. Im Gegenteil: Einige Eltern aus Penzendorf hätten sich sogar bewusst für die Helm-Schule entschieden. „Soweit ich sehe, sind alle zufrieden“, erklärt Rektorin Baader. Also kein Grund für neue erregte Diskussionen.

Die konkreten Zahlen: Ursprünglich sei man von 15 Penzendorfer Erst- und Zweitklässlern ausgegangen. Tatsächlich angemeldet haben sich dann aber nur 12. Die Mindeststärke einer Klasse liegt bei 13. Doch selbst wenn es 13 Kinder gewesen wären, hätte dies wohl nicht gereicht. 

Entscheidend ist nämlich nicht allein die Zahl der Außenstelle Penzendorf, sondern die der gesamten Helm-Schule. Dort wäre auch für 13 Kinder noch problemlos Platz, ohne eine zusätzliche Klasse bilden zu müssen. Eine eigene Klasse für Penzendorf hätte aber eine zusätzliche Klasse bedeutet. Die Regierung von Mittelfranken hat aber die dafür erforderliche Lehrkraft nicht genehmigt.

Und das, obwohl sich auch OB Matthias Thürauf in einem Schreiben für eine Sonderregelung eingesetzt hatte. Denn in Bayern gibt es durchaus Klassen mit so wenig Kindern, gerade mit dem Argument, kleine wohnortnahe Schulen zu erhalten.

"Keine große Entfernung"

„Aber die Situation in Penzendorf ist eine andere“, erklärt Schulrätin Dröse die Ablehnung. „Zum einen ist Penzendorf keine eigenständige Schule mehr, sondern eine Dependance der Helm-Schule. Zum anderen liegt es nicht in einem Flächenlandkreis, sondern nur drei Kilometer von der Helm-Schule entfernt. Das ist keine große Entfernung.“ 

Die Bürgerinitiative zeigt sich von der Entwicklung enttäuscht. Sie hat seit Jahren den echten Willen von Schule, Schulamt und Stadt vermisst, die Schule zu erhalten. „Dass die Eltern dann verunsichert sind, ist doch klar“, sagt Günther Bussinger. 

Julia Baader und Matthias Thürauf aber halten dagegen. „Ich habe nichts gegen eine Außenstelle in Penzendorf“, stellt Baader klar. „Aber dazu brauche ich Schüler und Lehrer. Und wenn ich nicht genügend Schüler habe, bekomme ich auch keine Lehrer.“

Schwabachs Oberbürgermeister erinnert an die neuen Fenster, die die Stadt erst im vergangenen Jahr hat einbauen lassen. „Das hätten wir ja wohl nicht gemacht, wenn wir die Schule schließen wollten.“ 

Allerdings sei nun eingetreten, wovor er schon lange gewarnt habe. Deshalb habe er vor zwei Jahren eine evangelische Schule als Chance in die Diskussion gebracht, „um den Schulstandort langfristig zu sichern“. Leider sei dies gescheitert. Und leider habe auch die Bürgerinitiative diese Idee bekämpft.

Ganz leer steht die Schule aber nicht. Neben der bereits erwähnten Mittagsbetreuung hat der evangelische Kindergarten hier eine Notgruppe eingerichtet. Zudem bekommen Schwabacher Vorschulkinder mit Migrationshintergrund hier Deutschunterricht als Schulvorbereitung.

"Prognosen sagen gar nichts"

Und die Prognosen? Heuer hatte die Helmschule 71 Anmeldungen, im kommenden Jahr könnten es 96 Erstklässler sein. „Das klingt zwar gut“, sagt Rektorin Baader. 

Aber niemand könne sagen, wie viele Kinder zurückgestellt werden oder ins Förderzentrum oder eine Privatschule wie Montessori oder Waldorf gehen. „Eine Prognose“, so ihre Erfahrung, „sagt leider gar nichts.“

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