Kündigung für 180 Mitarbeiter
Wichtiger Deal geplatzt: Weiterer Autozulieferer in der Region schließt noch im Frühjahr
27.02.2025, 20:57 Uhr
Die Flabeg Automotive Germany GmbH muss voraussichtlich noch in diesem Frühjahr ihren Betrieb einstellen. 100 Mitarbeiter am Produktionsstandort Furth im Wald im Landkreis Cham müssen sofort gehen.
Nach einem gescheiterten Test für ein neues Display-Glas hat der Kunde entschieden, dem Automobilzulieferer den Auftrag zu entziehen. Der war für den Fortbestand des Betriebs offenbar entscheidend: "Ohne den Umsatz aus diesem Auftrag ist ein wirtschaftlicher Betrieb von Flabeg Germany nicht mehr möglich", erläuterte Insolvenzverwalter Volker Böhm in einem Pressebericht. "Deshalb ist auch keiner der möglichen Investoren bereit, bei Flabeg Deutschland einzusteigen und die nötigen Finanzmittel für den Weiterbetrieb zur Verfügung zu stellen."
Böhm und Geschäftsführer Thorsten Hosung haben bereits am Mittwoch die Belegschaft über den Stand informiert.
"An ihnen hat es nicht gelegen": Alle Mitarbeiter müssen gehen
Das Unternehmen produziert vor allem Glasprodukte und Spiegel für die Automobil- und Solarindustrie. Die Wurzeln liegen im Jahr 1882 im oberpfälzischen Furth im Wald. Die Flabeg Automotive Germany GmbH ist Teil der in Nürnberg sitzenden Flabeg Automotive Glass Group GmbH. Der Standort Nürnberg sei von der Schließung jedoch nicht betroffen.
"Das deutsche Insolvenzrecht gestattet die Fortführung eines Unternehmens nur dann, wenn es keine Verluste macht, weil ansonsten die Gläubiger weiter geschädigt werden", erläuter der Insolvenzverwalter weiter. Nach dem Scheitern der Investorenlösung müssen deshalb die verbliebenen 180 Flabeg-Mitarbeiter in den nächsten Tagen gekündigt werden. Rund 100 von ihnen werden dann mit sofortiger Wirkung freigestellt. Die übrigen rund 80 Arbeitnehmer werden voraussichtlich bis mindestens Ende Mai 2025 weiterbeschäftigt, um die restlichen Aufträge zu produzieren.
"Ich bedauere sehr, dass dieser Schritt nötig wurde", betonte Böhm. "Die Mitarbeiter haben die vergangenen sieben Monate trotz dieser äußerst schwierigen Situation mit vollem Engagement weitergearbeitet. An ihnen hat es nicht gelegen."
Bereits 2024 Insolvenz angemeldet - alles hing an wichtigem Produkttest
Die Firma Flabeg Germany musste bereits im Juli vergangenen Jahres Insolvenz anmelden. Zunächst war es dem Insolvenzverwalter gemeinsam mit der Geschäftsführung laut der Mitteilung schnell gelungen, den Geschäftsbetrieb zu stabilisieren und in vollem Umfang fortzuführen. "Lieferanten und Kunden hatten dem Sanierungskurs ihre Unterstützung zugesagt und waren zu Zugeständnissen bereit", erklärt die Kanzlei Schultze & Braun. Parallel wurde weltweit nach möglichen Investoren gesucht. "Ohne einen Eigentümer, der frisches Kapital mitbringt, war und ist eine Sanierung von Flabeg nicht machbar", stellte der Insolvenzverwalter klar.
Die möglichen Investoren hätten allerdings zur Bedingung gemacht, dass vor einer Übernahme eine neue Produktlinie zur Marktreife geführt wird. Konkret handelte es sich dabei um ein Display-Glas für Armaturenbretter in Autos. Hätte das neue Display-Glas die Marktreife erreicht, hätte dies laut der Mitteilung zu einem Auftrag eines Großkunden geführt. Bei den entsprechenden Produkttests in der vergangenen Woche hätte das Display allerdings nicht die gestellten Sicherheitsanforderungen erfüllen können. Ohne den damit verbundenen Umsatz, bleibe dem Unternehmen nun keine Wahl, als den Betrieb einzustellen.
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