Weg ist frei
Bayerische Landeskirche beschließt die "Trauung für alle" - allerdings mit Abstrichen
05.04.2025, 13:42 Uhr
Es ist das vorletzte Mal, dass die Synode der bayerischen Landeskirche in dieser Legislaturperiode getagt hat: Nach der Herbstsynode im November in Amberg wird ein neues Kirchenparlament gewählt. Ein wichtiges Ziel der amtierenden Synodalpräsidentin Annekathrin Preidel war, die Tagungen der Synodalen möglichst papierfrei zu machen. Dies sei inzwischen gelungen, sagte sie am Donnerstag zum Abschluss der Frühjahrstagung in Augsburg. Dort hatten sich die Kirchenparlamentarier diesmal etwa mit dem Verhältnis zwischen Kirche und Diakonie, dem Stand der Aufarbeitung sexualisierter Gewalt und einem sensibleren Umgang mit queeren Menschen befasst.
Ab sofort wird den Beschlüssen der Synode zufolge bei kirchlichen Eheschließungen in der bayerischen Landeskirche nicht mehr bei der sexuellen Orientierung der heiratswilligen Paare unterschieden. Künftig sollen Gottesdienste zur Eheschließung für alle einfach „Trauung“ heißen. Gleichwohl soll keine Pfarrerin und kein Pfarrer gezwungen werden, queere Paare zu trauen: Der sogenannte Gewissensschutz bleibt erhalten. Gleichwohl seien diese Pfarrerpersonen dazu „gehalten, den Paaren andere Wege zu zeigen, einen Gottesdienst anlässlich einer Eheschließung“ innerhalb der Landeskirche zu feiern. Ein eigenes Schuldbekenntnis empfahl die eigens für das Thema eingesetzte Arbeitsgruppe Queer hingegen nicht.
Kirche als Ganzes "schuldig geworden"
Dafür gab es ein Schuldeingeständnis: Spontan ergriff Synodalpräsidentin Preidel am Mittwochabend nach der Abstimmung der Synode über den Bericht der Arbeitsgruppe Queer das Wort und bat die Synodalen aufzustehen. Sie zitierte eine ihr wichtige Passage aus dem Bericht: „Dienstliche Ungleichbehandlungen, Behinderung von Karrieren, Durchgriff ins Privatleben (...) und die Aufforderung zum Leben in Doppelmoral haben zwar der damals geltenden Rechtslage nicht widersprochen, waren und sind jedoch unangemessen, ungerechtfertigt und diskriminierend.“ Die Kirche als Ganzes sei „schuldig geworden“. Anschließend bat Preidel um eine Schweigeminute.
Am Dienstag hatten sich die Synodalen vorrangig mit ihrem Schwerpunktthema „Diakonische Kirche - kirchliche Diakonie“ beschäftigt. Der Diakoniewissenschaftler Markus Schmidt hatte in seinem Vortrag gesagt, die verbreitete Meinung, dass die Kirche in erster Linie reden und die Diakonie handeln müsse, „das ist Quatsch“. Der Professor und Rektor der Fachhochschule der Diakonie in Bielefeld betonte, Kirche sei stattdessen gefordert, sich selbst als Diakonie neu zu entdecken - und umgekehrt. Für die Kirche sei das diakonische Profil enorm wichtig, sagte Schmidt. Denn unter Konfessionslosen sei Diakonie die einzige kirchliche Form, die für sie Anerkennung verdiene.
Die Leiterin der landeskirchlichen „Fachstelle für den Umgang mit sexualisierter Gewalt“, Martina Frohmader, legte der Synode zudem einen Bericht darüber vor, was in der bayerischen Landeskirche seit Veröffentlichung der ForuM-Studie zu sexualisierter Gewalt in Diakonie und Kirche vor rund 15 Monaten bereits passiert sei. Ihr Team habe vergangenes Jahr 150 Präventions-Schulungsformate mit 3.650 Teilnehmenden durchgeführt - alleine im ersten Quartal 2025 seien es weitere 100 Formate mit 1.300 Personen gewesen. Rund 100 Kirchengemeinden hätten bislang Schutzkonzepte für die Präventionsarbeit bei der Fachstelle vorgelegt. Solche Konzepte sind künftig verpflichtend.
Die Landessynode hat außerdem eine Regelung, die während der Corona-Pandemie geschaffen wurde, verstetigt. Die Präsidentin oder der Präsident der Landessynode können demnach gemeinsam mit dem Landessynodalausschuss beschließen, dass Tagungen des Kirchenparlaments auch künftig anstelle von Präsenz auch digital oder in hybrider Form stattfinden dürfen. Bestätigt wurde darüber hinaus eine Verordnung, die den neuen Süd-Kirchenkreis „Schwaben-Altbayern“ für die Wahl zur künftigen Landessynode in diesem Herbst in drei Wahlkreise unterteilt. Diese entsprechen den bis Ende Februar gültigen drei Süd-Kirchenkreisen München-Oberbayern, Augsburg-Schwaben und Regensburg.
Die Landessynode ist das Parlament der mehr als zwei Millionen Protestanten in Bayern. Nach der Herbsttagung im November wird Anfang Dezember eine neue Synode gewählt, die dann kommendes Frühjahr erstmals zusammentritt.
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