Die Polizei durchkämmte den Wald

19.10.2010, 13:00 Uhr
Die Polizei durchkämmte den Wald

© Matejka

„Irgendwo müssen wir anfangen“, sagte Polizeisprecher Bert Rauenbusch. Dort, wo die Chance am größten ist, irgendeinen Hinweis auf Schneebergers Fluchtweg zu finden. Deshalb durchkämmte das Unterstützungskommando den Wald zwischen dem Fundort des Autos am Rummelsberger Ortsrand und dem Bahnhof in Ochenbruck im Nürnberger Land. Polizisten bildeten eine Kette, Hundeführer suchten mit Spürhunden.

Konto beobachtet

Seit einer Woche ist Schneeberger nun schon verschwunden. Die Polizei befragte Angehörige und Bekannte. Sie können sich nicht vorstellen, wo Schneeberger untergetaucht sein soll. Die Kripo klapperte frühere Anlaufpunkte ab. Sie hat das Konto des Flüchtigen im Auge, beobachtet, ob er Geld abhebt. Fehlanzeige. „Man wird alles tun, was möglich ist, um ihn zu finden“, sagt Polizeisprecherin Elke Schönwald.

Nach wie vor melden sich Passanten bei der Polizei, die Schneeberger gesehen haben wollen. Schon aufgrund seines Äußeren müsste es ihm eigentlich schwerfallen, spurlos zu verschwinden. Schneeberger ist nämlich auffallend dick. Doch der entscheidende Hinweis fehlt bis heute.

Vor knapp drei Monaten hatte Schneeberger zum letzten Mal Kontakt zur Polizei. Er war bei der Kripo in Fürth, dort war er zuletzt gemeldet, zum persönlichen Gespräch.

Gefährder-Ansprache nennt es die Polizei, wenn sie jemandem klar macht, dass sie ihn im Auge hat. Das Gespräch verlief unauffällig. Schneeberger habe zugänglich gewirkt, fährt Schönwald fort. Nichts soll darauf hingedeutet haben, dass er rückfällig werden könnte.

Opfer konnte sich gerade noch retten

Wie berichtet, ist der 48-Jährige auf Bewährung aus der Forensik des Klinikums am Europakanal in Erlangen entlassen worden. Er sei mehrfach intern und am Ende auch von einem bedeutenden, externen Spezialisten begutachtet worden, sagt Dr. Michael Wörthmüller, Chefarzt der Forensik. „Bei so einem gefährlichen Täter sind wir äußerst vorsichtig.“ Umso tragischer, dass er rückfällig geworden sei.

Schneeberger wurde bei seiner letzten Verurteilung im Jahr 2001 per Gerichtsurteil in die Psychiatrie eingewiesen, nachdem eine „Sexualstörung in Form eines Sadismus“ diagnostiziert worden war. Schneeberger war im Dezember 2000 kurz davor, diesen Trieb auszuleben.Damals brach er in die Wohnung einer fremden Frau ein; mit Vibrator, Elektroschocker, Mullbinden und bereitete eine Fesselorgie vor. Er wartete hinter der Schlafzimmertür darauf, dass sein Opfer nach Hause kam. Doch die 21-Jährige konnte sich retten.

Anleitungen für seine Exzesse hatte er im Netz gefunden: Später fand die Polizei Tausende von Internet-Bildern mit Gewaltszenen bei dem zweifach geschiedenen Mann und zweifachen Vater.