Mit der Uni-Jolle auf dem Großen Brombachsee

26.08.2009, 00:00 Uhr
Mit der Uni-Jolle auf dem Großen Brombachsee

© Kaiser

Über den Hochschulsport Erlangen-Nürnberg belegen die Studenten hier in ihren Semesterferien einen sechstägigen Segel-Grundkurs. Heute ist Tag vier. Nach dem ausgiebigen Frühstück stehen theoretische Grundlagen auf dem Programm. Rund eineinhalb Stunden lang vermitteln die Kursleiterinnen Barbara Brütting und Melanie Buichl täglich Boots- und Materialkunde, zeigen, wie man Knoten steckt, erklären die Grundmanöver und das richtige Verhalten auf See. Zur Veranschaulichung dienen eine große weiße Magnettafel und eine Modell-Jolle, ein kleines Segelboot aus Holz.

Auch heute geht Melanie Buichl mit den Teilnehmern noch einmal die Kommandos durch. «Das müssen wir mehrmals üben», sagt Buichl. Die Sprache der Segler umfasst eine Vielzahl von Begriffen und klingt zunächst eigenartig. Da kann es schon etwas dauern, bis man sich die vielen Begriffe und ihre Bedeutungen eingeprägt hat. «Was antwortet also der Vorschoter, wenn der Steuermann das Kommando ,recht voraus!‘ gibt?», fragt Buichl in die Runde. «Vielleicht ,Is recht‘?», antwortet eine Studentin keck. Die Kommilitonen lachen.

Schon Anfang April, zwei Wochen vor Beginn des Sommersemesters kann man sich an der Uni für die Segelkurse einschreiben. Für die Studenten am Institut für Sportwissenschaften und Sport ist Segeln nicht nur Spaß, sondern kann als Wahlfach belegt werden.

Die Grundkurse im Segeln sind bei Studenten aller Fachrichtungen begehrt und schnell ausgebucht, die Wartelisten sind lang. Wer Glück und Talent hat und erfolgreich einen Grund- sowie einen Aufbaukurs belegt, bekommt den Uni-Segelschein und seit kurzem auch den Jollenschein des Verbands Deutscher Wassersport Schulen (VDWS). Mit dem darf etwa beim nächsten Italienurlaub auch im Mittelmeer geschippert werden.

Vom Segelkurs am Großen Brombachsee hat Lars Engelhard, inzwischen ehemaliger Student der Informationstechnik an der Georg-Simon-Ohm-Hochschule, vor ein paar Semestern rein zufällig Wind bekommen. «Die wenigsten wissen, dass das Angebot der Universität im Hochschulsport auch von FH-Studenten genutzt werden kann», erzählt Lars. Nach dem Grundkurs hat er im Wassersportzentrum nicht nur seinen Segelschein, sondern auch die Prüfung zum Übungsleiter gemacht. Bald wird er seine ersten Segelschüler unterrichten.

Freundin Stefanie Hofmann studierte Nachrichtentechnik an der Georg-Simon-Ohm-Hochschule und ist eigentlich ein großer Fan vom Tauchen. Aber auch sie hat das Segelfieber schnell gepackt. Seitdem verbringen die beiden jeden freien Tag im Sommer am Großen Brombachsee. «Das ist wie Urlaub hier», sagt Stefanie. Selbst bei Windstille auf dem See oder schlechtem Wetter gibt es im Wassersportzentrumimmer etwas zu tun: Segel rollen, Schwimmwesten checken und Boote prüfen – langweilig wird es den vielen ehrenamtlichen Helfern nie.

Für die Segelschüler beginnt heute gegen Mittag der praktische Teil. Auf der Bootbelegungstafel im Erdgeschoss ist jede der 13 Uni-Jollen mit Namen und Nummer verzeichnet. So lässt sich genau ablesen, ob «U 66: ALOA» oder «U 67: Flotte Lotte» gerade unterwegs oder frei sind. Jedes Boot hat seine eigens zugehörigen Segel, die zusammen mit den Schwimmwesten aus dem Keller geholt werden müssen. Dann gehen die Studenten zum Landliegeplatz, an dem alle Boote auf fahrbaren Anhängern zum Auftakeln bereitstehen. Rund 15 Minuten später sind die Segel befestigt und die Jollen startklar. Vom Slip-Steg aus werden die Boote langsam zu Wasser gelassen.

«Ich mag die Leute, das Flair, das Engagement und die Gemeinschaft hier», schwärmt Lars Engelhard. Mit Übernachtungsmöglichkeiten auf Feldbetten und Isomatten, Umkleide- und Duschräumen wie gemeinsamem Einkaufen und Kochen, versprüht das Wassersportzentrum bei Kursbetrieb die Atmosphäre einer Jugendherberge.

Einige Professoren und ehemalige Studenten, die inzwischen Mitglieder des Fördervereins geworden sind, haben im Hafen von Pleinfeld ein Segelboot liegen und kommen regelmäßig im Wassersportzentrum vorbei. Doch der rege Betrieb werde sich ab der Saison 2010 ändern, vermuten die Studenten, denn von den 56 Bootsliegeplätzen im Pleinfelder Hafen werden nach einem Beschluss des Zweckverbandes Brombachsee 50 abgebaut. Bootsbesitzer müssen sich einen neuen Liegeplatz, weit weg vom Wassersportzentrum suchen. Grund des Rückbaus zum Jahresende ist die starke Beschädigung der Steganlage durch Stürme, die immer wieder mit orkanartigen Windböen über den See peitschen und so die Konstruktion, bei der einzelne Stegelemente mit Ketten befestigt sind, ins Schlingern bringen. Das verursacht enorme Reparaturkosten.

Das hohe Wellenaufkommen bereitet nicht nur der schwimmenden Steg-Konstruktion, sondern auch den Segelschülern Schwierigkeiten. «Probleme gibt es vor allem bei Westwind, da haben Anfänger Mühe, überhaupt vom Steg wegzukommen», erklärt Lars Engelhard. Das Team des Wassersportzentrums befürchtet durch den Rückbau eine erhebliche Einschränkung des Segel- und Ausbildungsbetriebes.

Die Medizin-Studentinnen Annika Weigelt und Christine Kestner haben heute auch Probleme, vom Steg wezukommen – was aber diesmal nicht am Wind liegt. Ihr Boot hat sich gedreht und steuert in Richtung Damm. Kursleiterin Barbara Brütting geht vom Ufer ein paar Schritte ins 22 Grad warme Wasser und gibt Anweisungen, um die Jolle wieder auf Kurs zu bringen. Ein paar Minuten später schippert auch das letzte der fünf Boote hinaus auf den See.

Barbara Brütting und Melanie Buichl werfen noch einmal einen Blick auf die anderen vier Jollen, die bereits draußen treiben. Offenbar gibt es keine Probleme. Dann machen sie sich selbst auf zu ihrem Boot und fahren hinaus. Den praktischen Teil des Segel-Grundkurses dürfen die Studenten heute bis spät in den lauen Sommerabend hinein üben.

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