Brüssel ist weit weg – und doch so nah
11.03.2009, 00:00 Uhr Gewisse nostalgische Gefühle wollten die beiden EU-Mitarbeiter nicht leugnen. Karlheinz Kadner und Werner Grünewald besuchten selbst einst das Hans-Sachs-Gymnasium. Kadner ist bei der Steuer- und Zollkommission beschäftigt, Grünewald ist Manager in der Generaldirektion für Übersetzungen. Jeder Text der EU muss in sämtlichen 23 Amtssprachen vorliegen, umreißt Letzterer sein Tätigkeitsgebiet.
«Hans Sachsler zieht es nun einmal gern in die Welt hinaus. Sogar bis nach Brüssel», bemerkt Margit Wittkowski während ihrer kurzen Einführung. Die Studienrätin war als Initiatorin beim EU-Projekttag federführend und übernahm auch die Moderation. Ist der Beitritt der Schweiz zur EU absehbar? Eine Prognose sei da nur schwer möglich, beantwortete Grünewald die Einstiegsfrage. Die Schweiz könne man als gallisches Dorf bezeichnen, umzingelt von der EU. Für das Land hätte ein Beitritt sicher Vorteile, doch würde dieser auch einschneidende Veränderungen nach sich ziehen.
Alle Kriterien der EU müssten bei einem Beitritt erfüllt werden, auch die vollkommene Freizügigkeit am Arbeitsmarkt. Die Thematik Energieversorgung wurde als nächste erörtert. «Die EU kann insgesamt nicht einmal die Hälfte des Energiebedarfs ihrer Mitgliedsländer decken», so Kadner. Deshalb sind Energieimporte auch in Zukunft nötig. Es bestehen EU-Pläne, sagt Kadner, grenzüberschreitende Energienetze zu installieren. Auch eine Energiepartnerschaft mit arabischen Ländern sei angedacht.
Wie beugt man in der EU einem etwaigen Machtmissbrauch vor, wollte ein anderer Diskussionsteilnehmer wissen. Es ist kein Geheimnis, sagt Grünewald, dass die Mitglieder nicht selten versuchen, ihre nationalen Interessen durchzusetzen. Deshalb dürfe man nicht jede öffentliche Aussage eines Politikers bierernst nehmen. Der Apparat der EU sei auf Verteilung und nicht auf Ballung von Macht angelegt: «Es spielen Urängste mit. Brüssel ist weit weg, lautet eine Befürchtung, die sich seit jeher hartnäckig hält.»
Das Verhältnis von Internetaustauschbörsen und Urheberrecht kam danach zur Sprache. Man merkte schnell, dass sich einige der Gymnasiasten mit dieser Thematik schon eingehend beschäftigt hatten. So mussten die Experten aus Brüssel bald die Segel streichen. «Ihr technisches Wissen übersteigt meines beträchtlich», bekannte Grünewald mit einem Lächeln. Microsoft habe vor nicht allzu langer Zeit eine halbe Milliarde Euro an Strafe zahlen müssen.
Wohin dieses Geld fließe, wollte ein Schüler wissen. «Ohne Abzüge in den EU-Haushalt», lautete die Antwort.
Keine Kommentare
Um selbst einen Kommentar abgeben zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich vorher registrieren.
0/1000 Zeichen