ars vivendi hängt die Mitbewerber ab
09.09.2010, 00:00 Uhr
Norbert Treuheit mag die Jahreszeit kurz vor Ende der Schulferien. Er freut sich jedes Jahr darauf. Wenn es nicht gerade regnet, lassen sich die letzten Sonnenstrahlen genießen. Es gibt die ersten Lebkuchen. Und nach dem Urlaub sind die Menschen ein Stück entspannter als sonst. Vor allem aber beginnt die neue Kalender-Saison. Kalender sind die große Leidenschaft des Inhabers des "ars vivendi verlages". Sie haben ihn schon immer begeistert. Er zeichnet denn auch persönlich für die Kalenderproduktion in seinem Verlag verantwortlich. Offenbar mit dem richtigen Riecher: Kein anderer Verlag konnte ars vivendi in diesem Jahr bei der Internationalen Kalenderschau in Stuttgart das Wasser reichen. 900 Kalender aus aller Welt fürs Jahr 2011 gingen ins Rennen. Einmal Gold, fünfmal Silber und zweimal Bronze räumten die farbenprächtigen Produktionen von ars vivendi ab.
Schmuckstücke an der Wand
"Das ist natürlich ein wahnsinniger Erfolg, auf den wir alle sehr stolz sind", freut sich Treuheit. "Ich halte nichts von Massenproduktionen, bei denen jedes Jahr nur der Inhalt wechselt. Schöne, großformatige Kalender sind wie Schmuckstücke, die man aus ästhetischen Gründen an die Wand hängt und weniger Mittel zum Zweck", sagt der Verleger. Er legt großen Wert auf neue Ideen, die Motive, die Farben und natürlich die Druckqualität. Seit Jahren arbeitet Treuheit erfolgreich mit dem Fürther Grafiker Armin Stingl zusammen, der die Layouts der meisten Kalender erstellt. Eindrucksvoll zu sehen ist das bei dem mit Gold ausgezeichneten Kalender "Poesie der Blumen." Die Fotografin Isolde Ohlbaum zeigt nicht einfach Pflanzen, sondern Symbole der Freude und der Leidenschaft. Sie schafft eine berührende Nähe und eine Orgie der Farben und Formen. Kein Wunder, dass die zehnköpfige Jury begeistert war. Freuen kann sich auch der Fotograf Werner Schwab aus Cadolzburg. Seine Bilder im Kalender "Südtirol" bescherten ars vivendi Bronze. Kalender müssen aber nicht immer nur optische Reize bieten. Das beweist der fränkische Verlag mit dem ebenfalls mit Bronze ausgezeichneten Krimi-Kalender, der Woche für Woche neue spannende Geschichten von bekannten Krimiautoren bereithält. Ebenfalls prämiert wurden die Produktionen "Essen & Trinken", "Lesen & Schreiben", "Lesen", "caffe bars" und "Poesie der Bäume". Erfolgreich war "ars vivendi" mit seinen Kalendern von Anfang an. 1992 erschien der erste - mit Motiven von italienischen Espressobars, die der Düsseldorfer Fotograf Walter Vogel einfing. Dafür gab es 1993 den Kodak-Fotokalender-Preis. Seitdem wird dieser Kalender jedes Jahr mit neuen Motiven aufgelegt. Und trotzdem muss sich ars vivendi oftmals gerade auch der weniger kreativen Konkurrenz geschlagen geben. Im Buchhandel geben die großen Filialisten den Ton an. "Da lautet das Motto ,wenig Aufwand, viel Gewinn. Es soll am besten ein Verlags-Mitarbeiter in der Filiale das Sortiment betreuen. So einen Personalaufwand können wir als kleineres Unternehmen nicht leisten", bedauert Treuheit. Der Erfolg auf der Kalendermesse kommt für den Verleger zur richtigen Zeit. "Den Platzhirschen zu zeigen, was wir können, das tut schon sehr gut." Dennoch gehört er nicht zu den Schwarzmalern der Branche: "Kalender liegen nach wie vor im Trend, ich mache mir keine Sorgen", sagt er. ars vivendi - mittlerweile hat man rund 1000 eigene Artikel auf Lager - lebt außerdem immer mehr vom Online-Handel. Seit wenigen Wochen kann man auf der Homepage www.arsvivendi.com sogar direkt bestellen - natürlich auch die Kalender für 2011. Und welchen Kalender hat Norbert Treuheit in seiner eigenen Wohnung hängen? "Gar keinen", verrät er. Da er in der Arbeit ständig von ihnen umgeben ist und es manchmal der Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen gleiche, bis eine neue Idee gefunden ist, will der Verleger im Privaten lieber auf Abstand gehen. "Und in der Arbeit benutze ich zugegeben am häufigsten den Terminkalender des Computers", sagt er. Ein Termin ist darin schon jetzt mit Ausrufezeichen markiert: Das kommende Frühjahr. Es ist die Zeit, in der die Buchhändler nicht verkaufte Exemplare zurücksenden können. "Die schlimmste Zeit des Jahres, meint Treuheit augenzwinkernd.