Widerstand in der Region gegen Glyphosat-Einsatz
19.12.2017, 10:00 UhrFür Susanne Lender-Cassens, die Erlanger Umweltbürgermeisterin, ist Glyphosat nicht nur in der Landwirtschaft ein Problem, sondern auch in Haus- und Kleingärten. "Solche angebotenen Pflanzenvernichtungsmittel dürfen meist zwar nur mit Sachkundenachweis verwendet werden", sagt sie, "da man die aber problemlos in Baumärkten oder im Internet kaufen kann, ist die Einhaltung des Gesetzes nur schwer kontrollierbar."
Aus der Sicht der Politikerin hilft dagegen wirkungsvoll grundsätzlich nur ein nationales Verbot. Die Stadt Erlangen hat das für sich sozusagen vorweggenommen. Die Abteilung Stadtgrün verzichte, so die Politikerin, schon seit Jahren auf den Einsatz jeglicher Herbizide und Insektizide. Und bei der Straßenreinigung würden störende Kräuter ausschließlich mechanisch-maschinell entfernt. Aber nicht nur das.
Städtische Verpflichtung
Seit vergangenem Jahr werden auch Unternehmen, die öffentliche Flächen in der Hugenottenstadt pflegen, darauf verpflichtet, auf Glyphosat zu verzichten, das im Verdacht steht, Krebs zu erregen und das zum Artensterben beiträgt. Wenn Pachtverträge zur landwirtschaftlichen Nutzung städtischer Grundstücke neu abgeschlossen werden, dann gilt: Pflanzenvernichtungsmittel, die den Wirkstoff Glyphosat enthalten, sind verboten.
In Selbstbeschränkung übt sich die Gärtnerei des städtischen Baubetriebshofs Herzogenaurach. Der gefährliche Stoff ist hier tabu, und Insekten-Vernichtungsmittel würden nur in akuten Fällen punktuell eingesetzt, etwa dann, wenn der Eichenprozessionsspinner zur Plage wird. Laut Bürgermeister German Hacker wird dafür aber nicht mehr als etwa ein Viertelliter eines Gifts im Jahr benötigt.
Bei landwirtschaftlichen Flächen, welche die Stadt Herzogenaurach verpachtet oder die sie selbst pflegt, mache ein Glyphosat-Verbot keinen Sinn. Da handele es sich ausschließlich um Wiesen. Dafür ist der Einsatz des Giftes gar nicht vorgesehen.
Dieser Umstand ist der Grund dafür, dass die Aktion der oberbayerischen Groß-Molkerei Berchtesgadener Land für den Bayerische Bauernverband (BBV) keinen Modellcharakter für andere Molkereien haben könne. Dort, im Süden Bayerns, wirtschafteten die Milchlieferanten nämlich nahezu zu 100 Prozent auf Grünland, wo in der Regel eben von Haus aus kein Totalherbizid ausgebracht werde.
Nur streng nach Vorschrift
In Franken diene dagegen auch Ackerland bei den Milchlieferbetrieben als Futterfläche. Ottmar Braun, Sprecher des BBV in Mittelfranken, versichert, dass glyphosathaltige Pflanzen aber auf keinen Fall verfüttert würden. Die abgespritzten Pflanzen würden in den Ackerboden untergepflügt oder eingemulcht. Glyphosat werde nämlich eingesetzt, um Unkräuter vor der Aussaat der Hauptfrucht vom Acker zu entfernen.
Gleichwohl hat der Bund Naturschutz (BN) alle Molkereien aufgefordert, dem Berchtesgadener Beispiel zu Folgen. Ein Ausstieg aus der Glyphosatanwendung in der Landwirtschaft sei überfällig, heißt es in einem Schreiben der Organisation an die Unternehmen.
Ottmar Braun stört sich insgesamt an der "emotionalen Debatte". Man müsse sich auf amtliche Stellen verlassen können, wenn die nach gründlicher Prüfung ein solches Mittel zulassen.
Der Umweltausschuss der Stadt Fürth hat unterdessen auf Antrag der Grünen beschlossen, Glyphosat von Flächen in städtischer Verantwortung künftig komplett zu verbannen. Man wolle damit ein politisches Signal setzen. Wo der Stoff in Fürth eventuell zum Einsatz kommt, ist dort allerdings noch gar nicht bekannt.
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