Mother Mountain entführten die Jury
26.05.2014, 10:00 Uhr
Die Protagonisten sind jung und bärtig, ihr Sound ist schwer, basslastig und huldigt Rockgrößen wie Black Sabbath, Saint Vitus und Pentagram – ohne jedoch deren zelebrierte Zähflüssigkeit zu übernehmen. Doom, jene Orchidee im an Schubladen und Unterkategorien wahrlich nicht armen Rock-Zirkus, erklang bislang noch nie bei der NN-Rockbühne.
Mother Mountain sind zwar jung an Jahren, präsentieren sich in ihrer Nische jedoch schon erstaunlich versiert, präzise und stilsicher. In ihren langen und intensiven, mit Gitarrenriffs und Breaks gespickten Kompositionen, findet sich zudem jede Menge Artverwandtes von Stoner- bis Post- Rock. Alles Spielarten der harten Stromgitarrenmusik, die einen – wenn es denn gut gemacht ist – entführen in eine fremde Welt.
Live bei der NN-Rockbühne klappte dies bei Mother Mountain vom Fleck weg ganz prima. Mit einem vielversprechenden, vor allem instrumental starken Auftritt empfahlen sich die vier Nürnberger mühelos als Tagessieger und sind soweit erst einmal für das Rockbühne-Finale im November gesetzt.

Einen Mix aus Grunge und Stoner- Rock haben sich Repellent auf die Fahnen geschrieben – was als Kombi im ersten Augenblick ungewöhnlich klingt, die Sachlage aber ganz gut trifft. Ihr energiegeladener Auftritt im Quibble erinnerte an die düsteren, metallischen Vertreter der Grunge-Welle wie Soundgarden und die frühen Alice In Chains.
Dazu eine geschlossene Bandpräsentation mit kollektivem Headbanging auf der Bühne sowie schwarzhumorigen Texten wahlweise über die Selbstmorde ihrer Freunde oder deren Ehen, was laut Band oftmals auf dasselbe rausläuft – schwupps, ein verdienter zweiter Platz für die fünf Erlanger.

Auch am Start: Acid Proof. Respekt für Bands, die nicht mehr sein wollen, als die, die sie sind (in diesem Fall schlicht und einfach Nu Metal). Und obendrein stammen sie aus Neumarkt, wo man es als Band mit eigenen Liedern seit jeher schwieriger hat als die coverrockenden Mitbewerber.
Acid Proof sind da auf dem richtigen Gleis und schön in der Spur. Feine, fette Gitarrenriffs geben die Richtung vor, der bewährte dicke Bounce lässt Erinnerungen an Kapellen wie Limp Bizkit, Papa Roach und Dog Eat Dog aufkommen. 90er- Jahre-Nostalgie pur!
Ein bisschen Mikrokritik
Da bleibt nur Mikrokritik: Schlagzeuger Benedict Paul hat sicher noch mehr Wumms, wenn er sich erst an seine neuen In-Ear-Monitore gewöhnt hat. Frontmann Frank Schmidpeter – bis neulich nur DJ, seit einiger Zeit jedoch hauptamtlicher Sänger – könnte mehr rappen und auch mehr an seinen (sehr geil: echten) Plattenspielern machen, würde dadurch jedoch mehr aus seiner souveränen Rolle als Frontmann gerissen. Eine Zwickmühle. Egal. Mit einer oberamtlichen Version von „Blitzkrieg Bop“ machen Acid Proof im Quibble das Sackerl zu und hinterlassen einen blitzsauberen Eindruck. Bitte einfach nur viel live spielen und als Band noch weiter zusammenwachsen!

Hope In Tomorrow hatten sich die schwierigste Disziplin dieser Vorrunde ausgesucht: Akustik-Rock mit Wandergitarre und Keyboards, der ein wenig an Punch & Nerves erinnerte. Wie die unvergessenen Rockbühne-Sieger von 2009, so haben auch Hope In Tomorrow mit Jonas Wluka einen Drummer im Rücken, der seine Mitmusiker mit mächtigem Schlag vorwärts treibt. Den filigranen Pop-Kompositionen steht dieser Punch richtig gut. Live im Quibble halten die Schwabacher jedoch nicht immer dagegen – und präsentieren sich im Direktvergleich mit den anderen Kapellen des Abends noch zu wenig als geschlossene Band.
Doch jegliche Kritik verbietet sich bei einer Kapelle, die erst seit September vergangenen Jahres zusammenspielt und an diesem Abend im Quibble gerade mal ihren dritten Auftritt absolviert. Mit Sängerin Lena Hörndl hat Hope In Tomorrow aber ohnehin noch ein Ass im Ärmel.
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