Verjazzte Volkslieder

16.11.2009, 00:00 Uhr
Verjazzte Volkslieder

© Seyb

Die Herzogenauracherin Mareike Wiening studiert zurzeit in Kopenhagen, ebenso ihre Bandmitglieder Sören Gemmer (Piano), Jakob Roland (Bass) und Mia Marlen Berg (Gesang). Nur der gebürtige Däne Kim Barth (Querflöte und Saxofon) hatte keine so weite Anreise, er lebt in Nürnberg und ist durch seine Auftritte mit Thomas Fink in Herzogenaurach bekannt.

Das Quintett hat es sich zur Aufgabe gemacht, skandinavische Volkslieder zu verjazzen. Wohl kaum einer aus dem Publikum verstand die norwegischen oder schwedischen Texte, aber das musste auch gar nicht sein. Mia Marlen Berg erklärte kurz auf Englisch, wovon das Lied handelt.

Wichtiger als der Text war sowieso die Stimmung der Lieder, die die Norwegerin mit ihrer ausdrucksstarken, wandlungsfähigen Stimme interpretierte. Die Zuhörer spürten die verzweifelte Klage eines verlassenen Mädchens oder die Freude über eine schöne Sommernacht, denn die Sprache der Musik versteht jeder.

Bergs Begleiter unterstrichen die Wirkung ihres Gesangs, die klagenden Töne betonte Jakob Roland mit rhythmischem Gitarrenzupfen. Bei den Instrumentalstücken zeigten sich die Musiker hervorragend aufeinander eingespielt. Mareike Wiening gab einen soliden Rhythmus vor, über dem Kim Barth auszuprobieren schien, was seine Querflöte an Tönen hergab.

Der häufige Rhythmuswechsel der Lieder bot den Musikern viel Spielraum für Interpretationen und spektakuläre Soli, bei den schnelleren Stücken schienen sie sich gegenseitig anzutreiben. Kim Barth ließ sich von Sören Gemmers Ideen am Piano anfeuern und legte sich am Saxofon mächtig ins Zeug.

Das Kulturamt hätte noch mehr Eintrittskarten verkaufen können, aber man hatte bewusst den kleinen Ratskeller einer nüchternen Schulaula vorgezogen. So passte dann alles zusammen: exzellente Musiker, ein begeistertes Publikum, das die Soli immer wieder mit spontanem Applaus honorierte, und eine reizvolle Atmosphäre im Rats-respektive Jazzkeller.