Stiftung Pfennigparade: Trotz Behinderung arbeiten

27.02.2009, 00:00 Uhr
Stiftung Pfennigparade: Trotz Behinderung arbeiten

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Ein Jahr vor Abschluss seines Physikstudiums wurde bei Luczak eine schwere Augenkrankheit diagnostiziert, die zum allmählichen Verlust der Sehkraft führt. Er schaffte zwar sein Diplom, eine Neuorientierung war aber geboten. Die Informationstechnologie erschien am sinnvollsten, weil in diesem Bereich auch schwer Sehbehinderte und Blinde tätig werden können. Wissen, das er sich im Studium angeeignet hatte, und Praktika ermöglichten den Wechsel in den IT-Bereich. Eigene Bemühungen, eine Anstellung zu finden, schlugen aber fehl. Über eine Stellenausschreibung im Internet wurde Luczak auf die Pfennigparade aufmerksam.

"Besondere Werkstatt" als wichtige Säule

Diese gehört zu den größten Rehabilitationszentren für körperbehinderte Menschen in Deutschland. Eine wichtige Säule ist die sogenannte besondere Werkstatt, die neben München, Stuttgart und Frankfurt auch in Franken mit Schwerpunkt Region Nürnberg und Umland aktiv ist. Und zwar für Dienstleistungen im kaufmännischen wie technischen Bereich und im IT-Bereich. Die Werkstatt ist eine Einrichtung zur beruflichen und sozialen Eingliederung körperbehinderter Menschen, die wegen Art und Schwere ihrer Behinderung nicht, noch nicht oder noch nicht wieder auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt beschäftigt werden können.

Die Anforderungsprofile potenzieller Mitarbeiter reichen von Lehrberufen bis hin zum Hochschulabsolventen. Die ausgewählten Bewerber erhalten in der Werkstatt ganz «normale» sozialversicherungspflichtige Arbeitsverträge mit marktüblichen Gehältern und sind häufig auf ausgelagerten Arbeitsplätzen im Partnerunternehmen tätig.

Tätigkeit als Softwareentwickler gefunden

So werden Leistungsfähigkeit, berufsspezifische Kenntnisse und soziale Kompetenzen im normalen Arbeitsumfeld trainiert und gefördert. Oberstes Ziel: behinderte Menschen durch berufsspezifischen Einsatz, Weiterbildung und Unterstützung so zu fördern, dass der Sprung auf den ersten Arbeitsmarkt gelingen kann.

Pawel Luczak hat genau das geschafft. Zunächst fand er im vergangenen Jahr bei CentoSoft GmbH Softwarekonzepte in Nürnberg eine Tätigkeit als Softwareentwickler auf einem ausgelagerten Arbeitsplatz. Jetzt wurde der 29-Jährige übernommen. «Wir haben mit Herrn Luczak einen hochmotivierten und hochqualifizierten Mitarbeiter für unser IT-Team gewonnen», freute sich Gottfried Paulus, Geschäftsführer der CentoSoft.

Die Motivation behinderter Mitarbeiter ist meist enorm hoch. Denn für sie steht oftmals die Arbeit viel stärker im Mittelpunkt ihres Lebens als für Nichtbehinderte. nn

Unternehmen und qualifizierte Menschen mit Körperbehinderung können sich direkt an shirley.hofmann@psg-online.com, Telefon (0 95 71) 89 68 24 wenden.