Müßighof zeigte sich in seiner ganzen Vielfalt

30.09.2012, 19:37 Uhr
Müßighof zeigte sich in seiner ganzen Vielfalt

© Hellein

Zahlreiche Besucher aus nah und fern nutzten die Gelegenheit, den Hof zu erkunden. Für viele Bewohner war es eine schöne Möglichkeit, einen Tag mit ihren Angehörigen in ihrer gewohnten Umgebung zu verbringen und gleichzeitig das Erntedankfest mit einer ökumenischen Andacht und geselligem Beisammensein zu feiern.
Der Müßighof der Regens-Wagner-Stiftung bot an diesem Tag so einiges für seine Besucher. Der Hofladen war wie immer gut bestückt mit selbstangebautem Obst und Gemüse und lockte so viele Kunden an. Produziert werde in Absberg nach Demeter, erklärte Mitarbeiterin Elisabeth Jung. Das ist die strengste biologische Anbauform, die sich auf einen Kreislaufgedanken stützt. Teilnehmende Betriebe sollen Tiere besitzen, die Mist produzieren. Dieser wird auf die Felder ausgebracht und sorgt damit für eine bessere Bodenqualität. Daraus resultiert eine gute Ernte, die wiederum an die Tiere verfüttert werden kann, und schon funktioniert ein biologischer Kreislauf.
Schon seit 1934 ist der Hof Teil der Regens-Wagner-Stiftung. Insgesamt nennt diese etwa 120 Hektar am westlichen Ufer des Brombachsees ihr Eigen, die von Bewohnern und Mitarbeitern zusammen bewirtschaftet werden. Rund 260 Menschen mit Behinderung leben auf dem Hof. Viele von ihnen arbeiten in der Werkstatt oder helfen in der Landwirtschaft aus.


Eine Besonderheit des Müßighofs ist die Asinotherapie, die von Johanna Wittemann geleitet wird. Durch den Umgang mit den acht Eseln lernen die Bewohner, Verantwortung zu übernehmen. Zudem bewirkt man mit Zwang bei den Tieren gar nichts und auch eine zu lasche Hand bringt nicht wirklich Erfolge, was für die Bewohner eine große Herausforderung ist. Der Hauptvorteil der Esel ist ihre angebliche Sturheit. Diese entspricht aber eher dem Gegenteil des Fluchtverhaltens bei Pferden. Während diese sofort davonlaufen, wenn sie überfordert sind oder sich erschrecken, bleiben die Esel einfach stehen und warten ab. Laut Johanna Wittemann und Joachim Gamperling, dem stellvertretenden Gesamtleiter von Regens Wagner, sind viel Herzblut und ehrenamtliches Engagement der Mitarbeiter nötig, sonst wäre die Asinotherapie nicht möglich.
Um den Bewohnern auch Reitunterricht zu ermöglichen, besitzen die Absberger ein Pferd, das speziell für therapeutisches Reiten ausgebildet wurde. Mehrere Betreuer der Einrichtung haben dafür Fortbildungen besucht, um die Bewohner zu Pferde optimal unterstützen zu können. Da das Reiten sehr beliebt ist, wird nun auch ein zweites zu einem therapeutischen Reitpferd trainiert.
Im Rahmen des Erntedankfestes durften die beiden Vierbeiner nun auch ihr Können bei Kutschfahrten zeigen. Einige Besucher kamen dadurch in den Genuss einer Rundreise durch die nächste Umgebung des Müßighofs. Dass dieser vieles zu bieten hat, sah man zudem an der großartig gebauten Erntepyramide. Gabi Hinterleitner, die ehrenamtlich tätige Alexandra Löw und viele Heimbewohner hatten diese zur Andacht vor der Antoniuskapelle aufgebaut.
Auch für die Kleinen war beim Fest gesorgt. So gab es einen großen Streichelzoo mit Hasen, Meerschweinchen, Eseln und diversem anderen Getier. Dieser zog nicht nur die Kinder, sondern auch viele Große an. Manch einer zeigte sein künstlerisches Talent auch beim Kürbis-schnitzen. Wer seine Figur nicht mit nach Hause nahm, wird sie schon bald als Teil der herbstlichen Dekoration auf dem Müßighof finden können. Kaffee und Kuchen konnte man mit Blick auf den Streichelzoo genießen, und auch für den, der es deftiger wollte, war genug vorhanden. Bei einer Führung konnten die Besucher die verborgenen Ecken des weitläufigen Geländes erkunden.

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