Bestätigt: Wolf tötete 25 Tiere in der Fränkischen Schweiz

21.03.2021, 15:31 Uhr
Christian Leißner beklagt drei gerissene Rotwildtiere und vier Mufflons.

© Klaus Trenz Christian Leißner beklagt drei gerissene Rotwildtiere und vier Mufflons.

Seit Ende vergangener Woche ist es amtlich bestätigt: Es war ein Wolf, der vor einigen Wochen an der Landkreisgrenze zu Oberfranken eine blutige Hetzjagd in zwei Wildgehegen gemacht hat. 25 Tiere wurden bei den Angriffen getötet. Im weiten Umkreis ist die Bevölkerung ängstlich und verunsichert – auch weil bereits bei Tageslicht immer wieder Wölfe beobachtet wurden, die nicht gleich die Flucht ergriffen. Erst am Freitagnachmittag wurden wieder sechs Wölfe um Münzinghof gesehen.

In Viehhofen zum Beispiel sind Gisela und Dieter Morner (rechts) sehr besorgt um ihre Mutterkuhhaltung der Rasse Charolais. Die Rinder weiden artgerecht normalerweise von April bis Ende Oktober auf den Weiden in der Nähe des Hofes. Links im Bild ist Landwirtschaftsdirektor Werner Wolf zu sehen.

In Viehhofen zum Beispiel sind Gisela und Dieter Morner (rechts) sehr besorgt um ihre Mutterkuhhaltung der Rasse Charolais. Die Rinder weiden artgerecht normalerweise von April bis Ende Oktober auf den Weiden in der Nähe des Hofes. Links im Bild ist Landwirtschaftsdirektor Werner Wolf zu sehen. © Foto: Udo Schuster

Anfang März war das Damwildgehege der Familie Ertel in Illafeld Tagesgespräch im nördlichen Pegnitztal. Seither ist die Meinung um die Bestandssicherung des Raubtiers noch mehr zweigeteilt. Insbesondere Menschen, die in der Stadt leben, sehen den Meister Isegrim zur Natur in den heimischen Wäldern gehörend.

Am Freitag fand nun eine überregionale Videokonferenz mit rund 60 Teilnehmern zum Thema Wolf statt. Eingeladen hatte das Landesamt für Umweltschutz. Neben den Geschädigten waren Vertreter von landwirtschaftlichen Institutionen, wie der Kreisobmann vom Bauernverband, Günther Felßner, und der Vorsitzende der Schafhalter Vereinigung im Nürnberger Land, Gerhard Pfister aus Simonshofen, dabei. Weitere Teilnehmer am "runden Tisch" waren die Bürgermeister Herbert Seitz aus Velden, Claus Meyer aus Betzenstein sowie Josef Springer aus Neuhaus.

Vor rund fünf Jahren wurde der Wolf zum ersten Mal öffentlich wahrgenommen, als die ersten Wolfsrisse im Nürnberger Land im Grenzbereich zum Veldensteiner Forst bekannt wurden, berichtet der Neuhauser Bürgermeister Springer. Der Veldensteiner Forst stellt mit rund 70 Quadratkilometern ein relativ kleines Gebiet für ein Wolfsrevier dar.

Die Truppenübungsplätze Grafenwöhr und Hohenfels erstrecken sich auf einer Fläche von 230 beziehungsweise 160 Quadratkilometern. Ein Wolfsrudel ist standorttreu und besteht im Durchschnitt aus bis zu zehn Tieren. Die Zahl bleibt konstant, da die zweijährigen Tiere aufgrund der Sozialstruktur das Rudel verlassen müssen.

Im Offenland unterwegs

Neben den bekannten Wildrissen waren die Wölfe für die Bevölkerung bis Jahresbeginn nicht spürbar und man lebte mit dem Wissen, dass sich im angrenzenden Forst zwischen Pegnitz und Neuhaus ein Rudel Wölfe niedergelassen hatte. Anfang Januar 2021 liefen dann Wölfe tagsüber durch Höfen und Mosenberg. "Das war dann der Moment, an dem ich mich an direkt an Umweltminister Glauber gewandt habe", berichtet Springer. "Persönlich gehe ich davon aus, dass das Nahrungsangebot im Veldensteiner Forst nicht mehr ausreicht und die Wölfe deshalb im sogenannten Offenland unterwegs sind."

