Vorhang auf – für Theater am Pirckheimer

15.06.2016, 20:21 Uhr
Vorhang auf – für Theater am Pirckheimer

© Stefan Hippel

Ein Stück spielen, das alle schon gesehen, gelesen, gehört haben? Kann ja jeder. Die Mädchen aus der Unterstufe wollen mehr. Etwas Eigenes. Auf ein Thema haben sie sich schnell geeinigt. Etwas, was jeder kennt und jeder mag sollte es sein. Also: Schokolade. In jeglicher Hinsicht. Vom Entstehungsprozess bis zur besänftigenden Wirkung. "Wir wollen, dass den Zuschauern das Wasser im Mund zusammenläuft", sagt Hannah.

Die Mädchen sind stolz auf ihre Arbeit. Mit Eifer sind sie bei der Sache. "Es ist toll, als Gruppe zu arbeiten", erzählt Hannah. Witzig sei ihr Stück und auch ein bisschen dramatisch, fügt Laura hinzu. "Es ist toll", sagt Celile. "Man sollte die Gelegenheit, die Aufführung zu sehen, nicht verpassen."

Vorhang auf – für Theater am Pirckheimer

Am 13. und 14. Juli ist "Schok O Ladenreste. Ein Sportstück" im Hubertussaal in der Dianastraße zu sehen. Bis dahin wird aber noch fleißig geprobt. Am Donnerstagnachmittag ist in der Schulmensa, wo es auch eine Bühne gibt, diszipliniertes Arbeiten angesagt. Die Mädchen machen sich warm, tanzen zur Musik. Wenn die Töne Pause machen, wird die Bewegung eingefroren. Stillstehen heißt es dann, das Gleichgewicht halten, konzentrieren.

Theaterlehrer Dirk Benker hat die Kinder genau im Blick. Wer nicht aufpasst, bekommt eine humorvoll-strenge Rüge verpasst. Was hier passiert, ist kein Pausenvergnügen, sondern Unterricht. "Schön, das klappt schon gut", sagt er später, wenn die Mädchen synchron zur Musik auf den Boden stampfen. "Ihr müsst den Zuschauern etwas zeigen. Es darf ihm nicht langweilig werden!"

Die Mädchen lieben das Theaterspielen. Auf die Frage, was sie daran mögen, fällt ihnen spontan ganz viel ein: Dass man sich verstellen und seinen Gefühlen freien Lauf lassen kann, das man schreien, jemand anderes sein darf, dass es cool ist, eine Rolle zu spielen. Und dass man auch nicht ausgelacht wird, wenn man mal einen Fehler macht.

Am Pirckheimer Gymnasium nimmt man das Thema Schauspiel sehr ernst: Als Unterrichtsfach ist es im Lehrplan integriert, von der 5. Klasse an. Vier Theaterlehrer mit speziellem Zusatzstudium gehören dem Kollegium an. Benker ist einer von ihnen. Das Fach hat er von seinem Vorgänger geerbt, als er im Jahr 2002 als Lehrer für Deutsch und Geschichte an die Schule in der Nürnberger Südstadt kam. Auch er hat in seiner Schulzeit Theater gespielt.

"Aber selbst spielen und es den Schülern beibringen – das ist schon etwas anderes." Benker, der in Oberfranken geboren ist, besuchte Fortbildungen, dann hängte er noch einmal vier Semester Erweiterungsstudium in Erlangen samt Staatsexamen an. "Ich wollte nicht der Deutschlehrer sein, der das Theater mal so nebenbei macht."

Theater in der Schule, Schule im Theater: Dem Pirckheimer Gymnasium geht es um Vermittlung von sozialen Kompetenzen. Aber auch darum, dass die Schüler die Kunstform Theater an sich kennenlernen. "Filme kennen sie alle. Aber viele waren zuvor nie im Theater", sagt Dirk Benker. Deshalb wird auch Wert auf Theaterbesuche gelegt. Die Schule kooperiert mit dem Gostner Hoftheater und dem Staatstheater. Der Austausch mit den Profis ist rege. Theaterpädagogen und Schauspieler stehen in engem Kontakt mit Schule und Schülern. Nach dem Besuch einer Aufführung gibt es Nachbesprechungen, Rückmeldung ist wichtig.

Nicht aus jedem werde ein Schauspieler, sagt Dirk Benker. "Aber jeder kann etwas für sich mitnehmen." Vom bayerischen Kultusministerium hat die Schule den Titel "Projektschule für theatrale Bildung" verliehen bekommen. Im Rahmen des Ganztagsunterrichts ist das Theater fest im Stundenplan verankert. Für alle anderen wird es als Wahlfach angeboten. Auch mit der Friedrich-Alexander-Universität gibt es eine enge Kooperation. Eine Reihe von Schulen in der Region sind Partnerschulen der Uni, darunter das Pirckheimer Gymnasium mit seinem Theaterschwerpunkt.

Für ihr Modell "Ganz Theater" ist die Schule in der Nürnberger Südstadt erst kürzlich mit dem Prädikat "FAU-Schule innovativ" ausgezeichnet worden. Für das Gymnasium und alle, die sich für das Theaterspielen engagieren, eine neuerliche Bestätigung für ihre Arbeit.

Und für die Kinder eine weitere Motivation, sich ins Zeug zu legen. Lampenfieber vor dem großen Auftritt im Juli? Die Unterstufen-Mädchen winken ab. "Wir haben gut geprobt", sagt Hannah. "Deshalb haben wir auch keine Angst."

Das Schokoladen-Stück ist am 13. und 14. Juli, 19 Uhr, im Hubertussaal, Dianastraße 28, zu sehen.
Erwachsene zahlen sieben Euro Eintritt, Schüler fünf Euro.

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