Wenn Häschen und Wiesel sich zum Benefiz-Kick treffen
12.07.2010, 00:00 Uhr
Vergangenen Samstag, High Noon: Unter sengender Mittagssonne fiel am Sportplatz Deutschherrnstraße der Startschuss für die mittlerweile 7. Auflage des Rosa Panther-Fußballturniers. Wie in den Jahren zuvor, eine Benefizveranstaltung zugunsten der Aidshilfe Nürnberg-Fürth-Erlangen. Die Eröffnungsrede hielt Bürgermeister Horst Förther, und für die Live-Moderation der Partien war Dragqueen Ellen Lang zuständig. Nicht gerade mit dem Fußballverstand von Günter Netzer gesegnet. Doch Kommentare wie „Häschen, geh vor und baller ihn rein“ entfalteten ihren eigenen Charme.
Je fünf Männer- und Frauenteams, entweder hetero, homo, lesbisch oder gemischt, kämpften um den Turniersieg. Eine Mannschaft besteht aus fünf Feldspielern und einem Torwart und muss vier Spiele bestreiten. Jede Partie dauert zwölf Minuten. Ob mit Seitenwechsel und kurzer Pause, dies entschied der verantwortliche Schiedsrichter nach Gusto. Die Wöhrder Wies’n Wiesel rangen den 1. FCN Fanclub Herz Jesu nieder, und die Jusos Nürnberg besiegten die Frankenbolzer Rosa Panther mit 1:0. „Vor drei Jahren haben wir schon einmal teilgenommen, damals noch als SPD. Jetzt sind wir älter und firmieren unter Jusos“, erklärt Torschütze Dominique Nou mit einem Lächeln. Heute sei man angesichts der Hitze besonders froh, „jede Position doppelt besetzen zu können“.
Die Frankenbolzer Rosa Panther sind das einzige rein schwule Team. Darin involviert: die Co-Veranstalter Otmar Scholl und Günter Siebenkees. Die Niederlage gegen die Jusos wurmte, dies war den Frankenbolzern anzumerken. Doch primär ginge es ja darum, mit dem Fußballturnier integrativ zu wirken und gleichzeitig Werbung für die Rosa Panther zu machen. „Wir sind ein eingetragener Sportverein“, unterstreicht Siebenkees, doch bezüglich Spielerpotenzials mangele es leider erheblich. Deshalb sei es nicht möglich, eine Mannschaft für den normalen Liga-Spielbetrieb zu melden. „Um zum Beispiel in der A-Klasse mitzuhalten, müssten wir uns dringend verjüngen. Denn wir Alten fallen irgendwann wegen Knie- oder Hüftproblemen weg“, erklären die Frankenbolzer.
Früher traten beim Rosa Panther-Cup auch schon einmal reine Frauen-Teams gegen Männer-Mannschaften an. Den Hobbergaasen Erlangen gelang einst sogar das Kunststück, das Turnier zu gewinnen. „Da gab es auf Männerseite schon ziemlich lange Gesichter“, erinnert sich Andrea Kuhn. Die Chefin des Nürnberger Filmfestivals für Menschenrechte kickt seit zwölf Jahren in den Reihen der Hobbergaasen.
Gerade hat man die BALLerinas mit 2:0 geschlagen. Doch trotz Sauna-Temperatur, Frauen-Solidarität geht vor. „Ich steh heute auch noch bei den Blutgretchen im Tor. Das ist das modifizierte Frauenteam des Nürnberger Kulturreferats“, erläutert Kuhn. Mit den Hobbergaasen spielte Kuhn bereits vor vier Jahren beim Kleinfeldturnier der „Gay Games“ in Amsterdam.
Auch heuer ist man beim schwul-lesbischen Pendant der Olympiade dabei. „Austragungsort ist Köln und die Anzahl der Sportler ist mit 10000 so hoch wie nie zuvor“, so die passionierte Fußballerin. Nach mehreren schweißtreibenden Stunden in der prallen Sonne standen gegen 18 Uhr endlich die Turniersieger fest. Bei den Frauen triumphierten deutlich die Hobbergaasen Erlangen.
Den Herrentitel gewann die Mannschaft von Chaotic Narcotic. Und dies trotz des anfangs beschriebenen und schmerzhaften Ausfalls des Teamkollegen Sascha.