Fieberhafte Suche
02.10.2012, 08:11 UhrFür 124 Flüchtlinge müsste das Landratsamt derzeit laut ihrer Quote (7,3 Prozent der in Mittelfranken lebenden Asylbewerber) sorgen. Doch nur für 64 hat sich bislang eine Bleibe gefunden: 30, meist aus Äthiopien und Pakistan, leben am Fuße der Hilpoltsteiner Burg im ehemaligen Krankenhaus, das der Arbeiterwohlfahrt gehört. 19 Frauen und Männer, ebenfalls aus Äthiopien und Pakistan, wurden in Greding in einer Privatunterkunft einquartiert. Neun Aserbaidschaner sind schon seit geraumer Zeit im Büchenbacher Ortsteil Ottersdorf in einem Haus untergebracht, das der Gemeinde gehört. Sechs Russen und Mazedonier wurden vergangene Woche in Wendelstein, ebenfalls in einem gemeindlichen Haus, aufgenommen (wir berichteten in der Druckausgabe).
Zu wenig Bereitschaft
Das Landratsamt Roth ist fieberhaft auf der Suche nach weiteren Unterkünften. Landrat Herbert Eckstein hat immer wieder versucht, die Gemeinden in die Pflicht zu nehmen. „Doch die Ergebnisse sind sehr überschaubar“, klagt Anne Kokoska-Ruppert, Abteilungsleiterin am Landratsamt.
Vor allem die Kreisstadt Roth, mit knapp 25000 Einwohner größte Kommune im Landkreis, müsste mehr anbieten als die derzeitigen null Betten. Doch eine frühere Asylbewerberunterkunft wurde mittlerweile zum Obdachlosenheim umfunktioniert. Und ein seit Jahren leer stehender Gasthof im Ortsteil Pfaffenhofen, der in den 1990er Jahren als Asylbewerberunterkunft genutzt wurde, kommt nicht mehr infrage, weil er inzwischen in so schlechtem Zustand ist, dass er als unbewohnbar gilt.
Nur bedingt geeignet
Pfaffenhofen wäre allerdings ohnehin nur bedingt geeignet als Gastgeber für viele Flüchtlinge. Die Zahl der Asylbewerber, die übergangsweise ein neues Zuhause brauchen, soll immer in einem auch für die Bevölkerung des jeweiligen Ortes „vernünftigen Verhältnis“ bleiben. Das hatte Landrat Herbert Eckstein vor kurzem in der Bürgermeisterdienstbesprechung erklärt. Eine (drohende) Situation wie im Schwabacher Stadtteil Schwarzach, wo ab nächstem Jahr auf 38 Einwohner bis zu 35 Asylbewerber kommen könnten, soll es keinesfalls geben.
Doch was tun, wenn es keine anderen Unterkünfte gibt? „Wir können nur an Privatleute und die Kommunen appellieren, Unterkünfte zur Verfügung zu stellen“, sagt Kokoska-Ruppert.
Die Zeit drängt, weil sich die Zahl der Asylbewerber in Deutschland seit gut einem Jahr vervielfacht hat. Für diese Woche rechnet die Abteilungsleiterin nicht mit einem Anruf aus dem zentralen Auffanglager in Zirndorf, das mit rund 800 Menschen hoffnungslos überfüllt ist. „Aber nächste Woche werden wir wohl wieder 20 Leute aufnehmen müssen.“
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