Nach Schal-Raub am Bahnhof: Haftstrafen für Clubfans

01.07.2017, 05:57 Uhr

Am 23. Oktober 2016 spielte der 1. FCN gegen Hannover 96. Der Club gewann die Zweitliga-Partie mit 2:0. Für Ronny (32), Kevin (29) und Maik (23, alle Namen geändert) eine Gelegenheit, sich ordentlich zulaufen zu lassen und am Hauptbahnhof zu feiern.

Wäre es bei einer feucht-fröhlichen Siegesfeier geblieben, hätten die drei Männer heute kein Problem. Ronny wollte jedoch unbedingt einen gegnerischen Fanschal für seine Trophäensammlung. Bei einem Hannover-Fan, das zeigten Bilder von Überwachungskameras, blitzte er ab. Dann entdeckte er einen Mann mit einem Werder-Bremen-Schal. Er drohte dem 37-jährigen Familienvater Prügel an, sollte sich dieser nicht freiwillig von seinem Accessoire trennen. Es kam zu einem verbalen Schlagabtausch.

Nun mischten sich zwei Kumpels von Ronny ein: die Brüder Kevin und Maik. Kevin warf eine halbvolle Plastikbierflasche nach dem Bremen-Anhänger. Er traf aber dessen Lebensgefährtin am Kopf. Offenbar hatte der Alkohol seine Treffsicherheit beeinträchtigt. Gemeinsam mit seinem Bruder Maik verdrosch er anschließend noch den Werder-Bremen-Fan. Ronny sackte derweil den Schal ein.

Tochter traut sich nicht mehr in die Stadt

Das geschädigte Paar trug schmerzhafte und teilweise blutende Kopfverletzungen davon. Ihre 13 Jahre alte Tochter, die alles mit ansehen musste, traut sich seit dem Vorfall nicht mehr in die Stadt.

Vor der 13. Strafkammer des Landgerichts gaben die drei Club-Fans die Übergriffe auf die Familie zu. Ronny, der wegen ähnlicher Taten vorbestraft ist, musste sich außerdem vorwerfen lassen, bei anderer Gelegenheit Polizisten beleidigt, bespuckt und getreten zu haben. Zudem war bei ihm noch ein sechsmonatiger Gefängnisaufenthalt aus einer früheren Verurteilung offen. Insgesamt verhängte das Gericht nun eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und acht Monaten und ordnete an, dass Ronny seine Alkoholsucht in einer Entzugsklinik bekämpfen soll.

Ebenfalls auf Entzug schickten die Richter Kevin, der wegen Körperverletzung in zwei Fällen zweieinhalb Jahre Gefängnis kassierte. Auch bei ihm wurde eine Vorverurteilung mit eingerechnet. Mit einer Bewährungsstrafe von 22 Monaten kam der Jüngste im Bunde davon: Maik hatte noch keinen Eintrag im Strafregister.