Die dortigen Bewohner fühlen sich vor allem auch wegen der Kinder bedroht. Dazu kommen Ängste vor Rissen unter deren Nutz- und Haustieren. "Die Frage ist doch, wie sieht die weitere Entwicklung aus?" Deshalb forderte Springer im Forum seitens der Behörden, Online-Veranstaltungen mit Chat-Funktion im Internet durchzuführen, um die Bevölkerung umfänglich über den Wolf und Verhaltensweisen bei einem möglichen Zusammentreffen zu informieren. Ein ständiges "Wolfs-Monitoring" nütze wenig, wenn sich daraus keine Maßnahmen ableiteten, so der Bürgermeister aus Neuhaus.

Auch Claus Meyer, Bürgermeister aus Betzenstein, nimmt die Ängste der Bevölkerung ernst. Seine Frage an die politische Ebene lautet: "Wo und in welcher Anzahl soll der Wolf leben, wie viele Tiere verträgt das Land – der Veldensteiner Forst?" Dies müsste allerdings durch das Europaparlament in Brüssel geklärt werden, da der Wolf in ganz Europa unter Schutz stehe.

Dazu berichtet der Vertreter der Schafhalter, dass sich nicht alle Länder an die EU-Gesetzgebungiealten und fordert, den Wolf ins Jagdrecht zu übernehmen. Geschätzt würden es bereits jetzt mehr als 2000 Tiere geben. "Von Seiten des Naturschutzes wird die Zahl 1000 für einen guten Erhaltungszustand genannt", sagt Pfister.

Landwirtschaftsdirektor Werner Wolf aus Roth hatte sich am Vortag bei einigen Weidetierhaltern persönlich umgesehen, um sich deren Sorgen und Nöte anzuhören. Auch wenn die Landwirte und die Dorfbevölkerung rund um den Veldensteiner Forst den Wolf nicht gänzlich lieber im Tiergarten sehen wollten, stünden bei ihnen doch die Ängste um ihre Kinder, die im Wald spielen, sowie um die Weidetiere deutlich im Vordergrund.

Kein Geld für offenen Stall

Betroffene Landwirte werden zwar materiell entschädigt, wenn der Wolf ein Tier gerissen hat, jedoch eine Sicherung für einen offenen Stall wird finanziell derzeit nicht unterstützt. Ein ganz großes Problem sehen die Weidetierhalter in den nächsten Wochen auf sich zukommen, dann nämlich, wenn das Vieh auf die Weiden in der kleinstrukturierten Frankenalb gebracht wird. Bei allen Tierhaltern im weiten Umkreis steht das Tierwohl an erster Stelle und man spürt auch die Verbundenheit zur deren Tieren.


Zwei Wölfe in fränkischem Landkreis gesichtet - Behörde gibt Tipps


In Viehhofen zum Beispiel sind Gisela und Dieter Morner sehr besorgt um ihre Mutterkuhhaltung der Rasse Charolais. Die Rinder weiden normalerweise von April bis Ende Oktober auf den Weiden in der Nähe des Hofes. Vor 30 Jahren hatten sich die Morners auf die Mutterkuhhaltung spezialisiert. Jedes Tier hat einen Namen, schon allein damit wird die enge Bindung zu ihren Tieren deutlich. Vor ein paar Jahren fiel Gisela Morner sofort auf, dass sich eine Herde von einem auf den anderen Tag in ihrem Verhalten völlig verändert hatte. Die ganze Herde geriet urplötzlich in Panik. Alle Tiere rannten unvermittelt in eine Richtung und prallten mit voller Wucht gegen eine Absperrung. Offensichtlich hatten die Tiere Gefahr gewittert.

Vor einem Jahr beobachtete die Frau auch einen einzelnen Wolf, der um die Zäune schlich. Die Kühe waren im Laufhof durch einen einbetoniertem Zaun mit Schutzplanken gesichert. Plötzlich kam Panik auf, die Tiere rannten gegen die Umzäunung und schauten aufgeregt in die Richtung des Wolfs. "Nachdem ich nicht von der Seite der Kälber wich, lief der Wolf gemächlichen Schrittes in den Wald zurück. Nicht auszudenken, was passieren hätte können, wenn ich nicht vor Ort gewesen wäre", berichtet die Züchterin.

In der Nacht läuft nun in Stallnähe ein Radio und einige Scheinwerfer mit Bewegungsmelder hat Dieter Morner auch noch montiert. Nächtliche Kontrollgänge sind obligatorisch geworden.

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