Oberasbachs Kultur: ein hoffnungsloser Fall?

21.11.2008, 00:00 Uhr
Oberasbachs Kultur: ein hoffnungsloser Fall?

© Hans-Joachim Winckler

Mit ihrer Enttäuschung halten Erika Weinhart, Edith Klein, Dietlinde Baumgärtner, Gundel Huschka, Jutta Mertens und Bernhard Joerg beim Krisengespräch mit Oberasbachs neuer Bürgermeisterin Birgit Huber (CSU) nicht hinter den Berg. Sie wollten etwas bewegen für Oberasbach und haben dafür viel Zeit geopfert. So groß ihr Idealismus für die Kulturarbeit vor Ort war, so groß ist jetzt ihre Enttäuschung. Vieles haben sie versucht, um das Publikum zu gewinnen, doch ein Selbstläufer ist nicht daraus geworden.

Woran das liegt, darüber gehen die Meinungen auseinander. Fest steht definitiv nur, dass die Besucherresonanz in keinem Verhältnis zum Aufwand der Organisation stand. «Es ist wahnsinnig frustrierend, jemand eingeladen zu haben, der anderswo die Säle füllt, und allein an der Kasse zu sitzen», berichtet Gundel Huschka. Als die Kabarettistin Luise Kinseher nach einem Auftritt vor 25 Besuchern schließlich die Blumen zurückgab, die man ihr zum Dank geschenkt hatte, war für Huschka ein Tiefpunkt erreicht.

Hervorgetan hat sich der Kulturrat vor allem mit anspruchsvollen Projekten im Rahmen der von ihm auf die Beine gestellten Oberasbacher Kulturtage. Alljährlich wurde eine Auftragskomposition neuer Musik uraufgeführt. Die der Stadt gewidmeten Partituren sind weitgehend verschollen. Nur zwei Werke fand Birgit Huber spontan in ihren Aktenschränken.

Eine Reihe angekaufter Skulpturen ziert indes das Rathausumfeld. «Vielleicht war unser Programm zu anspruchsvoll, zu wenig populär für eine Schlafstadt wie Oberasbach?» fragt sich Bernhard Joerg.

Dagegen steht die Tatsache, dass auch ein als Zugeständnis an den breiten Publikumsgeschmack organisiertes Popkonzert gerade mal sechs Hörer mobilisierte und ein Hardrockkonzert heuer auch nicht mehr als 50 Besucher in die Jahnturnhalle lockte.

Der Kulturrat hatte sich grundsätzlich der Kunst verschrieben, die über den reinen Unterhaltungswert hinausgeht, wollte Neugier wecken, zur Auseinandersetzung anregen. Nach Ansicht von Jutta Mertens wurde dafür einfach nicht genug geworben.

Keine Mitte

Auch Birgit Huber meint, mit professionellem Marketing noch mehr bewegen zu können. Mangelndes Zusammengehörigkeitsgefühl und Selbstbewusstsein macht Erika Weinhart für das Siechtum der Oberasbacher Kultur verantwortlich. Das spiegelt schon die aus vielen Ortsteilen zusammengewürfelte Stadt wider, die eigentlich über kein integrierendes Zentrum verfügt.

Was als weiteres Manko empfunden wird: Es gibt in Oberasbach kein Kulturzentrum. Die Veranstaltungen müssen in Schulen, Kirchen und Turnhallen über die Bühne gehen. Das Projekt Asbachhalle wird derzeit nicht weiterverfolgt. Wohl aber ist an eine Umwandlung des alten Bauhofs in ein Kulturhaus gedacht.

Die Bürgermeisterin will jedoch nichts überstürzen und zunächst eine inhaltliche Diskussion über die Kulturarbeit führen, um zu sehen, ob ein Kulturhaus überhaupt notwendig ist. Huber zieht dabei in Erwägung, dass bei rückläufigen Schülerzahlen langfristig auch Räume im Gymnasium frei werden könnten. Den Kulturräten kommen bei dieser Vorstellung jedoch leichte Zweifel. «Was machen wir denn hier in den Pausen?», fragt sich Joerg.

Ungeachtet der Demission des enttäuschten Kulturrats will die Stadt Oberasbach für die ehrenamtliche Kulturarbeit 2009 wieder 8000 Euro zur Verfügung stellen. Die Tür zur Fortsetzung der Arbeit soll offen bleiben. Vorstellungen, wie das gehen könnte, gibt es jedoch nicht.