Swingerclub in Röttenbach: Übertriebene Moral der Anwohner
11.12.2019, 16:28 UhrWas würde wohl Sigi Zimmerschied dazu sagen? Vieles in der Diskussion um die Nutzungsänderung einer ehemaligen Videothek in Röttenbach zu einem Swingerclub erinnert an die Hysterie um das Gastspiel des Passauer Kabarettisten vor Jahren. Schon damals haben sie landauf, landab über Röttenbach gelacht.
Drum ist allen Beteiligten im künftigen Verfahren dringend anzuraten, alle Moralinsäure aus Gesprächen und Petitionen zu nehmen.
Geplanter Swingerclub: Protest in Röttenbach formiert sich
Es geht hier um Leitplanung, Bau- und Gewerberecht, nicht mehr und nicht weniger. Der Standort liegt in einem Mischgebiet. Hier sind Betriebe zulässig, wenn sie weder Lärm noch Gestank, sondern allenfalls Männerphantasien emittieren. Das Argument, es gehe um das Wohl schutzbedürftiger Kinder scheint vorgeschoben.
Nicht nur Märchenfilme
Schließlich ist der geplante Club noch unzugänglicher als die frühere Videothek, die dem Vernehmen nach nicht nur Märchenfilme ausgeliehen hat.
Verschlossene Türen, die sich nur für Angemeldete öffnen, keine anzügliche Außenwerbung, welcher Gefahr soll die öffentliche Moral durch einen Betrieb ausgesetzt sein, den man nur wahrnimmt, wenn man absichtlich hinschaut?
Also lassen wir – schöner Ausdruck für dieses Thema – die Kirche im Dorf und betrachten den wahren Beweggrund für den erhobenen Zeigefinger: das Geld. Eigentümer fürchten um den Wert ihrer Immobilie durch einen legalen, aber anrüchigen Gewerbebetrieb. Wertverlust. Das ist, mit Verlaub, auf Röttenbacher Niveau ein Luxusproblem.
Es ist schon eigenartig, wie hierzulande Geschäft mit Moral verknüpft ist. Wenn sich ein Online-Handelsriese in Eggolsheim ansiedeln will, fragt da jemand, wie moralisch die Arbeitsbedingungen dort sind?
20 Kommentare
Um selbst einen Kommentar abgeben zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich vorher registrieren.
0/1000 Zeichen