«EhrenWert«-Preis für Flüchtlingsarbeit
20.08.2010, 13:57 Uhr
Gedruckte Khmer-Schrift sieht interessant aus. Wie ein grafisches Kunstwerk. Doch Armenisch steht dem in nichts nach. Oder Urdu. Und erst Punjabi. Wo sich diese Sprachen direkt vergleichen lassen? Auf den Flugblättern der Asylgruppe St. Rochus in Zirndorf. In 20 Sprachen nämlich - von Albanisch bis Vietnamesisch - laden die ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer der evangelischen Kirchengemeinde zu ihren Angeboten ein. Zum Deutschkurs etwa, zum ökumenischen Gottesdienst oder zum «Cafe International«, einem regelmäßigen Begegnungsabend für die Menschen aus aller Welt, die es nach Zirndorf verschlagen hat.
Endler fing schon früh mit der Flüchtlingsarbeit an
Ein hauptamtlicher Gemeindepädagoge und zehn bis zwölf ehrenamtliche Helfer bilden den aktiven Kern der Asylgruppe. Johanna Endler gehört dazu, und zwar schon seit über 20 Jahren. Mit der Flüchtlingsarbeit angefangen hatte die 66-Jährige bereits früher: In Esslingen am Neckar, wo sie damals mit Mann und zwei Kindern wohnte. 1987 wurde ihr Mann nach Nürnberg versetzt, die Familie zog daher nach Oberasbach. «Ausgerechnet direkt neben Zirndorf. Das empfinde ich als schicksalhafte Fügung«, sagt Endler. Denn im Bundesamt für die Anerkennung ausländischer Flüchtlinge, das damals in Zirndorf saß, fanden die Anhörungen für alle Asylbewerber in Deutschland statt. «Zirndorf war daher so etwas wie ein Ort der Hoffnung für diese Menschen«, erinnert sich die Helferin. «Wer dorthin fahren durfte, hatte das Gefühl: Jetzt wird alles gut.« Und als Johanna Endler dann an diesem Ort wohnte, war klar: Sie würde mit der Flüchtlingsarbeit weitermachen.
Das Bundesamt wurde Mitte der neunziger Jahre nach Nürnberg verlegt. Zirndorf behielt jedoch die Zentrale Aufnahmeeinrichtung für Asylbewerber (ZAE) in Bayern - ein Übergangswohnheim mit 500 Plätzen. Hierher werden alle Menschen gebracht, die als Asylbewerber in Bayern ankommen. Sie bleiben etwa drei Monate, bevor sie in Asylanten-Wohnheime umziehen dürfen.
Drei Monate, in denen ihnen die St. Rochus Gruppe beim Zurechtfinden im fremden Land mit fremden Regeln unter fremden Menschen beisteht. Johanna Endler nimmt sich dabei besonders der Frauen an. Sie hält einen Deutschkurs für Frauen, hilft beim Frauenfrühstück mit. Und sie kümmert sich intensiv um eine 42-jährige Behinderte aus dem Iran, die sich nur mit dem Rollstuhl vorwärts bewegen kann und die in einem Altenheim wohnt. Um die fünf Stunden investiert die frühere Sekretärin und Datenerfasserin alles in allem pro Woche in ihr Ehrenamt.
«Wir versuchen, ihnen das Leben hier positiv zu gestalten.«
Zirndorf ist für die Flüchtlinge immer noch ein Ort der Hoffnung. Sie glauben, mit der Ankunft im Lager haben sie den Sprung in ein neues Leben geschafft. Für Johanna Endler gehört es zu den belastenden Seiten ihres Ehrenamts, dass sie es besser weiß. «Uns ist klar, die meisten haben eigentlich keine Chance, dauerhaft hierzubleiben.« Einige, weil sie aus einem sicheren Drittland nach Deutschland eingereist sind und daher nach ein paar Monaten dorthin zurückgeschickt werden. Andere, weil sie nicht als politisch Verfolgte anerkannt werden. Die schwierigsten Momente sind es für Johanna Endler, wenn sie einen von ihr betreuten Menschen in der Abschiebehaft besucht. «Wir versuchen, ihnen das Leben hier positiv zu gestalten. Wir sind nicht verantwortlich für das, was weiter passiert. Aber es ist oft deprimierend«, beschreibt sie.
Klaus Klingen, ebenfalls Stammmitglied der Asylgruppe, ergänzt: «Man muss sehen, dass die meisten hochverschuldet sind, wenn sie in ihr Heimatland zurückgeschickt werden. Die Flucht hat Geld gekostet. Oft haben Clans zusammengeholfen, um es aufzutreiben. Aber die wollen es zurück.« Trotz der belastenden Momenten gibt ihr Engagement den beiden viel. «Es ist wirklich bereichernd«, sagt der 64-jährige Klaus Klingen. Und Johanna Endler nickt dazu.
Oft vertrauen ihnen die Asylbewerber so sehr, dass sie auch nach der Zeit im Lager um Hilfe gebeten werden. Um Unterstützung bei der Wohnungs- oder Arbeitssuche zum Beispiel, beim Ausfüllen von Anträgen für Behörden oder bei Arztbesuchen. Johanna Endler findet das schön. «Meine Tochter und mein Schwiegersohn haben sich mit einer gleichaltrigen Familie aus dem Iran angefreundet«, erzählt sie begeistert. Und genauso schön findet sie es, dass manche Flüchtlinge dann, wenn sie selbst Fuß gefasst haben, ebenfalls ehrenamtlich mithelfen. Zum Beispiel als Übersetzer für die Flugblatt-Einladungen.
Bewerben für den «EhrenWert«-Preis können sich Menschen aus dem ganzen Verbreitungsgebiet unserer Zeitung, die sich ehrenamtlich engagieren. Näheres erfahren Sie bei der Stadt Nürnberg unter (0911) 2315510.