Brücken des Glaubens

03.05.2012, 09:00 Uhr
Brücken des Glaubens

© Armin Leberzammer

Sind Eier koscher? Oder: Warum hält der Imam beim Gebet die Hände an seine Schläfen? Fragen wie diesen gingen am Montagabend Hunderte Fürtherinnen und Fürther auf den Grund. Mit ihrer ganzen Vielfalt demonstrierten die unterschiedlichsten Religionen ein buntes Bild der Kleeblattstadt — von der kleinsten mit rund 25 Gläubigen (Bahai) bis zur größten (evangelisch-lutherisch).

Kulinarisch-theatralisch ging es in der Israelitischen Kultusgemeinde zu. Neben Rabbi David Geballe führte Schauspieler Alexej Boris alias Tante Marina die Gäste in jüdisches Brauchtum und Küche ein. Serviert wurden Matzen und Suppe mit Matze-Knödel. Boris, bekannt aus dem Stadttheater mit dem Programm „Jüdisch Jetzt“, gab humorvoll eine resolute jiddische Mamme, die selbst bei philosophischen Fragen den sprichwörtlichen jüdischen Witz an den Tag legte: „Leben nach dem Tod? Ich kenne keinen, der zurückgekommen ist.“

Mit Musik, Spielen und kurzen Filmclips informierte die Fürther Bahai-Gemeinde über ihre Glaubensgemeinschaft. Vor rund 50 Jahren kam sie über persische Auswanderer nach Franken. Monotheistisch und sich auf Abraham berufend wie Juden, Christen und Moslems, bekennen sich weltweit bis zu acht Millionen Menschen zu dem Glauben, der auf den Religionsstifter Baha’u’llah (1817—1892) zurückgeht.

Stefan Kirschner von der Fürther Gemeinde nutzte die lange Nacht der Religionen nicht nur, um den Bahai-Glauben einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren. „Wir wollen auch auf das Schicksal unserer im Iran verfolgten Glaubensbrüder und –schwestern aufmerksam machen“, so Kirschner.

Im Rigpa-Zentrum in der Fürther Südstadt freute sich Meditationsinstruktor Karl Schreiber über den großen Andrang. Gut 50 Interessierte folgten den Erklärungen über den dort praktizierten tibetanischen Buddhismus. „Besonders überrascht hat mich die andächtige Stille während der Meditation“, berichtete Schreiber, „da hätte man eine Stecknadel fallen hören.“ Was bei der „Meditation des ruhigen Verweilens“ ja verständlich erscheint, aber offenbar nicht die Regel ist. Den ganzen Abend über gab es Einführungen in den Buddhismus und weitere Meditationen, etwa zum Thema „Liebende Güte — Mitgefühl für uns und andere“.

Ebenfalls auf großes Interesse stieß die Mevlana-Moschee der Fürther Moslems, wo Aydin Kaval von Ditib, dem türkisch-islamischen Kulturzentrum, und Imam Hikmet Atav sich den Fragen der Besucher stellten und diese auch am Gebet teilhaben ließen. Hier gab es nicht nur geistige, sondern auch kalorienreiche Nahrung mit Döner, gefüllten Weinblättern oder Baklava.

Eher besinnlich-musikalisch ging es in den Kirchen der beiden großen christlichen Glaubensgemeinschaften zu. Während in St. Michael in buntem Licht und künstlichem Rauch das Chorprojekt „Ways“ moderne Gospelsongs vortrug, war die katholische St.-Heinrichs-Kirche ein Ort der inneren Einkehr. „Der Raum als Schutzmantel“ war das Programm dort überschrieben und ließ die Besucher bei meditativer Orgel- und Panflötenmusik zur Ruhe kommen. Mehr Bilder von den Schauplätzen der Langen Nacht der Religionen im Internet unter www.fuerther-nachrichten.de

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