Ein Denkmal für den Denkmalspfleger
24.03.2009, 00:00 Uhr
Unter dem Titel «Carl Alexander Heideloff und sein romantisches Architekturprogramm» näherte sich die Autorin dem architektonischen Werk der vielseitigen Künstlerpersönlichkeit aus dem 19. Jahrhundert. Bisher wurden dessen Bauwerke und Bauvorhaben nur regional und spezifisch untersucht. Knop legt nun eine überregionale Analyse und einen Werkkatalog vor.
Carl Alexander Heideloff, der 1789 geborene Spross einer Stuttgarter Künstlerfamilie, knüpfte Kontakte zur Nürnberger Oberschicht und ließ sich 1820, in der Hoffnung auf eine feste Anstellung als städtischer Baurat, in der ehemaligen Reichsstadt nieder. Da hatte sich der Autodidakt bereits mehr und mehr vom Maler zum Architekten entwickelt. Zu seinen Lebzeiten war sein zwischen Romantik und Neugotik angesiedelter Architekturstil höchst umstritten. Und er ist es bis heute. Im Verlauf von 40 Jahren schuf Heideloff die Grundlagen für ein Nürnberg-Bild, das bis in unser Jahrhundert hineinreicht und Eigen- und Fremdwahrnehmung der Stadt wesentlich mitbestimmt. Er betrachtete die Stadt als mittelalterliches Gesamtkunstwerk.
«Sein besonderer Einsatz galt der Denkmalpflege, die er – quasi als neue Fachdisziplin – aus der Taufe hob», sagte Kulturreferentin Julia Lehner bei der Buchpräsentation. Zeitgenossen wie die Baumeister und Maler Leo von Klenze und Karl Friedrich Schinkel kritisierten Heideloffs romantische altdeutsche Architekturen mit ihrer dekorativ-malerischen Bildhaftigkeit als rückwärtsgewandt. Heute sieht man in Heideloff den Vorreiter des Historismus. Seine Schlossbauten waren wegweisend für den Burgen- und Villenbau in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. «Dadurch entstanden Gebäude, an denen man von außen Geschichte ablesen konnte», urteilt Andrea Knop. Damit sollten sie nicht zuletzt auch ihrem Bauherrn in einer Zeit der politischen und gesellschaftlichen Erschütterungen «Halt und Haltung» geben. Sowohl bei der Nürnberger Stadtplanung, beim Burgenbau, im Sakralbau und mit den Denkmälern verfolgte Heideloff ein bildhaftes Architekturprogramm mit patriotischem Denkmalscharakter. Auf dem
Moritzberg plante er – als Pendant zur Walhalla – ein Nationaldenkmal, das von der Kaiserburg aus sichtbar gewesen wäre. Im Zweiten Weltkrieg sind viele seiner Nürnberger Bauwerke zerstört worden. Einige der von ihm entworfenen Arbeiten, wie beispielsweise das 1826 entstandene Melanchthon-Denkmal am Egidienplatz und der Dürer-Pirckheimer-Brunnen auf dem Maxplatz, sind erhalten geblieben. Uschi Aßfalg
Andrea Knop: «Carl Alexander Heideloff und sein romantisches Architekturprogramm», Verlag Ph. C. W. Schmidt, Neustadt an der Aisch.
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