BR drehte im historischen Weißenburger Klassenzimmer

13.05.2016, 08:02 Uhr
BR drehte im historischen Weißenburger Klassenzimmer

© Markus Steiner

Die BR-Autorin, die für das Studio Franken in Nürnberg arbeitet, kannte das Klassenzimmer von einem früheren Dreh und hatte schon immer den Wunsch, einmal einen längeren Beitrag über Unterricht, wie er früher war, zu realisieren.

Das historische Klassenzimmer, das der frühere Lehrer Gerhard Grimm für das 100-jährige Schuljubiläum im Jahr 2008 eingerichtet hatte, ist als Drehort natürlich bestens geeignet: Die Schulbänke, die Kreidetafeln und die anderen Utensilien, die früher typisch waren, müssen nicht eigens angekarrt werden, sondern sind fester Bestandteil des Klassenzimmers, das auch regelmäßig für den Heimat- und  Sachkundeunterricht verwendet wird.

Gestern nutzten die Erstklässler den authentischen Raum, um einmal am eigenen Leib nachempfinden zu können, wie der Unterricht früher einmal war. Tatzen auf die Fingerspitzen, in der Ecke stehen oder Hiebe auf den Hosenboden gehörten in den 50er-Jahren zum Schulalltag dazu wie heute Laptop oder Beamer.

Interview mit Zeitzeugen

Damit die Kinder auch echte Zeitzeugen befragen konnten, hatte Rektorin Margit Nothhaft-Buchner Cris­tine Wägemann und Ludwig Emmerling eingeladen. Beide sind in der Grundschule Lesepaten und sind von daher auch den Kinder bekannt. Wägemann wurde 1959 in einer kleinen Volksschule in Oberkotzau eingeschult. Emmerling war 1956 Erstklässler in Gunzenhausen. An ihre Grundschulzeit können sich beide noch gut erinnern. Wenngleich mit durchaus unterschiedlichen Gefühlen.

„Wir durften noch Kind sein, hatten viel weniger Stress als Ihr heute, und die Anforderungen waren niedriger“, antwortete Cristine Wägemann auf die Frage, was ihr von ihrer Schulzeit noch gut in Erinnerung ist. Ludwig Emmerling hat dagegen keine allzu guten Erinnerungen an die ersten Jahre seiner Schullaufbahn: „Es gab noch Tatzen auf die Hand, wenn man geschwätzt hat, und jeder hatte Angst vor dem Lehrer.“ Eine Erinnerung, die ein Erstklässler von heute spontan mit einem „Autsch“ kommentierte.

Für den Dreh waren alle Kinder in möglichst authentischen Kleidern erschienen: Lederhosen, Filzwesten, oder bunte Kleidchen, die Lehrerin Corinna Kohlert, Doris Rotter vom Nähzentrum Regner und Maria Feigel gemeinsam mit Eltern genäht hatten. Die Mädchen trugen zudem überwiegend Zöpfe, wie sie eben in der damaligen Zeit typisch waren.

Dass sich die Zeiten in fast sechs Jahrzehnten drastisch geändert haben, wurde bei der Zeitzeugenbefragung mehr als deutlich. Kein Kind braucht heute noch Angst vor dem Rohrstock zu haben. Als Rektorin Nothhaft-Buchner eine Szene nachstellt und den Hieb mit dem Rohrstock nur andeutet, fällt ihr selbst das sichtlich schwer.

„Den Rohrstock finde ich gar nicht gut“, entrüstet sich auch eine Erstklässlerin. Eine andere will wissen, wie lange früher die Pause dauerte und was die Kinder damals gespielt haben. „Kästchenhüpfen“ oder „Fangen“ lauten die Antworten von Wägemann und Emmerling. Allerdings, gesteht der Gunzenhausener ein, durfte man sich beim Rennen nicht erwischen lassen, sonst hagelte es wieder Hiebe. Am heutigen Freitag dreht das BR-Team noch einmal in Weißenburg. Ein Kinderreporterteam mit Zweitklässlern wird Oberbürgermeister Jürgen Schröppel, Stadtarchivar Reiner Kammerl und Dekanin Ingrid Gottwald-Weber vor dem Rathaus, der Stadtmauer oder der evangelischen Stadtkirche St. Andreas interviewen und sich die Fragen zu den Gebäuden von den Experten beantworten lassen.

Wann der fünfminütige Beitrag über das historische Klassenzimmer der Grundschule Weißenburg genau im Bayerischen Fernsehen gesendet wird, steht derzeit noch nicht fest, wird aber im Weißenburger Tagblatt rechtzeitig bekannt gegeben.

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