19 Jahre alter Opel bekennt Farbe
25.06.2008, 00:00 Uhr
19 Jahre ist er alt. Genau wie seine Besitzerin. Doch während diese noch als «jung» bezeichnet werden darf, hat der Wagen keine besonders gute Figur mehr gemacht, als er vor zwei Jahren im Hof der Lackiererei Franek im Forchheimer Industrie-Gebiet stand. Inhaber Manfred Franek hat dafür ein schonungsloseres Wort: «Schrott». Doch den silbergrauen Opel Vectra wegzuwerfen, das wäre ihm nicht in den Sinn gekommen, wozu ist er denn Lackierer. Und weil das Halbfinale der Weltmeisterschaft damals anstand, kam ihm eine Idee.
Quasi über Nacht hatte er dem einst biederen Opel einen neuen Anstrich verpasst. Schwarz, Rot und Gold zieht sich diagonal über das Fahrzeug. Seine beiden Töchter kümmerten sich um die technische Instandsetzung. Und bei Sabrina war der Ehrgeiz erst richtig in Gang gekommen. Jetzt sollte auch das Interieur Farbe bekennen: Einzelne Teile wurden Rot lackiert, die Sitze verschwanden unter Sitzbezügen in Fan-Farben und an die Türverkleidung wurde ein Stoff mit Fußballdeko gehängt.
Mit Beginn der Europameisterschaft reiht sich Besitzerin Sabrina damit in jeden Autokorso ein. Ein begehrtes Foto-Objekt auf Rädern steuert sie damit. «Halt bleib mal stehen», heißt es ganz oft, bevor Passanten oder Fußballfans das auffällige Germany-Vehikel mit der Digitalknipse festhalten.
Fast hätten die Forchheimer Fußball-Freunde die Europameisterschaft ohne das Fan-Fahrzeug feiern müssen: Im März hatte Sabrina einen Unfall mit viel verbogenem Blech. Diagnose: Totalschaden. Und wieder investierte die angehende Bürokauffrau gemeinsam mit schwesterlicher Hilfe viel Zeit in den Aufbau des Autos. Über 100 Stunden Arbeit und mehr als 1500 Euro stecken insgesamt in dem Wagen.
Obwohl sie so daran hängt, beim Thema verkaufen sagt sie niemals nie: «Das ist alles eine Frage des Preises», meint Sabrina ganz Geschäftsfrau. Und wenn da kein verlockendes Angebot kommt, dann will sie die Kiste fahren bis sie auseinanderfällt.
Vectra mit Kultstatus
Wenn Jogis Jungs gewinnen, so die Prognosen, dann wird dieses Auto in Forchheim Kultstatus erreichen. Und wenn nicht? Umlackieren in ein trauriges Schwarz oder in die Farben der Siegernation? Sabrina winkt ab.
Von türkischen Freunden hat sie schon ein Angebot bekommen: Sollte die Türkei die Europameisterschaft gewinnen, würden die auf dem roten Streifen gerne einen Halbmond sehen. Sabrina lacht: «Kommt nicht in Frage, die können sich selbst ein Auto nach Wunsch gestalten.»