Zahlungen blieben aus
Tochter von Gerch nun auch insolvent: Bauarbeiten für "The Q" sind nun offiziell eingestellt
15.09.2023, 17:07 Uhr
Nach den Dachfirmen ist nun auch die Tochter pleite: Die Gerch-Projektgesellschaft "The Q" hat einen Insolvenzantrag gestellt. Man habe intensive Verhandlungen mit einem Erwerber und Finanzierungspartner, einem institutionellen Investor mit Sitz in Bayern, geführt, heißt es in einer Pressemitteilung. Diese seien gescheitert. Dies habe zur Folge, dass das Gerch-Management umgehend für die Projektgesellschaft "Gerch Nürnberg The Q 1 GmbH" einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht Düsseldorf stellen musste.
Vor kurzem mussten bereits die Dachgesellschaften der Gerch-Gruppe Insolvenzantrag stellen. Damals war betont worden, dass die Projektgesellschaften nicht betroffen seien. Die Gerch-Projektgesellschaft "The Q" entwickelt das ehemalige Quellegelände.
Das Gesamtobjekt ‚The Q‘ - dort wo früher die Quelle war - steht unter Denkmalschutz. Das geschichtsträchtige ehemalige Versandzentrum soll als gemischt genutzte Immobilie nach Fertigstellung Wohnungen, Büros, Gastronomie sowie Einzelhandel und auch eine Kita anbieten. Für den Bauteil 1 wurden bereits Mietverträge für ein Behördenzentrum der Stadt Nürnberg sowie diverse Handelsflächen abgeschlossen. Die Fertigstellung des ersten Bauabschnitts ist eigentlich für das zweite Halbjahr 2024 vorgesehen. Allerdings mussten aufgrund des Insolvenzantrags vom 14. September 2023 beim Amtsgericht Düsseldorf die Bauarbeiten am Projekt in Nürnberg jetzt vorerst gestoppt werden.
Bauteil 1 war verkauft
Gerch hatte Bauteil 1 bereits in 2021 an den institutionellen Investor verkauft. Als die vier Dachgesellschaften von Gerch aufgrund drohender Zahlungsunfähigkeit am 23. August 2023 beim Amtsgericht Düsseldorf einen Antrag auf Eigenverwaltung gestellt hatten, habe das Management umgehend mit allen Finanzierungspartnern der einzelnen Projektgesellschaften Gespräche aufgenommen, hieß es. Das Ziel sei gewesen, die einzelnen Projekte, wie etwa bei ‚The Q‘ in Nürnberg, zu stabilisieren, zu sichern sowie weiterzubauen, um die jeweiligen Projekte planmäßig fertigzustellen und an die Erwerber zu übergeben.
Eine Lösung zur Stabilisierung der Projektgesellschaft für ‚The Q‘ habe sich sich abgezeichnet, so schreibt das Unternehmen in seiner Mitteilung. Denn der Käufer habe sich grundsätzlich bereit gezeigt, die laufenden Zahlungen weiter fortzuführen. Nur dann kann Gerch nach eigenen Angaben die Baufirmen weiter bezahlen; bleiben diese aus, stellen die Firmen die Arbeiten ein.
Nach Angabe der Gerchgruppe hätte der Erwerber nach Prüfung der bisherigen Rechnungen festgestellt, dass er auch die Erschließungskosten für das Grundstück bereits bezahlt hatte, obwohl diese von Gerch zu zahlen gewesen wären. Daraufhin habe er eine vorläufige Überzahlung der Kaufpreisraten festgestellt und aus Gründen des Anlegerschutzes keine weiteren Kaufpreisraten gezahlt. Dadurch sei die Gerch-Projektgesellschaft in die Zahlungsunfähigkeit geraten.
Insolvenzverwalter ist bestellt
„Wir haben, nachdem feststand, dass eine weitere Zahlung durch den Erwerber nicht möglich war, umgehend die Bauarbeiten gestoppt, um weitere Schäden für die ausführenden Baufirmen zu vermeiden", so Mathias Düsterdick, Geschäftsführer der Projektgesellschaft. Ein Zeitpunkt, ab wann die Bauarbeiten wieder aufgenommen werden, lasse sich derzeit nicht abschätzen. Zunächst einmal müsse der aktuelle Bautenstand festgestellt sowie bewertet werden, so Gerch. Zudem müsse sich der vom Gericht bestellte vorläufige Insolvenzverwalter, Rechtsanwalt Jens Schmidt, in die Sachlage einarbeiten.
Die Projektgesellschaft ‚The Q‘ beschäftigt selbst keine Mitarbeiter. Alle Mitarbeiter von Gerch sind in den jeweiligen Dachgesellschaften bzw. der Holding angestellt.
Gerch war wie viele andere Projektentwickler aufgrund der aktuellen Situation in die Krise geraten. Der Ukraine-Krieg, die Inflation und der weggebrochene Transaktionsmarkt sowie die ansteigenden Zinsen und die Zurückhaltung auf dem Finanzierungsmarkt hatten bei den Projektentwicklern zu erheblichen Problemen geführt.
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