Künstler Wolfgang Karl May besetzt den Tiergärtnertorplatz

19.06.2009, 00:00 Uhr
Künstler Wolfgang Karl May besetzt den Tiergärtnertorplatz

© Fengler

Es ist ein Wohnmobil wie von Pippi Langstrumpf erfunden. Ein vier Quadratmeter großes, mit Teppich und Vorhängen ausgekleidetes Häuschen, das in sechseinhalb Metern Firsthöhe auf einem Stamm ruht. Auf einem Schwerlasthänger ist es fahr- und ausklappbar. Heute Abend, 21.30 Uhr, pumpt sein Erfinder Wolfgang Karl May es vor dem Albrecht-Dürer-Haus zu dramatischer Musik in die Lotrechte. Dann zieht er für eine Nacht und einen Tag ein, nennt sich «Postbote von Ideen und Träumen» und sein Spektakel «Dürer Ahoi». Für menschliche Bedürfnisse kommt er über die Leiter nach unten.

Das städtische Kulturreferat hat May als Akteur des jährlichen Dürer-Programms angeheuert: Das Baumhaus soll als moderne Künstlerwohung in Dialog treten mit dem vor 500 Jahren bezogenen Wohn- und Arbeitshaus Albrecht Dürers. Die Behörden haben das Hüttchen als «fliegenden Bau» genehmigt. Dabei kann es gar nicht fliegen, sondern nur verwirren.

«Schau, a Voglhäusla!»

Zum einen steht es mit seinem Giebeldach in verblüffender Verwandtschaft zum dicken Fachwerk-Nachbarn. Zum anderen wirft der Künstler, wie es sich für seinen Berufszweig gehört, damit Fragen im Herzen der Altstadt auf. «Schau hie, etz kummt a Voglhäusla», beobachteten Passanten gestern. Neben der Kulturreferentin Julia Lehner, die die Aufbauprobe besuchte, hielt ein Radfahrer an, sinnierte zehn Sekunden und befand: «So ein Scheiß!»

May aber verspricht: Das Baumhaus begeistert auch. «Es berührt das tiefste Innere der Menschen, holt wie von Zauberhand Lebensthemen des Daseins hervor und regt zum Schmunzeln an.» Das weiß er, nachdem er bereits der Werderau ein Baumhaus schenkte und in New York für Baumhäuser werben ging. Am Dürer-Haus legt er ein Logbuch auf, das er "Lock-Buch" nennt. Darin können Zuschauer Wünsche hinterlassen. Denn künftig will der Hausherr mit der Hütte auf Einladung durch die Welt reisen. Die nächste Station ist fast so klein wie das Haus: Anwanden bei Zirndorf.

Eröffnungs-Performance mit Tuba, Akkordeon und der Opernsängerin Drifa Hansen heute 21.30 bis 22 Uhr. Frühstück mit Agnes Dürer Samstag 10 Uhr, Ende ca. 17 Uhr. Eintritt frei.

Keine Kommentare