Aus Skepsis wurde rasch Begeisterung
02.10.2007, 00:00 Uhr
Dabei ist die Liebe von Norbert Treuheit zum fränkischen Zungenschlag durchaus keine Selbstverständlichkeit «Ursprünglich habe ich beim Thema Mundart die Nase gerümpft», blickt der 1956 geborene Verleger zurück, der am Anfang seiner Karriere vor allem mit stadtbezogenen Kneipen- und Barführern Furore machte. Grund für die Zurückhaltung war, dass der geborene Cadolzburger lange Zeit seiner «fränkischen Identität» eher zwiespältig gegenüberstand.
Bis ihm eines Tages Fitzgerald Kusz, den Treuheit als Lehrer am Fürther Hardenberg-Gymnasium hatte, einen damals noch völlig unbekannten Mundart-Dichter ans Herz legte. Es handelte sich um Helmut Haberkamm und sein Werk «Frankn lichd nedd am Meer». Treuheits ursprüngliche Skepsis gegenüber der Kombination von Mundart und Literatur verwandelte sich ziemlich schnell in absolute Begeisterung, «denn das war einmal etwas völlig anderes als alles, was ich bisher kannte.»
Haberkamms Art, den Dialekt frei von jeglicher Heimattümelei oder Dumpfbackigkeit einzusetzen, stufte Treuheit von Anfang an «auch literaturwissenschaftlich als unheimlich wertvoll» ein. Seine Einschätzung sollte sich als richtig erweisen, denn das Buch machte Haberkamm über Nacht berühmt und wurde schon fünfmal aufgelegt.
Damit war auch das Eis für andere Autoren gebrochen: Kusz, Schamberger, Maximilian Kerner und einige andere sind schon seit geraumer Zeit bei «ars vivendi» zu finden. Um zu zeigen, dass der Dialekt ein absolut gleichwertiges Element ist, erscheinen sie alle in der allgemeinen Reihe des Verlages. «Wir wollten unbedingt vermeiden, dass diese Autoren in eine eigene Schublade gelegt werden», bekräftigt Treuheit, Stattdessen erscheinen die fränkischen Bücher genauso elegant gestaltet wie der Rest des Verlagsprogramm und frei von jeglichem Einfaltspinsel-Image.
Wenn andernorts auf dieser Masche geritten wird, sei es auf Kleinkunst-Bühnen oder im Fernsehen (so etwa mit einem bescheuerten fränkischen Tatort-Kommissar), dann regt das Norbert Treuheit ziemlich auf: «Wenn man die Franken als Deppen hinstellt, hilft man der Mundart mit Sicherheit nicht! Man muss wirklich immer wieder dagegen ankämpfen, dass das Fränkische mit Gossensprache verwechselt wird!» Dabei könne unser Dialekt so poetisch und lyrisch-sinnlich-sein wie kaum ein zweiter deutscher Zungenschlag. Hervorragende Beispiele dafür seien Haberkamms einfühlsame Übertragungen von bekannten angloamerikanischen Songtexten.
Für die Zukunft ist etliches geplant, so etwa eine Art «Kusz-Lesebuch» dessen 65. Geburtstag im Jahr 2008 ansteht. Auf der anderen Seite könnte sich Treuheit auch einmal einen unverfälscht fränkisch sprechenden Verbrecherjäger in der mittlerweile sehr erfolgreichen Kriminalroman-Reihe mit Tatorten in der Region vorstellen. Dann wäre endlich der tief sitzende Stachel mit dem dämlichen mittelfränkischen Tatort-Kommissar aus der Welt.
www.arsvivendi.com
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