Zeugnisse eines Dichterlebens
20.10.2005, 00:00 Uhr
Nun werden in sechs Räumen Zeugnisse eines fast vergessenen Dichterlebens ausgebreitet. Die Präsentation ist sparsam, einerseits, weil aus dem letzten Domizil in Altaussee nach der Emigration der Witwe kaum etwas die NS-Zeit überdauerte, andererseits ist die exemplarische Präsentation pädagogisches Prinzip des Museums.
Dennoch gibt es Neues zu entdecken. So steuert die Enkelin ein bislang als verschollenen geltenes Tagebuch und private Fotoalben bei. Ein Gemälde aus einstigem Wassermann-Besitz zeigt den damals 58-Jährigen, porträtiert von Max Slevogt. Empfindliche Fotos sind in einer Diaschau zu sehen, die die Biografie des Schriftstellers aufblättert. Von Wassermanns Schreibtisch ist nur ein Tintenfass überliefert, dafür sind Utensilien aus den Nachlässen seiner Dichterkollegen, eine Brille (von Hofmannsthal), eine Schreibmaschine (von Döblin) und eine Tischglocke (von Tucholsky), anekdotisch gruppiert. Und natürlich gibt es jede Menge Buchausgaben des sehr produktiven Autors, der als Jude 1933 mit allen Werken auf die Schwarze NS-Liste des Börsenblatts kam.
Begleitet wird die Ausstellung. u.a. von einem öffentliche Symposium mit den Erlanger Germanistikprofessoren Gunnar Och und Dirk Niefanger. Dabei geht es um „neue Blicke auf einen Klassiker der deutsch-jüdischen Erzählliteratur“ (27. bis 29.10.). Führungen (23.10. und 13.11.) nehmen die biografische und literarische Spurensuche auf. Zwei Vorträge widmen sich den Briefen (13.12) und Tagebüchern (24.1.). Und mit Installationen von Sabine Pester, Friederike Bennesch und Joanna Maxellon wird auch der Dialog zur bildenden Kunst aufgenommen. MARTIN MÖLLER
Jüdisches Museum, Fürth, Königstr. 89: „Jakob Wassermann: Deutscher Jude Literat“. Bis 12. März, Di. 10-20, Mi.-So. 10-17 Uhr; Info-Tel.: 09 11/ 77 05 77.