Mediziner appellieren: Umsichtig fahren!

22.11.2010, 20:47 Uhr
Mediziner appellieren: Umsichtig fahren!

© Harald Sippel

Eine der häufigsten Ursachen für Verkehrsunfälle ist eine den Witterungsverhältnissen und den Verkehrsbedingungen nicht angepasste Geschwindigkeit. Mit den Folgen – häufig mehrfach Schwerstverletzte – wird neben den Rettungsdiensten auch das Klinikum Nürnberg konfrontiert.

Zwischen 70 und 80 Prozent der 250 bis 300 Schwerstverletzten, die jährlich im Klinikum behandelt werden, sind Verkehrsunfallopfer. Nicht alle überleben. Aber auch für diejenigen, die mit dem Leben davongekommen sind, ist nach dem Unfall oft nichts mehr so wie es vorher war. Nach den Worten des Chefarztes der Neurochirurgie, Prof. Dr. Hans-Herbert Steiner, gelingt es bei großen Zerstörungen am Gehirn in vielen Fällen nicht, den Patienten komplett wiederherzustellen.

Nicht selten bleiben bei Kopfverletzten schwere Funktionsstörungen, weiß Dr. Peter Krebs. Der Anästhesist und Intensivmediziner ist Teil des Traumateams, das im Klinikum die verletzten Unfallopfer vom Rettungsdienst übernimmt und in festgelegten Behandlungsschritten versorgt. Die ersten, die die Verletzten sehen, sind Notärzte wie Dr. Konrad Janecek. Aus seiner Sicht haben die schweren Verkehrsunfälle abgenommen, unter anderem, weil die Autos sicherheitstechnisch besser geworden sind.

Zunehmend gefährdet sieht der Mediziner sportliche Radfahrer, die schnell unterwegs sind und nur zu leicht von Autofahrern übersehen werden „In letzter Zeit ereignen sich vermehrt Unfälle mit abbiegenden Lkw und Radfahrern.“ Minimieren ließe sich dieses Risiko mit Hilfe von Abbieger-Assistenten am Lkw, sagt Jürgen Hildebrand vom ADAC Nordbayern. Doch der sei vom Gesetzgeber nicht vorgeschrieben.

Der Chef der Klinik für Orthopädische- und Unfallchirurgie, Dr. Hermann-Josef Bail, moniert, dass für das Vorbeugen von Verkehrsunfällen zu wenig Geld zur Verfügung steht – trotz erschreckender Zahlen: pro Jahr 4000 Verkehrstote, 70000 Schwerstverletzte und 400000 Verletzte. Motorradfahrer und Pendler hätten ebenfalls ein höheres Risiko, im Straßenverkehr zu verunglücken. Viele tragische Einzelschicksale ließen sich durch eine umsichtige Fahrweise vermeiden, appellieren die Mediziner.

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