Erlesenes Programm
19.07.2011, 08:00 Uhr
Ein außergewöhnliches Konzert hatte Klaus-Dieter Stolper, künstlerischer Leiter von pro musica, versprochen und er hatte nicht übertrieben. Zwei exzellente Musikerinnen an selten zu hörenden Instrumenten präsentierten ein erlesenes Programm mit Werken der Frühromantik. Judith Freise, Konzertmeisterin des Barockorchesters Frankfurt, spielte auf einer Barockgeige aus dem Jahr 1690, Sylvia Ackermann aus Miltenberg stellte einen Hammerflügel von 1800 vor.
Vor vier Jahren hat Stolper in einem Hauskonzert bei Georg Ott, der den Hammerflügel restaurierte hatte, die beiden Musikerinnen kennen gelernt. Spontan hat er sie gefragt, ob sie mit diesem Flügel auch auf Reisen gingen. Sie tun es und sind endlich auch nach Höchstadt ins Schlossgewölbe gekommen, den laut Stolper besten Raum für ein solches Konzert.
Das Besondere am Hammerflügel sei der Silberklang, erklärte er, denn „die Saiten werden mit zarten Hämmerchen, nicht mit diesen Filzbolzen angeschlagen.“
Ein weicher Ton zeichnet auch die Barockgeige aus. Sie ist viel leichter gebaut als herkömmliche Geigen, steht deshalb weniger unter Spannung und ist mit Darmsaiten bespannt.
Der weiche Klang des Flügels harmoniert wunderbar mit der Geige, besonders deutlich wurde dies bei den Pizzicato-Sequenzen in der Mozart Sonate G-Dur (KV 379) von 1781. Der Dämpfer reißt den Ton nicht ab, sondern lässt ihn nachklingen, und anders als beim Cembalo kann die Dynamik variiert werden. Sylvia Ackermann zeigte dies wundervoll mit Franz Schuberts 1823 entstandenen „Moments musicaux“.
In Vergessenheit geraten
Zu Unrecht in Vergessenheit geraten ist der aus Miltenberg stammende Komponist Joseph Martin Kraus (1756 – 1792). Er wirkte in Schweden und war ein gefeierter Komponist seiner Zeit. Im selben Jahr wie Mozart geboren und ein Jahr später als dieser gestorben wurde er auch als der „Mozart des Nordens“ bezeichnet, obwohl er stilistisch eigene Wege ging. Ackermann und Freise stellten seine Sonate C-Dur aus dem Jahr 1785 vor und begeisterten mit ihrem harmonischen Zusammenspiel.
Mit langem, herzlichem Applaus honorierten die zahlreichen Zuhörer sowohl die Leistung der Musikerinnen als auch das Engagement von pro musica, das dieses Konzert ermöglicht hatte.