Bauern wollen auf Glyphosat nicht verzichten
04.02.2018, 08:26 Uhr
In den Stadträten von Weißenburg und von Gunzenhausen sowie in den Kreisgremien lagen jeweils mehrere Anträge mit dem Ziel eines Glyphosatverbotes auf den jeweiligen Flächen vor. Zumindest bei neuen Pachtverträgen sollten entsprechende Passagen eingebaut werden und idealerweise sollten auch bisherige Pächter von einem Verzicht überzeugt werden.
Rottenberger und sein Stellvertreter Erwin Auernhammer halten das für keine gute Idee bzw. für kontraproduktiv. Sie betonen, dass sie das im Verdacht krebserregend zu sein stehende Unkrautmittel nicht bedenkenlos in großen Mengen auf die Felder ausbringen wollen. Vielmehr sei es in manchen Fällen die beste Lösung. Mit schärferen Auflagen für den Einsatz könnten sie sich deshalb noch anfreunden, mit einem generellen Verbot haben sie hingegen ein Problem.
Beispiel: Zwischenfrüchte. Wenn es in einem Winter keinen kräftigen Frost gibt, der die Pflanzen absterben lässt, müssen die Bauern etwas tun, um die Pflanzen auf den Feldern abzutöten. „Wenn es einen ordentlichen Frost gibt, brauchen wir das natürlich nicht und dann machen wir das auch nicht“, betonte Auernhammer. Es wäre ja nicht sinnvoll, bereits abgestorbene Pflanzen noch einmal mit einem teuren Mittel zu behandeln. Glyphosat sei aber eben nur der Plan B, wenn der harte Frost ausbleibe.
Denn auf die Zwischenfrüchte sollte aus Sicht des Bauernverbandes keinesfalls verzichtet werden. Im Landkreis habe man damit seit etlichen Jahren sehr gute Erfahrungen gemacht und sei bayernweit ganz vorne dabei. Bodenerosionen werden verringert, das Grundwasser und Gewässer werden durch die Pflanzen vor Verunreinigungen geschützt, und für das Wild bedeuten die Pflanzen Nahrung und Unterschlupf in der kalten Jahreszeit. Seit Jahren werben der BBV und das Landwirtschaftsamt in Bayern mit viel Elan für die Winterpflanzen und achten auch darauf, dass sie mit einer späten Blüte die Bienen und andere Insekten nicht aus ihrem Jahresrhythmus bringen.
Auch Quecken sind ein Problem
Rottenberger: „Zwischenfrüchte haben unheimlich gute Auswirkungen.“ Doch wenn die Bauern sie am Ende des Winters nicht mehr abtöten und loswerden können, werden wohl viele wieder auf deren Aussaat verzichten, fürchtet der Kreisobmann.
Ein anderes Problemfeld sind die Quecken im Feld. Wenn das Wetter mitspielt, lassen sich diese aus dem Boden ziehen. Dann trocknen sie an der Luft aus und sterben ab, erläuterte Auernhammer. Doch bei einem Wetter wie im vergangenen Jahr mit viel Regen im Frühjahr funktioniert das nicht. Da wurzeln die Pflanzen einfach wieder und das Problem wird nur größer. Auch hier sei das Glyphosat ein Problemlöser.
Rottenberger verweist darauf, dass das von Monsanto entwickelte Mittel ausschließlich über das Blatt wirkt. „Es wird nur das kaputt, was grün ist“, beschreibt es Auernhammer plastisch. Ein flächendeckendes Verteilen auf einem Acker ohne Zwischenfrüchte im Winter sei damit völlig sinnlos. Es gibt keine nachweisbaren Rückstände im Boden und könne ganz gezielt eingesetzt werden. Die Wissenschaftler streiten nach wie vor, ob das Mittel nun krebserregend ist oder nicht. Es gebe lediglich den Verdacht, dass es so sein könnte. Und damit stehe es im Prinzip auf einer Stufe mit einer geräucherten Bratwurst, rotem Fleisch auf dem Grill, versuchte Erwin Auernhammer die Ängste vor dem Unkrautvernichtungsmittel abzubauen.
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