Von der Erzieherin zur Hauptschullehrerin
12.08.2009, 00:00 Uhr
Die Urkunde zur Erzieherin zählt wie ein Meisterbrief. Seit Juli ist es möglich, damit ein Studium an einer Universität aufzunehmen. Zwar hat Goller im Rahmen ihrer fünfjährigen Ausbildung auch die Allgemeine Fachhochschulreife erlangt – für die Universität ist der Notendurchschnitt des Fachabiturs aber nicht relevant.
«Ich wollte schon immer gerne Lehramt studieren. Da es mir bisher aber nicht möglich war, an die Universität zu gehen, habe ich zunächst den Umweg über die Fachhochschule gewählt», sagt Goller. Nach zwei Semestern im Bachelor-Studiengang «Soziale Arbeit» an der Fachhochschule habe sie im März dieses Jahres zufällig von den geplanten Änderungen für ein Uni-Studium erfahren. «Sofort habe ich im Internet nach Informationen gesucht und auch mehrmals im Kultusministerium angerufen», erzählt die 25-Jährige. Doch genaue Informationen gab es bis dato nicht.
Ihr eigenes Telefon klingelte in dieser Zeit ebenfalls Sturm. «Das Interesse bei meinen Kommilitonen war sehr groß. Es war eine Riesenüberraschung, auf einmal zu allen Studienfächern an der Uni zugelassen zu werden. Alleine die Vorstellung, jetzt Medizin studieren zu dürfen, ist schon komisch. Sämtliche Leute haben mich angerufen, um sich zu erkundigen».
Bis Mitte Juli wusste sie nicht, ob es mit dem Uni-Studium tatsächlich klappen würde. Und dass man dazu vorab an einem Beratungsgespräch teilnehmen muss, auch nicht. «Das habe ich erst kurz vor der Einschreibung im Internet gelesen. Aber es war kein Problem, hierfür schnell einen Termin zu bekommen», sagt Goller.
Das Beratungsgespräch habe sie noch einmal zum Nachdenken angeregt. «Ich fand es gut», sagt Goller, «auch wenn man aufgrund des Alters und der Erfahrung im Beruf weiß, worauf man sich einlässt und was auf einen zukommt.»
Mit ihrem Studienwunsch hat sich Kerstin Goller lange beschäftigt. «Für mich ist es eine Herzensangelegenheit, mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten», sagt sie. Schon als Jugendliche habe sie Jugend-, Theater- und Freizeitsportgruppen geleitet. Nach Abschluss ihrer Ausbildung 2006 sammelte sie zudem ein halbes Jahr Auslandserfahrung in Lateinamerika, und arbeitete dann ein Jahr lang in ihrem Beruf an einer Sprachheilschule und in einem Kinderhaus in der Ganztagesbetreuung.
Endgültig bestätigt gefühlt in dem Wunsch, Hauptschullehramt zu studieren, habe sie sich kürzlich nach einem dreiwöchigen Orientierungspraktikum an einer Schule.
Jetzt kann Goller es kaum erwarten, in ihrer ersten Uni-Vorlesung zu sitzen. «Ich freue mich wahnsinnig, dass es geklappt hat und bin unglaublich gespannt», sprudelt es aus ihr heraus und jetzt packt sie der Ehrgeiz: «Ich werde alles dafür geben!»
Keine Kommentare
Um selbst einen Kommentar abgeben zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich vorher registrieren.
0/1000 Zeichen