Deutliche Worte

Urgestein der Freien Wähler aus Franken: Aiwanger sollte "Ämter ruhen lassen"

Christian Bauriedel

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01.09.2023, 18:12 Uhr
Hubert Aiwanger steht in der Kritik: Wegen angeblichen antisemitischen Äußerungen in seiner Jugendzeit und zum Umgang mit den Vorwürfen als stellvertretender Ministerpräsident Bayerns.

© Uwe Lein/dpa Hubert Aiwanger steht in der Kritik: Wegen angeblichen antisemitischen Äußerungen in seiner Jugendzeit und zum Umgang mit den Vorwürfen als stellvertretender Ministerpräsident Bayerns.

Die sogenannte Flugblatt-Affäre um Hubert Aiwanger dominiert die politische Debatte in Bayern. Die Opposition im Landtag fordert eine umfassende Aufklärung der Vorwürfe. Früh wurden Rücktrittsforderungen gegen den stellvertretenden Ministerpräsidenten der Freien Wähler (FW) laut. Auch Regierungschef Markus Söder steht unter Druck. Er hatte von Aiwanger eine "rasche" Beantwortung eines Fragenkatalogs gefordert. Aiwanger will liefern.

Recherchen der Süddeutschen Zeitung ergaben, dass Aiwanger in seiner Schulzeit am Gymnasium vor 35 Jahren ein antisemitisches Flugblatt verfasst haben soll. Kurz darauf bekannte sich Aiwangers Bruder, Verfasser des Dokuments zu sein. Seitdem ist der Druck auf Aiwanger, die FW und den Koalitionspartner CSU mitten im Wahlkampf groß. Aus Aiwangers Partei kam bislang weitestgehend Rückendeckung für den Vorsitzenden.

Ein Stimmungsbild unter FW-Politikern in Erlangen und dem Landkreis Erlangen-Höchstadt zeigt ein gemischtes Bild: Distanzierung vom Inhalt des Flugblatts, Kritik an Aiwangers Umgang mit den Vorwürfen bis hin zu voller Unterstützung und dem Vorwurf einer Kampagne der Medien gegen den FW-Chef.

Kritik von langjährigem FW-Politiker

Eine Stimme sticht jedoch heraus. Sie stammt von einem einstigen parteiinternen Widersacher Aiwangers, von Gerald Brehm, seit 1996 Bürgermeister von Höchstadt/Aisch, in der Partei fest verwurzelt und damit ein Urgestein der FW aus Franken. In einer Kampfkandidatur hatte er sich 2006 gegen Aiwanger um den Posten als Landesvorsitzender beworben und unterlag. Brehm sagt auf Anfrage dieses Medienhauses, Aiwanger habe sich damals - anders als er selbst - im "sehr konservativen Bereich" positioniert. Aiwanger habe große politische Verdienste bei den Freien Wählern, doch Brehm hätte ihm einen komplett anderen Umgang mit den Vorwürfen des Antisemitismus geraten. "Er hätte Größe gezeigt, wenn er von Beginn an in völliger Demut um Entschuldigung gebeten hätte. Ich hätte mir gewünscht, dass er sich überlegt, sein Amt ruhen und den Wähler entscheiden zu lassen", sagt Brehm und ist damit einer der wenigen aus der Partei, der dies ausspricht.

Mehr dazu sowie weitere Stimmen aus Erlangen-Höchstadt und Erlangen lesen Sie im NN+-Artikel.

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