Überzeugung war sein Motiv

02.05.2011, 00:00 Uhr
Überzeugung war sein Motiv

© Schmitt

„Zur Gewerkschaft muss man gehen, weil man ja eine Vertretung braucht“, sagte Ferdinand Ederer bei der Jubilarehrung. 1931 ist er aus Überzeugung Mitglied der Arbeitnehmerorganisation geworden. Damals als Mitarbeiter eines Sägewerks. Unmittelbar nach dem Krieg hat er dann bei der Deutschen Bahn angeheuert und in Nürnberg gearbeitet. Seit 1997 wohnt der 93-jährige Oberpfälzer in der Nähe seiner drei Töchter in Hilpoltstein.

Im November 2010 sind die Gewerkschaft Deutscher Bundesbahnbeamten (GDBA) und Transnet zur Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) verschmolzen. Gestern hat Frank Hauenstein bei der Feier der Eisenbahner im Kreis Roth-Schwabach erstmals als EVG-Sekretär die Mai-Rede gehalten.

Politischer Kurswechsel

Dabei forderte er einen politischen Kurswechsel hin zu mehr Gerechtigkeit und wandte sich gegen Lohndumping und einen Missbrauch der Leiharbeit. Zugleich trat der Gewerkschaftsvertreter für einen Mindestlohn von 8,50 Euro ein. Die Maifeiern standen bundesweit unter dem Motto „Das ist das Mindeste – Faire Löhne, gute Arbeit, soziale Sicherheit“. Grußworte sprachen in Georgensgmünd Ben Schwarz, Vorsitzender der Georgensgmünder SPD und stellvertretender SPD-Kreisvorsitzender und Landrat Herbert Eckstein.

Nach Darstellung Hauensteins ist in der Bundesrepublik gegenwärtig eine gegenläufige Entwicklung festzustellen. „Einem ausufernden Niedriglohnsektor steht eine enorme Steigerung der Unternehmenseinkommen gegenüber.“ Sie seien in der vergangenen zehn Jahren dreimal so stark gewachsen wie Arbeitnehmerentgelte. Zugleich gebe die Bundesanstalt für Arbeit immer mehr Geld für Aufstocker aus. Also für Menschen, die von ihrem Job nicht leben könnten und zusätzlich zum Einkommen noch staatliche Unterstützung brauchten. „Das beschädigt die soziale Ordnung“, sagte Hauenstein. „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit in der Leihbranche und Mindestlöhne“, lauten hier die Forderungen der Eisenbahner. Als Erfolg der EVG in diese Richtung sah Hauenstein den Abschluss eines Branchentarifvertrags für den Schienenpersonen-Nahverkehr. „Er sichert Löhne auf gutem Niveau“, so Hauenstein.

„Schluss mit Kürzungen“

Zugleich wandte sich Hauenstein gegen restriktive Sparprogramme der öffentlichen Haushalte. „Auf diese Weise werden die Kosten der Finanz- und Wirtschaftskrise auf den Schultern der kleinen Leute abgeladen“, stellte er fest. Es müsse deshalb Schluss sein mit Kürzungen der Sozialleistungen und Einschnitten in die öffentliche Daseinsvorsorge sowie das Bildungssystem. Er forderte Bund, Länder und Kommunen auf, mit starken öffentlichen Leistungen für mehr Gerechtigkeit zu sorgen. „Dazu sind Investitionen in Bildung, Infrastruktur, Innere Sicherheit und eine lebenswerte Umwelt dringend erforderlich“, zählte Frank Hauenstein auf.

Mit Hauptpunkt des jährlichen Treffens der Eisenbahner in Georgensgmünd ist die Auszeichnung der Jubilare. Frank Hauenstein überreichte Urkunden und Ehrennadeln an Gewerkschaftsmitglieder, die dem Zusammenschluss der Eisenbahner 25, 40, 50, 60 und 80 Jahre lang die Treue gehalten haben. „Alle Errungenschaften im Sozial- und Tarifrecht wären nicht durchsetzbar gewesen“, wandte sich Hauenstein unmittelbar an die Geehrten, „wenn nicht Frauen und Männer wie ihr sich in einer gewerkschaftlichen Organisation für deren Ziele gestritten hätten.“ Wie es Ferdinand Ederer 80 Jahre lang getan hat.

Geehrt wurden aus dem Raum Roth/Schwabach: 60 Jahre: Johann Egerer, Georg Schmidt (Georgensgmünd), Gustav Hähnlein (Rednitzhembach), Kurt Wende (Roth), Franz Schloegl, Fritz Wolkersdorfer (Schwabach). 50 Jahre: Dietmar Eidling, Werner Hartmuth (Büchenbach), Franz Gsänger, Erich Schiller (Roth), Karl Wild (Hilpoltstein), Horst Zebisch (Georgensgmünd), Helmut Maderstein und Josef Reich (Schwabach).

40 Jahre: Sigrid Becher (Rednitzhembach), Karl Billmeyer, Joachim Böhm, Friedrich Meier (Georgensgmünd), Johann Bittner (Heideck), Dieter Christoph, Josef Heberzettl, Rupert Liebl, Georg Meyer, Heinz Schreiter (Roth), Siegfried Göbel (Thalmässing), Jürgen Hauenstein, Heinrich Schindler (Rednitzhembach), Fritz Käferlein (Rohr), Karl-Heinz Pöllet (Allersberg). 25 Jahre: Friedrich Rauh (Röttenbach).