Spannender Fantasy-Auftakt
„Sündenfall“: Der Auftakt zu einem ganz besonderen Fantasy-Epos
04.04.2025, 13:00 Uhr
„Sündenfall“ ist der Auftakt der Reihe, und schon die Ausgangssituation ist für ein Fantasy-Epos ungewöhnlich. Denn wenn es normalerweise darum geht, eine große Katastrophe zu verhindern, steht diese Katastrophe hier ganz am Anfang der Geschichte und die verbliebenen müssen nun den Scherbenhaufen zusammenkehren. Aber alles der Reihe nach.
„Sündenfall“: Darum geht es
Windwirr ist zerstört. Nicht nur verbrannt oder von Feinden überrannt, es liegt völlig in Schutt und Asche. Eine riesige Rauchsäule, die von den Trümmern der einst reichsten Stadt der Benannten Lande, in der das Wissen des gesamten Kontinents gesammelt wurde, aufsteigt, kündet auch in großer Entfernung vom Unheil. Rudolpho, der Herr der neun Wälder, macht sich sofort auf den Weg nach Windwirr.
Der Orden der Androfranziner, bestehend aus einer Unzahl an Mönchen und einem Papst als Oberhaupt, hatte in der Stadt Wissen gesammelt. Denn bereits vor 2000 Jahren gab es eine große Katastrophe. Über diese ist wenig bekannt, nur bedeutete sie das Ende für eine fortgeschrittene Hochkultur. Die Mönche des Ordens haben die letzten Jahrhunderte damit verbracht, das verlorene Wissen auszugraben, einzuordnen und zu katalogisieren. Ihre Rolle als Wächter über dieses Wissen hat ihnen dabei eine enorme Machtposition in den Benannten Landen eingebracht. Doch jetzt ist der Orden Geschichte. Das gesamte Wissen ist verloren.
Denn als Rudolpho in Windwirr ankommt, bestätigen sich seine Befürchtungen: Die Stadt ist völlig zerstört. Seine Späher haben nur einen einzigen Überlebenden gefunden, im Zentrum des Kraters. Ein sprechender Metallmann, ein sogenannter Mechoservitor, genau genommen der Mechoservitor Nummer Drei. Die Androfranziner haben ihr gefundenes Wissen dazu benutzt, um solche mechanischen Diener anzufertigen. Rudolpho gibt des Mechoservitor Nummer Drei den Namen Isaak. Isaak behauptet, für die Katastrophe verantwortlich zu sein.
Doch natürlich interessiert sich nicht nur der Herr der Neun Wälder für die Katastrophe von Windwirr. Es entpuppt sich ein Machtkampf um die Überreste des Ordens, wer wird die Herrschaft über die Benannten Lande übernehmen, jetzt wo die Androfranziner Geschichte sind und ihr Papst seine Macht eingebüßt hat? Und wer ist eigentlich wirklich verantwortlich an der Verheerung von Windwirr?
„Die Legende von Isaak“ - Wie gut ist der Auftakt der Reihe?
Für Ken Scholes‘ „Sündenfall“ geht schon an dieser Stelle eine absolute Leseempfehlung raus. Nicht nur ist die Geschichte fesselnd und interessant geschrieben, auch die Figuren überzeugen und sind authentisch. Auch wenn sie hier und da etwas klischeehaft ankommen. So ist die weibliche Hauptfigur zwar selbstverständlich wunderschön, aber zumindest ist sie einen guten Kopf größer als die Männer in der Geschichte. „Sündenfall“ ist einfach ein bisschen anders. Abgesehen von der ungewöhnlichen Ausgangssituation ist auch die Erzählweise spannend gehalten.
Abwechselnd lesen wir die Episoden, die sich um die jeweiligen Hauptcharaktere drehen, wodurch sie alle nahbar werden und die Gelegenheit bekommen, etwas Tiefe zu erlangen. Auch die Vermischung von Magie und Technik ist faszinierend. Während die Welten vieler Fantasy-Epen auf einer Kultur basieren und etwas Magie beimischen, spielt Ken Scholes in „Sündenfall“ mit verschiedenen Kulturen und baut Merkmale unterschiedlicher Epochen ein.
So sehen wir mit der Verheerung von Windwirr eine Katastrophe, die uns beim Lesen an einen Atomschlag erinnert. Wir stehen also im 20. Jahrhundert, die direkt voranstehende Machtposition des Androfranzinerordens deutet hingegen auf die mächtigste Zeit der katholischen Kirche hin, also des europäischen Mittelalters. Faszinierend ist auch die Verbindung von Technik und Mythologie, die auf einen sozialen Spannungspunkt ähnlich der Industrialisierung hindeutet.
Zuletzt ist auch Ken Scholes‘ Schreibstil für das Gelingen des Buches verantwortlich. Eine einfache und nicht zu komplizierte Sprache, die unaufdringlich eine spannende Geschichte erzählt, mit einer ganz eigenen Melodie.
"Sündenfall"
von Ken Scholes
- übersetzt von Simone Heller
- 539 Seiten
- Blanvalet
- ISBN: 978-3442266722
- 15 Euro
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