Nach 4:0-Führung noch gezittert
31.10.2010, 20:57 Uhr
Bei einem Sieg im Spitzenspiel der Kreisklasse 5 konnte der Klassenprimus aus Langwasser seinen hartnäckigsten Verfolger erst einmal abschütteln. Für den VfL ist die laufende Saison in der Kreisklasse gleichbedeutend mit 28 Strafrunden. Im vergangenen Juni stand der Verein als Liga-Vize nämlich bereits mit einem Bein in der Kreisliga. Doch versemmelte man beide Aufstiegs-Matchbälle gegen den ESV Flügelrad und den ESV Rangierbahnhof.
Es gab im Nachhinein dennoch kein großes Kommen und Gehen, und das nur marginal veränderte Team steht bereits wieder an der Tabellenspitze. Und wie breit die VfL-Brust ist, bekommt an diesem Nachmittag auch der ASV zu spüren. Dabei gibt sich der Gast bei Anpfiff betont lässig. „Wir spielen auf Sieg, was anderes gibt es für uns nicht“, zeigt ASV-Spielleiter Norbert Dressel die Marschrichtung an. Und nach dem ersten zaghaften Abtasten bestimmen die Fürther auch bald das Spiel.
In der fünften Minute startet Fatih Azun ein sehenswertes Solo mit ausbaufähigem Abschluss. Es folgen mehrere halbe Möglichkeiten, die meist Heimtorwart Maximilian Schmidt reaktionsschnell zunichte macht. Dann ein Einwurf in der Gäste-Hälfte, und plötzlich steht Aret Pala mutterseelenallein im Fünfmeterraum und versenkt das Spielgerät. Die 1:0 der Heimmannschaft kommt praktisch aus dem Nichts. „Die anderen spielen und wir machen das Tor“, wundert sich ein VfL-Kiebitz.
ASV-Coach Stephan Illini ärgert sich noch minutenlang über den kollektiven Tiefschlaf. Genau genommen bis zum 2:0. Die Fürther werden klassisch ausgekontert, VfL-Abwehrmann Sven Kiefer läuft allein auf Torwart Fuat Sasmaz zu und lässt sich nicht zweimal bitten. Obwohl Kiefer gleich zwei Abspielmöglichkeiten hat, entscheidet er sich für die egoistische Variante. Mit Erfolg.
Wie in einer Zeitschleife
„Wir haben die Partie diktiert, dann verlieren wir völlig den Faden“, schüttelt Dressel den Kopf. Nach der Pause fühlt man sich wie in einer Zeitschleife. Erst zwei Spielminuten sind absolviert, da bekommt der Gast eine Ecke. Kevin Ott steigt hoch und überwindet den guten Keeper Schmidt, doch ein Abwehrbein bugsiert den Kopfball auf der Linie ins Aus. Fürth drückt weiter, etwas Zählbares kommt dabei jedoch nicht heraus.
Dann die 55. Minute. Ein Fürther Abwehrmann stellt sich im Strafraum wenig geschickt an, und der nicht immer fehlerfrei pfeifende Schiedsrichter Peter Werner entscheidet völlig zu Recht auf Strafstoß. Stephan Kroack tritt an und verwandelt eiskalt.
Die Gäste sind jetzt außer Rand und Band, und Sven Kiefer erhöht kurz darauf mit seinem zweiten Treffer zum 4:0. „So ein Ergebnis hat keiner erwartet. Der ASV ist ein unangenehmer Gegner“, freut sich VfL-Spielleiter Willi Windirsch. Der Klub aus Langwasser steht vor dem elften Sieg in Folge und kann den härtesten Konkurrenten fünf Punkte hinter sich lassen. Die Freude ist verständlich. Doch in einem immer hektischer und unfaireren Spiel zeigt der Gast Moral und Kämpferherz. Nach einem harmlosen Foul pfeift der Schiri direkten Freistoß und gibt den Ball frei. Als der VfL noch dabei ist, die Mauer zu organisieren, zirkelt Marco Montag den Ball zum 1:4 ins Netz. Guten Morgen, VfL.
Nur sieben Minuten später dann sogar das 2:4 durch Hubert Marco. Es folgt eine Flut gelber Karten. Die Heimmannschaft offenbart Nerven, doch dem eingewechselten Fürther Michael Rebel gelingt es nicht, mit einem Flugkopfball weiter zu verkürzen. Eine Minute vor Ende dann wieder ein Pfiff. Elfmeter für Fürth. Warum, das weiß wohl nur Schiri Werner. Doch Samet Celik schlägt das Geschenk aus. Der Ball landet am Innenpfosten. Sekunden später beendet der Schlusspfiff eine unterhaltsame und phasenweise dramatische Begegnung.