Hier kann wirklich niemand seine Füße stillhalten

24.07.2010, 00:00 Uhr
Hier kann wirklich niemand seine Füße stillhalten

© Daniel Porst

Heuer nahmen 14 Vereine vom Tölzer Land bis Schwabach mit ihren jungen Tänzern teil. Walker/Reiß schickten zwei Gruppen und einige Paare ins Rennen. Der Wettbewerb ist in zwei Kategorien, Paartänze und Gruppentänze, aufgeteilt. Dabei treten die Teilnehmer innerhalb ihrer Altersgruppen „Kids“ und „Teens“ gegeneinander an. Den Anfang machen die Jüngeren mit den Standardtänzen wie langsamer Walzer, Jive und Cha-Cha-Cha. Danach folgen die Lateinamerikanischen Tänze Tango und Rumba. Die Jury achtet bei ihrer Bewertung auf Takt, technische Details und die Schwierigkeit der Tanzschritte. Am wichtigsten sei aber die Ausstrahlung, erklärt Walker. Sein Credo: „Lachen, lachen, lachen.“

Bei den Standardtänzen bestehen die meisten Paare aus zwei Mädchen — es herrscht akuter Männermangel. „Vielleicht wissen andere Jungs nicht, dass es so viel Spaß macht“, meint der elfjährige Dominik Schlee vom dancepoint Königsbrunn: „Oder sie finden, Tanzen ist nur etwas für Mädchen.“ Walker, der die neunte Austragung des Dancemeetings auch moderiert, appelliert an alle männlichen Teilnehmer: „Bitte bleibt dran Jungs. Tanzen ist doch so eine schöne Sache“.

Bei Dominik war es die Mama, die ihn zum Tanzen gebracht hat. „Aber dann hat’s mir soviel Spaß gemacht, dass ich dabei geblieben bin.“ Er tanzt erst seit ein paar Monaten mit Michelle Kaplina zusammen. Die beiden wollen später einmal bei den „Großen“ mitmachen und viele Wettbewerbe gewinnen. Vielleicht nehmen sie sich dann ihre Trainer, Tatjana Kuschill und Massimo Sinato, zum Vorbild. Das Paar ist bereits dreimal zum Bayerischen Meister gekürt worden und feierte seine größten Erfolge zuletzt in der Tanzshow „Let’s Dance“, in der deutsche Prominente gemeinsam mit Profitänzern gegeneinander antreten. Sinato gewann die Show am Ende mit seiner Tanzpartnerin, der Schauspielerin Sophia Thomalla.

Nach einer kurzen Pause folgen den klassischen Paartänzen die modernen Gruppentänze. Die laute, bassgeladene HipHop-Musik reißt alle mit. Auch die Jury kann ihre Füße kaum stillhalten. Dabei kommt jeder Zuschauer allein optisch voll auf seine Kosten. Die Kostüme sind bunt und einfallsreich. Die „Candy Girls“ vom Kinderhort Gebersdorf zum Beispiel tragen neonfarbene T-Shirts, die sie selbst kunstvoll „zerfetzt“ haben. Ihre Haartollen sind pink angesprüht. Die Gruppe „The Lights“ vom dancepoint Königsbrunn hat sich weiße Masken aus Gips gebastelt, die sie sich während dem Auftritt vom Gesicht reißt und in Richtung Publikum schleudert. Aber natürlich wird nicht nur auf das Aussehen geachtet. Es zählen auch hier der Schwierigkeitsgrad, vielfältige Tanzabfolgen und die Ausstrahlung. Außergewöhnliche Darbietungen, wie die Mischung aus Bierzelt-Schunkeln und HipHop-Bewegungen der „Very Berries“ aus Edling oder einem Marionettentanz der „Smile’s attack“ aus Königsbrunn überzeugen am Ende die vierköpfige Jury.

Bei den Paartänzen erreichen Michelle und Dominik Platz eins bei den „Kids“. Bei den „Teens“ gewinnt das Tanzpaar aus Schwabach. Für die vielen jungen Tänzer ist es nicht nur „irgendein Sport“. „Man kann damit seine Gefühle ausdrücken“, sagt Mia von den „Candy Girls“. Deswegen ist vielen von ihnen nur eine Tanzsportart nicht genug. Michelle Kaplina aus Königsbrunn wechselt nicht nur mehrmals ihr Kostüm, sondern versteht es auch, die Eleganz des Paartanzes ganz schnell gegen die betonte Coolness des HipHop auszutauschen. Die Freude am Tanzen ist den vielen Talenten anzusehen. Mit glühenden Wangen und leuchtenden Augen verabschieden sie sich am Abend und beglückwünschen auch die Konkurrenten, bevor es mit den stolzen Eltern nach Hause geht.