"Eleanor & Colette": Aufbegehren für ein Grundrecht

03.05.2018, 08:00 Uhr
Eleanor Riese (Helena Bonham Carter in einer Szene mit Hilary Swank) ist an paranoider Schizophrenie erkrankt, kann jedoch mit Medikamenten ein selbstständiges Leben führen.

© Warner Eleanor Riese (Helena Bonham Carter in einer Szene mit Hilary Swank) ist an paranoider Schizophrenie erkrankt, kann jedoch mit Medikamenten ein selbstständiges Leben führen.

Der Film bezieht sich auf einen Fall im San Francisco der 80er Jahre. Eleanor Riese kämpfte damals für ihr Recht auf gesundheitliche Selbstbestimmung bei der Wahl und Dosierung von Medikamenten und ging bis zum obersten Gerichtshof. Aus langer Erfahrung weiß Eleanor (Helena Bonham Carter), dass ein Großteil der Symptome, an denen sie leidet, auf die Nebenwirkungen der Medikamente zurückzuführen ist. Sie heuert die Pro-bono-Anwältin Colette Hughes (Hilary Swank) an, um ihr Anliegen durchzusetzen. Im konservativen Psychiatriebetrieb wird ihre Forderung als juristische Wunschvorstellung abgetan, und auch die Pharmaindustrie hat großes Interesse daran, dass ihr Rechtsstreit erfolglos bleibt.

Innerhalb des Rahmens eines Justizdramas erzählt "Eleanor & Colette" von der Freundschaft zweier grundverschiedener Frauen. Auch wenn Eleanor durch die Krankheit in ihrer Entwicklung zurückgeblieben ist, trägt sie eine eigene Weisheit in sich und zeigt sich ungewohnt direkt im menschlichen Umgang. Colette hingegen merkt man an, dass sie als Frau in ihrem Beruf hart kämpfen musste und immer noch von heimlichen Versagensängsten geplagt ist.

Etwas zu plakativ werden die beiden Frauenfiguren als konträre Persönlichkeiten angelegt, die sich emotional gegenseitig bereichern. Dennoch gelingt es Regisseur Bille August und seiner Hauptdarstellerin Helena Bonham Carter durch eine genaue Figurenzeichnung Eleanors hinter die gesellschaftliche Stigmatisierung zu blicken, ohne das Leiden der Erkrankten zu beschönigen. Diese einfühlsame, auf Inklusion zielende Haltung entschädigt zumindest teilweise für die recht vorhersehbare Erzählweise. (D/B/115 Min.)

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