Atommüll
Transport von hoch radioaktiven Atomabfällen: Castor-Zug erreicht Bayern - stiller Protest
03.04.2025, 20:22 Uhr
Hoch radioaktive Atomabfälle sind 17 Stunden lang durch Deutschland gefahren worden. Am Nachmittag erreichte der Zug mit sieben Castor-Behältern den Bahnhof in Wörth an der Isar, gut drei Kilometer vom Zwischenlager in Niederaichbach entfernt. Dorthin sollte der Atommüll am Abend gebracht werden. Der Transport sei störungsfrei verlaufen, teilten Sprecher der Gesellschaft für Nuklear-Service (GNS) und der Polizei mit. Damit geht ein weiteres Kapitel deutscher Atomkraftgeschichte seinem Ende entgegen. Denn: Es war der vorletzte Castor-Transport dieser Art.
Gestartet war der Zug am späten Mittwochabend im Hafen von Nordenham in Niedersachsen. Dorthin hatte ein Schiff die Castor-Behälter aus Großbritannien gebracht.
„Wir sind nicht glücklich über die Situation“, sagte Niederaichbachs Bürgermeister Josef Klaus. Aber: „Es ist so, wie es ist.“ Die Menschen hätten sich damit abgefunden. „Wir hoffen halt nur (...), dass tatsächlich die Endlager-Suche zügig weitergeht“, damit die Castoren in einem überschaubaren Zeitraum wieder abtransportiert werden könnten.
Schnellere Endlager-Suche gefordert
Entlang der Strecke veranstalteten Atomkraft-Gegner Kundgebungen und Mahnwachen. Die Landtags-Grünen, ÖDP, der Bund Naturschutz, Greenpeace und der Verein Ausgestrahlt kritisierten insbesondere die Unterbringung der Behälter in Zwischenlagern. Diese seien nicht mehr sicher genug, zumal die Laufzeiten länger dauern als ursprünglich geplant - ein Standort für ein Endlager ist noch nicht gefunden.
Die Landtags-Grünen forderten die bayerische Staatsregierung auf, sich mit allen Mitteln für mehr Sicherheit für die Castorhallen einzusetzen und die Endlager-Suche voranzutreiben. „Denn die Zwischenlager, die ursprünglich für nur 40 Jahre geplant und genehmigt wurden, werden wohl mindestens 80 bis 100 Jahre oder noch länger gebraucht werden“, sagte der energiepolitische Sprecher Martin Stümpfig. Damit stiegen auch die Gefahren, etwa von Terrorangriffen, da sich die Waffen in den letzten Jahren und Jahrzehnten erheblich weiterentwickelt hätten.
Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Katharina Schulze sagte: „Eine stockende Suche nach einem Endlager in der Tiefe verlängert die gefährliche Zwischenlagerung an der Oberfläche.“
Zur Rücknahme des Atommülls verpflichtet
Bei dem Atommüll handelt es sich um Überreste von Brennelementen aus deutschen Kernkraftwerken, die in England aufgearbeitet wurden. Die Bundesrepublik Deutschland hat sich zur Rücknahme der Atomabfälle völkerrechtlich verpflichtet. Aus der Aufarbeitungsanlage Sellafield müssen noch sieben weitere Castor-Behälter zurückgenommen werden, die in Brokdorf (Schleswig-Holstein) zwischengelagert werden.
Stiller Protest
Entlang der Strecke veranstalteten Atomkraft-Gegner Kundgebungen und Mahnwachen, zumeist in kleinen Gruppen. Im Vergleich zu früheren Jahren war das eher ein stiller Protest. Eine Sache stellen die Atomkraft-Gegner unisono aber klar: Ihre Kritik richte sich nicht gegen die Rücknahme des Atomabfalls, der ursprünglich aus Deutschland stammt.
Vielmehr seien die Proteste - früher wie heute - „Ausdruck der Ablehnung der Atomkraft als solcher“, sagte Helge Bauer, Sprecher des Vereins Ausgestrahlt. Nach dem deutschen Atomausstieg sei die ehemals große Bewegung aber kleiner geworden. Zudem gebe es heute neue politische Themen, zu denen sich Menschen sinnvoll engagierten.
„Viele werden sich an die Bilder der Castor-Transporte nach Gorleben und die riesigen bunten Proteste aus der Zivilgesellschaft erinnern“, sagte BN-Landesbeauftragter Martin Geilhufe. Diese habe mit den Mitteln der Demokratie einen gesellschaftlichen Großkonflikt beendet - die Atomkraftwerke seien abgeschaltet.
Dennoch versuchten „einige Politiker, allen voran Ministerpräsident Söder, die Atomkraft wieder salonfähig zu machen“, so Geilhufe. Das zentrale Problem bleibe aber ungelöst: „Wohin mit dem strahlenden Müll?“ Der Castor-Transport mache deutlich, dass es keine sichere Entsorgung gibt. „Und dass unsere Verantwortung mit dem Atomausstieg nicht endet.“
Ein Greenpeace-Sprecher sprach von unnötigem Herumfahren von Atommüll. Schließlich würden die Castor-Behälter in Zwischenlager gebracht, um sie eines Tages in ein Endlager zu fahren - und jede Fahrt sei gefährlich. Die Mahnwachen seien als Bestätigung zu verstehen, dass der Atomausstieg richtig gewesen sei.