Aktion in der Kunstvilla: So arbeiten Synchronsprecher
01.12.2017, 16:19 UhrWer Giorgio Hupfer kannte, erkennt auch den Kleiderständer sofort wieder, der einst in seinem Atelier "Kunsthandlung" in der Wandererstraße stand. Davor steht Matthias Kutsch und erzählt, wie er den Künstler in Indien kennen gelernt hat: "Es war wahnsinnig heiß und er in einem komplett weißen Anzug, diesen Strohhut auf, dann diese Goldkette um und diesen goldenen Ring an... Er ist mit einer Nonchalance durch den Raum gelaufen. Es war super!"
Vor fünf Jahren ist der Nürnberger Künstler gestorben, zu seinen Ehren zeigt die Kunstvilla derzeit die Ausstellung "Du sollst Dir kein Bild machen". Hupfers Freunde Matthias Kutsch und Renata Lysy sind gekommen, weil sie sich eine Aktion im Rahmen der Ausstellung nicht entgehen lassen wollen. In einem Pop up-Tonstudio, das Kunstakademieabsolvent Michael Akstaller im Keller der Villa aufgebaut hat, können Besucher eine Szene aus dem Film "The Role / Die Rolle" synchronisieren – und damit selbst in die Rolle von Giorgio Hupfer schlüpfen.
Es ist die Eröffnungsszene, in der die schöne und geheimnisvolle Miss Moonscale den Detektiv Sam Saltoni (Hupfer) um Hilfe bittet. "Als der Film 1989 gezeigt wurde, war das Charmante und Tolle ja, dass Giorgio und sein Künstlerkollege Max Baumer mit im Kino gesessen sind und die Texte live gesprochen haben," erklärt Akstaller. "Wir synchronisieren Stimmen und Geräusche."
Der junge Künstler sitzt hinter einem Laptop. Zwei neue Besucherinnen finden sich in dem mit schwarzem Molton ausgekleideten Studio ein. Auf einem langen Tisch gegenüber der Leinwand liegen vor einer Reihe Mikrophone Skript-Blätter und allerlei Requisiten: Ein Schuh, eine Wasserflasche, ein Glas, eine Schreibmaschine, zwei Spülschwämme. Die beiden Frauen nehmen vor den Textblättern Platz. Nach kurzer Diskussion sind sie sich einig, wer wen sprechen soll.
"Guten Morgen, Baby", beginnt die kurzhaarige Saltoni-Sprecherin betont lässig und so tief wie möglich sprechend. "Morgen, Sam", erwidert ihr Gegenüber, jetzt noch als Sekretärin. Später wird sie in die Rolle der geheimnisvollen Miss Moonscale schlüpfen. Die beiden Damen machen ihren Job verdammt gut, nur einmal verpatzen sie und verkneifen sich das Lachen, als sie merken, dass sie Sams Text Miss Moonscale in den Mund legen und umgekehrt.
In andere Rollen schlüpfen, das hat Hupfer im Grunde zeitlebens getan. Geboren als Georg Friedrich Hupfer entschied er sich nach einer Italienreise für den Künstlernamen Giorgio. Ähnlich wie die Hollywood-Ästhetik der frühen 40er Jahre und Indien übte Italien eine Faszination auf ihn aus und das sah man auch: Schnurrbart, Hut, weißes Hemd und schwarzes Sakko. Bei seiner Liebe zum Rollenspiel ist es nur konsequent, die Besucher einer Hupfer-Ausstellung in seine Rolle schlüpfen zu lassen. Und die hatten ihren Spaß dabei.
Die Ausstellung läuft bis 8. April in der Kunstvilla, Blumenstraße 17.
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