Club-Fans sind enttäuscht

25.01.2010, 00:00 Uhr
Club-Fans sind enttäuscht

Für Waltraud Dimitriou war das Spiel eine Zitterpartie. Nicht, dass sie es so spannend gefunden hätte. Nein, es war ganz einfach bitterkalt im Stadion. Deshalb hat sich Frau Dimitriou zwei paar Handschuhe übereinander angezogen, die Kapuze bis fast über die Augen gezogen und sich in eine Decke gewickelt. Was sie zu sehen bekommen hat, gefiel der Nürnbergerin nicht. «Ich bin nicht zufrieden mit der Leistung der Mannschaft», sagt sie nach dem Spiel. «Das hätte schon ein Sieg werden können.» Die Partie gegen Schalke, die sie nur im Fernsehen verfolgen konnte, hat ihr besser gefallen. Ihr Mann Xaver ist ein bisschen gnädiger. «Ich denke, es braucht einfach Zeit, bis sich der Trainerwechsel bemerkbar macht.»

Andrea Mann aus Kronach hat sich extra für das Spiel eine FCN-Decke gekauft. Da passte auch der Rest der Familie drunter. «Die Frankfurter waren einfach spritziger», sagt sie. Ihr Sohn Tarius, acht Jahre alt, ist selbst Stürmer. Was er eben gesehen hat, will er gar nicht kommentieren. Der junge Mann schweigt. «Es wäre schon schlimm für den Club, wenn er absteigen würde», sagt Oliver Kraus, der ebenfalls aus Kronach zum Spiel angereist ist. «Drei Punkte wären dringend nötig gewesen.»

Die Jungs vom ATV Frankonia Nürnberg durften – mussten – mit den Frankfurtern einlaufen. Natürlich wären sie noch lieber an der Seite der Club-Spieler ins Stadion marschiert. Aber auch mit denen zusammen hätten sie gefroren. Weil sie, wie einer der Buben erzählt, lange warten mussten, bis es endlich losging. Und weil lange Unterhosen nicht erlaubt waren. «Miserabel», sagt Harald Hasieber, der die Jungs trainiert. «Wir würden mit unserer Mannschaft schimpfen, wenn sie so spielen würde, wie der Club heute.» Sein Kollege Heiko Jessat hat sich von dem Trainerwechsel auch mehr erwartet. Ihm hat die Aufbruchstimmung gefehlt. «Es war nur eine Szene wirklich mitreißend. Für die Zuschauer war wenig geboten.»

Zufrieden ist aber immerhin die Polizei. «Unser Konzept ist aufgegangen», heißt es vonseiten der Einsatzleitung vor Ort. «Es hat alles so geklappt, wie wir es uns vorgestellt haben.» Vorgestellt hatte sich die Polizei folgendes (die NZ berichtete): Die Fan-Gruppen sollen schon bei ihrer Anreise voneinander getrennt werden. Die Frankfurter müssen die U-Bahn zur Messe nehmen, die Clubfans die S-Bahn zum Stadion. Das hat bis auf kleinere Reibereien funktioniert. Wer von den Frankfurter Fans später im Stadion mit Feuerwerkskörpern hantiert hat, will die Polizei mit Hilfe von Video-Aufzeichnungen herausfinden.

Etwa 30 Fans sind schon vor Spielbeginn so betrunken, dass sie gar nicht erst ins Stadion eingelassen werden. Einige von ihnen, die sich partout nicht damit abfinden können, werden wegen Hausfriedensbruchs angezeigt.

Während Tausende nach dem Spiel friedlich von dannen ziehen, wollen ein paar Dutzend Frankfurt-Anhänger am Ende dann doch noch Ärger anzetteln. Sie marschieren Richtung Clubfans, werden aber von einem massiven Polizeiaufgebot abgefangen und mit der Bahn nach Hause geschickt.

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